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03.08.2009
Freche Attacke der Narren
Schlacht-Legende geschickt in Commedia dell´Arte eingebunden
VON URSULA KOCH

Minden (mt). Noch bevor die Schauspieler von "Narrattak" vor den Vorhang ihres Theaterkarrens treten, hat sich im Schatten der Martinikirche schon eine Menschentraube gebildet.

Mit Gesang und ein wenig Akrobatik lenken die Schauspieler Eckehard Eumann, Bärbel Kandziora und Thos Renneberg (v. l.) vom Theater Narrattak zu Beginn ihres Auftritts die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. | MT-Foto: Koch

Drei Schauspieler in sieben Rollen erzählen im Stil der Commedia dell´Arte die Geschichte von "Ludowig e Rosalind". Auch wenn der Titel und auch der Beginn des Spiels zunächst nicht so richtig zu dem Anlass des Auftritts, dem 250. Jahrestag der Schlacht bei Minden zu tun zu haben scheint, so passt doch diese Theaterform, die sich im 16. Jahrhundert in Italien entwickelte, wunderbar in die Zeit. Gesang, Tanz, Pantomime, maskierte Harlekine und Improvisation mischen sich zu turbulentem Volkstheater, das sich zwischen den kleinen Marktbuden, der fürstlichen Hofreitschule und den Falknern nahtlos ins Bild einfügt.

Legende aus der Schlacht geschickt eingebaut

Es geht um die schöne Rosalind, die ihr Vater, Signor Pantalone, mit einem reichen Capitano verheiraten will, obwohl sie doch den armen Ludowig liebt. Der Capitano mit dem unendlich langen Namen, den er selbst kaum ohne amüsante Verdreher über die Lippen bekommt, entpuppt sich als ein eitler Aufschneider, der sich hasenfüßig der Herausforderung durch Ludowig entzieht. Dazwischen sorgen die Diener Zerbanotto und Arlecchino für reichlich Verwirrung.

Mit Spielfreude und vollem Körpereinsatz bringen Thos Renneberg, Bärbel Kandziora und Eckehard Eumann das turbulente Geschehen auf die Bühne, die für den Auftritt des Capitano ein Mal einfach zu klein wird. Der Capitano stürzt ab, bezieht den Ausrutscher jedoch sehr spontan in das Geschehen ein, ganz Commedia dell´Arte gemäß.

Und obwohl "Ludowig e Rosalind" ursprünglich für das Commedia dell´Arte Festival in Cotignola inszeniert wurde, kommt unversehens eine Legende aus der "Schlacht bei Minden" ins Spiel, als der Capitano Zerbanotto beauftragt, einen geheimen Schlachtplan, versteckt in einem Paar Stiefel, nach Herford zu bringen. Da haben sie geschickt die Legende des Fischerstädters Jobst Hinrich Lohrmann, der 1759 die Pläne des Marshall Contades an den Herzog von Braunschweig verraten haben soll, in ihr Spiel einbezogen.

Trotz aller Irrungen gelingt es Ludowig am Ende dieser tragischen Komödie mit ein wenig Nachhilfe von Arlecchino doch noch Pantalones Einwilligung für die Hochzeit zu bekommen.

Das Theater Narrattak war in Minden bereits vor einigen Jahren zum Preußenwochenende zu erleben und hat auch jetzt wieder mit dieser Attacke der Narren seinem Namen alle Ehre gemacht.

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Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 02.08.2009 um 21:25:11 Uhr

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