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25.11.2010
Mit Wohnmobil und Pferd quer durchs Land
Katja Alberts ist mehrfache Europameisterin der Tennessee-Walker / Gesundheit des Pferdes steht für sie im Vordergrund
VON SÖNKE STUTE-SCHLAMME

Minden (sts). Wenn Katja Alberts an einem Turnier im Gangpferdereiten teilnehmen möchte, dann bedeutet dies meist eine weite Anreise. In den Niederlanden gewann sie die niederländischen Meisterschaften der Tennessee-Walker, in Steinhagen sieben von 15 Disziplinen bei den Europameisterschaften.

Alberts und Diego bei den niederländischen Meisterschaften der Tennessee-Walker mit der Siegerschleife. | Foto: pr

Seit elf Jahren reitet die 25-jährige Industriekauffrau aus Hille Gangpferde. Ihr erstes eigens Pferd ist das achtjährige Tennessee-Walking-Horse "Diego", ein Wallach. Mit Diego fuhr sie auch die Erfolge bei den niederländischen Meisterschaften der Tennessee-Walker und den Europameisterschaften, die in Steinhagen bei Bielefeld stattfanden, ein. Außerdem gewann sie bei den Deutschen Meisterschaften in Wemding (Bayern) und den Norddeutschen Meisterschaften jeweils "ein paar" Prüfungen. Es geht ihr allerdings nicht nur um den Erfolg: "Der Spaß, und dass es dem Pferd gut geht, stehen für mich immer im Vordergrund. Erfolg kommt erst eine ganze Ecke später."

Mit der besten Freundin in einer großen Familie

Katja Alberts und ihr Tennessee-Walking-Horse Diego beim Training in der Halle bei Jürgen Könemann in Minden. | Foto: Alexander Lehn

Die Gemeinschaft in dieser speziellen Form des Reitsports sei in Deutschland noch relativ klein. Und das, obwohl es in Deutschland europaweit die meisten Tennessee-Walking-Pferde gibt, die Niederlande stehen hinter Deutschland auf Rang zwei. In Deutschland gebe es "vier bis fünf Turniere im Jahr", bei denen im Schnitt 40 Teilnehmer antreten würden. Alberts schwärmt von der Atmosphäre bei den Turnieren, alles sei "sehr familiär" und mit "deutlich weniger Leistungsdruck, als bei den Dressurreitern", ergänzt sie.

"Die Turniere finden allerdings kaum hier in der Nähe statt", berichtet Alberts, "viele sind in Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg."

Vor dem Reiten bei einem Turnier wartet auf Alberts bereits eine ganz andere Aufgabe. Um zu den Turnieren zu kommen, fährt sie gemeinsam mit ihrer Freundin, der 26-jährigen kaufmännischen Angestellten Kristin Vahrenbrink, mit Wohnmobil und Pferdeanhänger. "Viele haben Respekt vor einem so langen Gespann", schildert Alberts die Bedenken anderer Reiter, "für mich und Kristin ist das aber kein Problem."

"Es ist, als würde man schweben"

Katja Alberts und Diego beim Gangreiten. | Foto: Lehn

Ihr Pferd Diego steht beim Reit- und Fahrverein "Am Wiehengebirge" bei Jürgen Könemann in Minden. Dort steht auch das Pferd ihrer Freundin Vahrenbrink, "Sancho", das ein Bruder von Diego und ebenfalls ein Wallach ist. Mit diesem dreijährigen Nachwuchstalent will Vahrenbrink nächstes Jahr durchstarten. Alberts und Vahrenbrink sind die einzigen beiden Gangreiter in der 14-köpfigen Reitgemeinschaft.

