Musikkapellen begeisterten auf Tattoo-Gelände und in der Stadt
VON MARTIN STEFFEN (TEXT) UND LENNART WEBER (FOTOS)
Minden (mar). 350 Musikerinnen und Musiker begeisterten beim von MT und Minden Marketing präsentierten International Tattoo vor dem Preußenmuseum das zum Teil weitgereiste Publikum. Am Vorabend des 250. Jahrestages der Schlacht bei Minden erlebten 6000 Besucher ein faszinierendes Schauspiel klangvoller Militärmusik, bunter Uniformen und exakter Formationen aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich.
Nach einem eher beschaulichen Besucherwanderung während der Orchesterproben am Freitagnachmittag gab es kein Halten mehr: aus allen Himmelsrichtungen strömten bereits anderthalb Stunden vor dem offiziellen Beginn die Besucher - in so großer Zahl, dass etliche abgewiesen werden mussten.
Wer Steh- oder Sitzplatz ergattert hatte, erlebte ein abwechslunsgreiches Programm. Den Überblick über Titelfolge und (militär-)musikalische Details vermittelten kenntnisreich und mit einer Prise Ironie MT-Lokalchef Hans-Jürgen Amtage und Helmut Jäger, Moderator beim Südwestrundfunk und ausgewiesener Fachmann in Sachen Traditionsmusik. Was für Minden eine Premiere aus Anlass des europäischen Freundschaftsfestes darstellt, ist für Jager Teil eiens Trends: Militärmusikschauen und Tatttoos mit ihren bunten Musikgruppen und abwechslungsreichen Repertoires seien immer stärker gefragt, so die Beobachtung des Experten.
Ein europäisches, fast ein globales Bild boten die sieben Orchester. Für Mindener Klänge hatten im Vorprogramm Bürger-Tanmbourkorps und Feuerwehrmusikzug gesorgt. Jede Formation setzte zwischen Spätnachmittagssonne und Abendlicht eigene Akzente. So hatte die Musiker aus Ommersheim im Saarland in ihren Bergmannsuniformen ein sogenanntes figuratives Marschprogramm einstudiert, das sich rund um den dreistöckigen Schellenbaum der Kapelle entfaltete.
Mit britischer Exaktheit folgte die Minden Band der Queen´s Division, die sich auch durch etliche beim Schwenk weggewehte Notenblätter nicht aus dem Konzept bringen ließ. An die einst auch in Minden stationierten schottischen Regimenter erinnerte der Auftritt der (multinationalen) Rhine Area Pipes and Drums aus Düsseldorf, unter anderem mit ihrer Version von "I´m sailing". Musikalisch und auch sonst kernig präsentierte sich das Oud Leden Fanfarekorps der Genie aus Utrecht. Diese Formation in historischen Pionieruniformen kredenzte dem Pubnlikum nicht nur das Lied der holländischen Genietruppen, sondern Generalmajor Mungo Melvin und Stadtmajor Klaus Piepenbrink auch eine hochprozentige Stärkung.
Waren die Niederländer noch im modernen Marschtempo aufgetreten, folgten ihnen mit der Garde Imperiale de Dijon aus Frankreich eine gemessen einher schreitende Truppe in prächtiog herausgeputzten Uniformen der napoleonischen Epoche. Auf ihr Marschtempo und die rasselnden Trommeln musste man sich ebenso einlassen, wie auf die je nach Geschmack feierlich bis sentimental-schleppend klingenden Melodien. All das kam noch am nächsten an die Kriegsmusik der Schlacht bei Minden heran. Musik, für die man sich Zeit nehmen muss und die an die Entstehungszusammenhänge von Militärmusik erinnert. Rasant schien dagegen der Auftritt der britischen Band der Gurkha-Brigade, die ihr Publikum mit Geschwindmärschen und Kukhri-Tanz so beeindruckte wie Mittwoch beim Beating Retreat (Bericht im MT). Mit einer preußisch-bayerischen Marschfolge beschloss das Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim das zweieinhalbstündige Tattoo.
Im Finale ließen Verdis Nabucco-Ouvertütre und das "Amazing Grace" das Tattoo feierlich ausklingen, bevor sich einige der mitwirkenden Kapellen vom Siemsonplatz aus Richtung Innenstadt in Bewegung setzten. Dort klang das militärmsukalische Großereignis inmitten der Festgäste aus.
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