Musiker Marcel Schweder komponiert Hymne zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Minden
VON HANS-JÜRGEN AMTAGE
Minden (mt). Marcel Schweder hält es bei dieser Komposition mit Komponist Dmitri Schostakowitsch. Das Geforderte bedienen und sich gleichzeitig distanzieren.
Denn für den gebürtigen Mindener und jetzt in Bielefeld lebenden Musikwissenschaftler galt es, einen selbst gewählten Spagat zu schaffen: Das Komponieren einer Hymne zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Minden. Damals gab es in wenigen Stunden vermutlich mehr als 9000 Soldaten, die in der Schlacht zwischen Briten und Franzosen und unter Beteiligung verbündeter Kräfte vor den Toren der Stadt ihr Leben ließen. Heute gilt es, die Erinnerung an diese Schlacht, die weltgeschichtlich von Bedeutung ist, in internationaler Freundschaft zu begehen.
Da war Dmitri Schostakowitsch gerade der richtige, der Marcel Schweder einfiel. Der russische Komponist schrieb dem Regime von Josef Stalin Hymnen und blieb gleichzeitig auf Distanz zum politischen System. Und so setzte sich der Bielefelder, der sich der Komposition von moderner und expressiver Instrumental- und Orchestermusik verschrieben hat, dabei für seine musikalischen Werke - beispielsweise für die Hörspielserie über den Geisterjäger Dorian Hunter - mit renommierten Hörspielpreisen ausgezeichnet wurde, hin und schuf eine Hymne, die weder pathetisch heroisierend noch gewollt betroffen klingt. Denn, so der 38-Jährige, der an der Musikhochschule in Detmold studierte: "Die Hymne soll Musik zu einem festlichen Ereignis sein, das Menschen aus Europa zusammenbringt und das den Aspekt der Freundschaft und des Friedens in den Vordergrund rückt." So wurde der "Mindener Rosenklang" - in Anlehnung an die gelben Heckenrosen, die die britischen Soldaten damals auf dem Weg in den Kampf an Hüten und Jacken getragen haben sollen - geboren.
Audio
Die Hyme zur Schlacht bei Minden.
Komposition: Marcel Schweder
Aufmerksam geworden war Marcel Schweder auf den 250. Jahrestag der Schlacht bei Minden am 1. August 2009 vor etwa zwei Jahren beim Surfen im Internet. Er stieß auf die Webseite eines Mindeners, der im weltweiten Datennetz Heimatgeschichte und -geschehen widerspiegelt, und fragte per E-Mail an, wen man ansprechen könne, um die Komposition eines Musikstückes zu diesem besonderen Ereignis vorzuschlagen.
Die Antwort auf diese Mail brachte den Bielefelder Komponisten, der auch schon Filmmusiken geschrieben und verschiedene Medienprojekte betreut hat, mit der Minden Marketing zusammen. Deren Geschäftsführer Dr. Jörg-Friedrich Sander hatte bereits Überlegungen angestellt, wie man dem Ereignis im Jahr 2009 - in dem der Schlacht und ihren Opfern gedacht und die internationale Freundschaft gefeiert werden soll - auch einen klangvollen Wiedererkennungswert geben kann. Beide wurden sich einig - und das Forschen in den (musikalischen) Analen begann für Marcel Schweder.
In dem Bielefelder Historiker und MT-Mitarbeiter Martin Steffen fand er einen kompetenten Fachmann. Denn Steffen beschäftigt sich seit vielen Jahren - mehr als Hobby - mit Militärmusik. Er gab dem Komponisten wertvolle Informationen. So auch, dass im 18. Jahrhundert nicht mit Pauken und Trompeten in die Schlacht gezogen wurde, sondern mit deutlich sanfter klingenden Holzblasinstrumenten.
Marcel Schweder lag es ohnehin fern, die heute hinreichend bekannten Märsche mehr oder minder zu kopieren. "Ich habe eher auf eine gewisse Art von Naivität gesetzt, um den Rosenklang trotz der Instrumentierung eben nicht als ernsten Militärmarsch daher kommen zu lassen." Er fügte seiner Komposition Elemente hinzu, die die Tradition dieser Märsche eher auch augenzwinkernd betrachten. So ist eine Hymne entstanden, die Militärmusikelemente enthält, aber auch folkloristische Motive. Der Schlussteil der Hymne des bevorstehenden deutsch-britisch-französischen Freundschaftsfestes soll auch musikalisch vermitteln: "Seht her, trotz allem, was wir uns im Laufe der Jahrhunderte gegenseitig angetan haben, hier stehen wir nun als Freunde."
Der Mindener Rosenklang liegt in verschiedenen Fassungen vor. So zum Beispiel als historische Version, aber auch als orchestrale Fassung - zunächst digital produziert. Denn zurzeit wird darüber nachgedacht, ob die Nordwestdeutsche Philharmonie den Rosenklang Ende August beim Klassik Open Air auf dem Kleinen Domhof zur Aufführung bringt. Entsprechende Gespräche laufen.
Außerdem können interessierte Orchester den Notensatz bei der Minden Marketing, Domstraße 2, abrufen. Marcel Schweder würde sich freuen, wenn diese Orchester den Mindener Rosenklang in ihrer ganz eigenen Weise interpretierten: "Wichtig ist, dass das Stück nicht in einem zu ernsten Ton gespielt wird."
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