"Es ist ein ganz anderes Reiten, als das, was man von `normalen´ Pferden kennt", erklärt Alberts. "Es ruckelt gar nicht. Es ist, als würde man schweben", schwärmt sie vom Reiten mit einem Tennessee-Walker.
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Die Reitkarriere von Katja Alberts startete vergleichsweise unkonventionell. Sie sei früher mit dem Fahrrad durchs Dorf gefahren und habe geguckt, wo Pferde stehen, erinnert sich Alberts. Dann habe sie bei den Besitzern geklingelt und gefragt, ob sie reiten dürfe. Das sei mittlerweile "etwas mehr als 15 Jahre" her, berichtet Alberts. Irgendwann habe sie bei dieser Gelegenheit mal ein Tennessee-Walking-Pferd geritten, und war sofort angetan. Von diesem Zeitpunkt an wollte sie nur noch Tennessee-Walking-Pferde reiten. Und dies nicht mit sportlichen Ambitionen, sondern "nur als Hobby. Stundenlanges Ausreiten ist das Schönste überhaupt", ergänzt sie.

Alberts reiste mit Diego zusammen in die USA

Reiterin und Pferd lachen: Offensichtlich hat auch Diego Spaß am Training mit Alberts. | Foto: Lehn

Alberts war auch schon mit ihrem Pferd Diego zusammen in den USA, um dort eine Art Praktikum zu absolvieren. "Vor zwei Jahren war ich dort und durfte einem Trainer im Tennessee-Walking über die Schulter schauen", verrät sie. "Leider mussten wir schon nach einem halben Jahr wieder zurück, weil mein Visum nicht verlängert wurde." Rückblickend betont sie: "Ich habe versucht ganz viel drüben zu lernen, um hier weiterzukommen und anderen zu helfen."

Mittlerweile ist die mehrfache Europameisterin eine häufig engagierte Trainerin für Gangpferde.

Bei Turnieren hat Alberts nur den persönlichen Ehrgeiz sich zu verbessern - wenn sie zusammen mit ihrer Freundin und dem Gespann angekommen ist.

Haben Sie im Verein auch Sportler oder eine Sportgruppe, die mehr Beachtung verdient haben? Dann melden Sie sich in der MT-Sportredaktion, Telefon (05 71) 88 21 71, damit wir auch diese Schattenperlen etwas ins Licht rücken können.

Tennessee-Walker
Das Tennessee-Walking-Horse ist eine ursprünglich in den USA speziell für die Arbeit auf Plantagen gezüchtete Pferderasse, die aufgrund der besonderen Gangart eine bequeme Fortbewegung für den Reiter ermöglicht.

Ein Tennessee-Walking- Pferd beherrscht drei Gangarten: Den Flat Walk, den Running Walk und den Canter. Beim Flat Walk und beim Running Walk ist das Kopfnicken des Pferdes eine typische Bewegung. Diese beiden Gangarten sind ein 1-2-3-4-Takt, bei dem immer zwei oder drei Beine den Boden berühren. Beim Canter handelt es sich um eine langsame, aufwärtsgerichtete Galoppbewegung. Für den Reiter fühlt es sich an, als säße er in einem Schaukelstuhl.

Es gibt viele verschiedene Disziplinen bei den Tennessee-Walking-Pferden, wobei zwischen Jugendlichen und Erwachsenen unterschieden wird. Einige Disziplinen sind unter anderem Barrel Racing, Basic Reining, Western Pleasure, Competitive Riding, English Pleasure, Model Class, Pleasure Driving, Versatility Driving, Pole Bending, Promotion Class, Over Fences, Water Glass, Trail und Western Riding.

In den USA sei das Tennessee-Walking-Horse ein beliebtes Freizeit- und Showpferd. Die Bedeutung der Turniere und Shows ist in manchen Gegenden vergleichbar mit der Bedeutung der Fußball-Bundesliga in Deutschland, es finden wöchentlich Turniere statt.
Die Gangreiter in Deutschland gehören alle dem amerikanischen Verband, der "Tennessee Walking Horse Breeders’ and Exhibitors’ Association" (TWHBEA), an. Die Deutschen sind zusätzlich noch in einem europäischen Verband organisiert. Dieser Unterverband fungiert als eine Art Außenstelle, ist aber unabhängig.     (sts)

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Dokument erstellt am 26.11.2010 um 19:34:40 Uhr

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