Gedenkveranstaltungen zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Minden mit internationalem Publikum
VON STEFAN KOCH
Minden (mt). Die kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa sind Vergangenheit - doch der Frieden ist nur in einem vereinten Europa möglich: Das war die Botschaft, die am vergangenen Samstag von Minden ausging. Unter dem Motto "Forever Friends in Europe" feierten Briten, Franzosen und Deutsche am 1. August das Jubiläum der Schlacht bei Minden.
Am 1. August 1759 waren 110.000 Soldaten an einer Schlacht beteiligt, die nach Schätzung von Historikern auf beiden Seiten innerhalb weniger Stunden Verluste in Höhe von 11 000 Mann erbrachte - darunter 7000 Tote. Und da sich das Datum zum 250. Mal jährte, war diesmal die Gedenkveranstaltung am Denkmal am Wallfahrtsteich etwas Besonderes. Einen Besucherrekord verzeichnete das Bürgerbataillon als Ausrichter dieser Veranstaltung, zu der Vertreter des britischen Militärs gekommen waren. Stadtmajor Klaus Piepenbrink zog zusammen mit dem britischen Verbindungsoffizier Tony Domeisen Bilanz des damaligen Geschehens und reflektierte die historischen Konsequenzen, die sich aus der Niederlage der Franzosen vor den Toren Mindens ergeben hatten. "Erinnerung besteht darin, die Glut weiterzutragen und nicht die Asche", so das Fazit der beiden.
Nach der Gedenkveranstaltung folgte gegen 11 Uhr der Festakt mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, dem Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Deutschland, Generalmajor Mungo Melvin, und dem stellvertretenden französischen Botschafter in Deutschland, Bernard Chappedelaine - erstmals nahm damit ein Vertreter Frankreichs an den Mindener Gedenkveranstaltungen zur Schlacht teil.
Gemeinsame Zukunft nur vereint
Bürgermeister Michael Buhre machte vor den Anwesenden deutlich - darunter auch politische Vertreter aus Mindens Partnerstädten - dass der Frieden als gesamteuropäische Realität sehr jung sei und dass dies für den Osten sogar erst seit 20 Jahren gelte. "Wir feiern heute einen gemeinsamen Sieg - den Sieg von Freundschaft, Begegnung und Frieden", schloss Buhre seine Ausführungen.
"Die Geschichte Europas ist eine Geschichte der Kriege mit Millionen Verwundeten, Millionen von Toten - es ist eine Geschichte unendlichen Leids", erinnerte Jürgen Rüttgers. "Gerade wir Deutschen dürfen das nicht vergessen, schon gar nicht in einem Jahr, in dem wir an 60 Jahre Grundgesetz erinnern." Es könne nur eine gemeinsame Zukunft in einem vereinten Europa geben, so der Ministerpräsident.
Dass die Gemeinsamkeit auch außerhalb der europäischen Grenzen ihren Bestand haben müsse, machte Generalmajor Mungo Melvin deutlich. Man dürfe die Soldaten nicht vergessen, die überall auf der Welt - vor allem aber in Afghanistan im Einsatz seien. Der Dienst dort sei ebenso von historischer Bedeutung, wie die Schlacht bei Minden.
Ein Blick über die Grenzen Europas zeige, dass nicht überall auf der Welt Frieden herrschte, fügte auch Bernard Chappedelaine für Frankreich hinzu. Die Europäer dürften stolz darauf sein, einen Raum für Frieden und Verständigung geschaffen zu haben.
So klang der Festakt mit der europäischen Hymne aus. Dazu spielten die beim Tattoo am Freitag vertretenen Gruppen gemeinsam unter der Leitung von Simon Haw. Aufgelockert wurde die von MT-Lokalchef Hans-Jürgen Amtage und der Fernsehredakteurin Andrea Grießmann moderierte Veranstaltung durch szenische Darstellungen des Augenblick-Theaters und des Straßentheaters "Titanick".
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Fakten
Mehrere 1000 Ohrenstopfen wurden während der Schießvorführung auf Kanzlers Weide als Gehörschutz verteilt. Allein 500 gab das Technische Hilfswerk im Bereich eines preußischen Bataillonsgeschützes aus.
100.000 Rosenblätter warf ein Flugzeug der Briten zum Festakt am
Samstagvormittag über dem Simeonsplatz ab. Der Wind wehte die Fracht allerdings Richtung Glacis.
Acht Einwohner aus Yorkshire in England wanderten zum Schlachtenjubiläum nach Minden. Grund: viele Soldaten dieser Stadt waren 1759 an der Schlacht beteiligt.
Neben vielen anderen Organisationen war auch das Bürgerbataillon in den vergangenen Tagen mit 130 Helfern im Einsatz. Es richtete übrigens auch das Herzog-von-Braunschweig-Mahl aus (Bericht im MT).
An der Darstellung der Schlacht nahm auch ein aktiver britischer General in historischer Leutnantsuniform teil. Über seine Identität bewahrt die britische Armee Stillschweigen.
100 Kilogramm Schwarzpulver wurden bei der Schlachtdarbietung auf Kanzlers Weide in Gewehren und Kanonen gezündet. Zuvor hatte ein Waffenexperte der Mindener Polizei den Platz abgenommen.
Die Polizei stellte am Wochenende weder Verkehrsprobleme durch den Besucherandrang noch gefährliche Verletzungen von Gästen oder Schlachtendarstellern fest. Lediglich ein historisch gekleideter Soldat erlitt einen Schwächeanfall. (sk)
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