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05.09.2007
Jedes Kind geht seinen Weg.
Grußwort der nordrhein-westfälischen Schulministerin Barbara Sommer

Liebe Leserinnen und Leser des Mindener Tageblatts,

für rund 190 000 Erstklässer ist vor einigen Wochen ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Sie dürfen endlich in die Schule gehen. Zu Beginn sind alle Kinder Feuer und Flamme. Sie wissen genau, was sie lernen wollen. Rechnen und Schreiben steht ganz oben auf der Wunschliste.

Erst wenn sie das können, so glauben Kinder, sind sie groß. Aber sie merken auch schnell, wie mühsam sich Lernen gestalten kann. Nicht immer wird man gelobt, oft muss man sich sehr anstrengen. Genau in diesen mühevollen Situationen verliert ein Kind schnell die Lust und Motivation.

Sie als Eltern sind wahrscheinlich die Ersten, die diese Gefühle eines Kindes wahrnehmen werden. Zeigen Sie Interesse an der Arbeit des Kindes. Fragen Sie nach seinen Erfahrungen in der Schule, erkundigen Sie sich nach den Freunden. Erst durch Gespräche werden Sie einen Einblick in die neue Lebenssituation Ihres Kindes erhalten. Sie können dann auch sehr gut einschätzen, wenn die Motivation leidet. Informieren Sie dann unverzüglich die Lehrerin oder den Lehrer. Gemeinsam werden Sie nach Wegen und Möglichkeiten suchen, damit Ihr Kind wieder Lust hat, zur Schule zu gehen.

Auch der neue Tagesrhythmus muss erst gelernt und akzeptiert werden. Sie können dabei das Kind unterstützen. Stehe Sie gemeinsam mit dem Kind frühzeitig auf. Frühstücken Sie in Ruhe und besprechen Sie die schönen Dinge des Tages. Lassen sie sich jeden Tag die Hausaufgaben erklären. Dadurch wird Ihr Kind die Inhalte noch einmal lernen. Erzählen Sie aus Ihrer eigenen Schulzeit. Wie haben Sie die Hausaufgaben gemacht? Was haben Sie getan, wenn Sie einmal verschlafen haben? Diese Geschichten hören Kinder gerne und sie erkennen, wie Probleme gelöst werden können.

Hat Ihr Kind eine Situation gut gemeistert, sollten Sie nicht mit Lob sparen. Auf der anderen Seite sollten Sie unterstützen, trösten und ermutigen, wenn der Erfolg einmal ausbleibt.

Vieles in der Grundschule wird Sie an Ihre eigene Schulzeit erinnern, vieles wird Sie aber auch überraschen. Wir wollen die Kinder auf die Zukunft vorbereiten. Aus diesem Grund muss sich Unterricht ändern. Wenn Sie Fragen dazu haben und unsicher sind, wenden Sie sich an die Schule. Dort wird man Ihnen alle Fragen beantworten. Dort erhalten Sie auch Tipps, wie Sie Ihr Kind zu Hause unterstützen können.

Die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus ist besonders wichtig. Das Kind merkt daran, dass Sie sich interessieren und alle gemeinsame Ziele haben.

Gerade zu Beginn der Schulzeit ist die Lehrerin und der Lehrer auf Ihre Informationen angewiesen. Sie haben Ihr Kind die ersten sechs Jahre beobachtet und wissen genau, was es kann und wo es noch Hilfe braucht. Ihre Beobachtungen weisen die Lehrerin oder den Lehrer schon frühzeitig darauf hin, wo die Stärken und Schwächen liegen. Auf dieser Grundlage kann dann ein individueller Lernplan in der Schule erstellt werden. Gemeinsam mit der Lehrerin oder dem Lehrer begleiten Sie so Ihr Kind in den ersten vier Jahren und bereiten es auf den Übergang auf die weiterführende Schule vor.

Sicher werden Sie Ihr Kind mit anderen vergleichen. Aber das haben Sie auch schon in den ersten Jahren getan und schnell gemerkt, jedes Kind geht seinen eigenen Weg. Nicht jedes Kind muss alles gleich gut können. Nicht jedes Kind muss gleich schnell lernen. Ein Kind, das für ein Thema länger braucht, ist deswegen nicht dümmer als andere. Es lernt nur einfach anders. Sie sollten auch berücksichtigen, dass sich Mädchen und Jungen anders entwickeln. Denken Sie vielleicht auch einmal wieder an die eigenen Zeugnisse zurück. Sicher hatten Sie auch nicht in jedem Fach eine 1. Der Balanceakt zwischen Förderung und Forderung ist schwierig. Aber gemeinsam mit der Lehrerin oder dem Lehrer wird er gelingen.

Ich kann Ihnen nur raten, bleiben Sie gelassen, sprechen Sie viel mit der Lehrerin und vor allem, vertrauen Sie Ihrem Kind.

Die Schule bietet Ihnen im Rahmen der Elternmitarbeit eine Möglichkeit, das Schulleben mitzugestalten. Nutzen Sie diese Chancen, so wird auch Ihr Kind merken, wie wichtig ihnen die Schule ist.

Im häuslichen Alltag sollten Sie immer mehr Verantwortung auf das Kind übertragen. Trauen Sie ihm etwas zu, es wird mit Stolz viele Dinge bewältigen. Dies ist eine gute Vorbereitung für die Schule.

Geben Sie Ihrem Kind immer mehr Verantwortung in die eigenen Hände. Sicher wird es dabei Fehler machen. Aber aus Fehlern kann man lernen. Besprechen Sie diese mit Ihrem Kind und suchen Sie mit ihm nach Lösungen. Gemeinsam mit der Lehrerin oder dem Lehrer werden Sie und Ihr Kind hoffentlich eine schöne und damit auch unvergessliche Grundschulzeit haben, eine wichtige Grundlage für die weitere Schullaufbahn.

Ihre

Barbara Sommer

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Dokument erstellt am 05.09.2007 um 18:11:17 Uhr

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