Martinipfarrer Heinrich Winter im Zwiegespräch mit seinem historischen Vorgänger
VON ROBERT KAUFFELD
Minden (rkm). "Was habt ihr gefeiert, den Krieg, den Sieg, den erhofften Frieden? Worum habt ihr den Allmächtigen gebeten?" Diese ernsten Fragen wurden am Sonntag nach den Jubiläumsfeierlichkeiten zur Schlacht von Minden in der Ratskirche St. Martini gestellt. Ebenfalls in historischen Kostümen.
Die Evangelische St. Martinikirche war beinahe bis auf den letzten Platz besetzt, als sich Pfarrer Dr. Heinrich Winter Fragen widmete, mit denen sich auch in den vergangenen Tagen viele Menschen im Zusammenhang mit den Feiern zum Jubiläum der Schlacht bei Minden beschäftigen. Sein Zwiegespräch mit dem historischen Pfarrer an St. Martini aus dem Jahr 1759, Marquard Arnold Johannes Göring, den Albertus Poel verkörperte, vermittelte eindrucksvoll, wie die Menschen damals dachten, als sie von Not und Sorgen geplagt wurden und Brandschatzung, Schinderei und noch mehr Elend befürchten mussten.
Das Zwiegespräch machte auch nachdenklich bei den Gedanken an die noch folgenden Schlachten und Kriege, bei denen sich die Massen um nationaler Ehre willen oder aus Ruhmsucht verführen ließen zu Kriegen, in denen sogar die Kirchen die Waffen segneten. Immer wieder sei Gott als "siegreiche Wehr und Waffe wider unsere Feinde" gerufen worden, so Pfarrer Winter. Und Göring, der alte Pastor von damals, sah rückblickend, wie man seit ewigen Zeiten den Menschen den Weg zu Sanftmut und Demut gewiesen habe, und forderte auf, nicht Richter sein zu wollen, sondern in die Zukunft zu blicken, Gottes Weisheit zu erkennen und für Gottes Friedenswillen frei zu sein.
Seit 64 Jahren ohne Krieg
Winter erinnerte daran, dass Deutschland nunmehr seit 64 Jahren ohne Krieg lebe. Er zeigte den Weg, auf dem sich die Menschen nationalistischer Ehrsucht und Machtgelüsten von Regierungen gegenüber anderen Völkern versagen und in diesem Sinn ihre Frucht bringen zur Ehre Gottes.
Damals wie heute war Psalm 85 Grundlage der Predigten, die jeweils aus ihrer Sicht das Wort Gottes deuteten. Und Winter war sich mit seinem Amtsbruder einig, der zum Abschluss zum Ausdruck brachte: "... erst wenn dein persönlicher Lebensweg dieser Ehre Gottes dient, dann wirst du deinen Worten die Glaubwürdigkeit hinzugefügt haben, die Gottes Frieden in Psalm 85 auch von dir fordert."
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