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28.10.2010
Das Glück der Erde liegt auch hinterm Pferde
Exoten der Rennbahn: Ralf Heidsiek und Ingo Bödeker betreiben Trabrennsport / Eigene Bahn und viel Leidenschaft
VON SÖNKE STUTE-SCHLAMME

Petershagen (sts). Eine Sportart, die in der Region fast ausgestorben ist, wird in Petershagen-Meßlingen noch betrieben. Ralf Heidsiek und Ingo Bödeker sind zwei der wenigen Trabrennfahrer im Mühlenkreis.

Heidsiek (links) und Bödeker mit Wallach Chicago.

Jede freie Minute nutzen Ralf Heidsiek (46, technischer Angestellter) und Ingo Bödeker (48, selbstständig) für ihr gemeinsames Hobby. Nach Feierabend sind beide täglich am Hof in Meßlingen. Dort kümmern sie sich um die Pferde oder sind auf der eigenen, 650 Meter langen, Trabrennbahn. Entweder sind sie auf der Bahn, um zu trainieren, oder um die Bahn in Ordnung zu halten.

Eine Trainingseinheit besteht aus 20 bis 30 Minuten Traben auf der Bahn, wo die beiden zu zweit die Rennsituation simulieren. "Zu zweit macht es einfach mehr Spaß, als alleine. Beim Joggen ist es ja auch so", erläutert Bödeker einen Grund für das gemeinsame Training.

Der Hauptfaktor beim Trabrennsport ist Zeit

Beim Training gibt es einen großen Unterschied zu einem Rennen: Die Ausstattung. Ein Trainingssulky ist mit etwa 50 Kilogramm deutlich schwerer als ein Rennsulky, der zwischen zehn und 15 Kilogramm wiegt.

Der Trainingsaufwand umfasst zwei Komponenten. Zum einen die reine Fahrzeit, zum anderen die Vor- und Nachbereitung der Pferde. Alles in allem eine Menge Zeit, in der man ein bisschen zur Ruhe kommt und Abstand zu den alltäglichen Problemen bekommt. Vom Training halten sie nur zu viel Matsch auf der Bahn oder Eis auf dem Weg dorthin ab.

"Der Hauptfaktor bei unserem Sport ist Zeit", meint Heidsiek. "Allein für die Pflege der Pferde benötigt man zwei Stunden am Tag, für die Bahn kommen noch mal drei bis vier Stunden pro Woche dazu", erläutert er. Zur Instandhaltung der Bahn gehören das Glätten und bei Bedarf das Anlegen von Drainagen, wenn zu viel Wasser auf der Bahn ist.

Derzeit stehen drei Pferde auf der Weide, die für den Trabrennsport eingesetzt werden. Zwei Stuten, die vor Ort gezüchtet wurden, und ein Wallach, der das erfolgreichste Pferd der privaten Trabgemeinschaft ist. Mit sieben Jahren hat der Wallach "Chicago" bisher ein Preisgeld von insgesamt 7500 Euro gewonnen und "geht 16 sieben", so die Fachsprache, schafft also eine Distanz von einem Kilometer in 1:16,7 Minuten.

Eine Gesamtfläche von 20000 Quadratmetern steht Heidsiek und Bödeker für ihr Hobby zur Verfügung. Auf dieser Fläche befinden sich Pferdeboxen, Weiden, Felder für die Futterversorgung der Pferde und die eigene Trabrennbahn.

Beide nutzen gemeinsam eine eigene Trabrennbahn

Ingo Bödeker (rechts) und Ralf Heidsiek simulieren im Training auf der eigenen Trabrennbahn ein Rennen. | Fotos: Alexander Lehn

Heidsiek, dem der Hof und die Bahn in Meßlingen gehören, trabt seit mittlerweile 20 Jahren. Er sei über einen "Umweg" dazu gekommen, erinnert er sich. Seine Frau habe damals ein altes Trabpferd zum Reiten gekauft. "Mit diesem Pferd habe ich es dann mal ausprobiert", erzählt er. Danach habe er sich ein eigenes Trabpferd angeschafft, als nächstes dann das Haus mit ausreichend Platz für die Bahn. All das wäre aber nicht möglich gewesen, wenn seine Frau ihn nicht unterstützt hätte, merkt Heidsiek an. Vor fünf Jahren kam Bödeker dazu. Er habe sich von einem Geschäftspartner "überzeugen lassen", berichtet er, mittlerweile ist auch er ein begeisterter Trabrennsportler.

Beide üben den Sport als Hobby aus, nicht um damit Geld zu verdienen. "Dafür ist die Lage hier zu schlecht. Wir liegen zwar zentral zwischen den Profi-Bahnen, die sind aber alle mindestens 220 Kilometer weit entfernt", erläutert Heidsiek.

Heidsiek selbst und auch seine Frau sind restlos vom Trabrennsport überzeugt. Ihre beiden Söhne können dem allerdings nicht soviel abgewinnen und begnügen sich mit Fußball. Eine weitaus unspektakulärere Angelegenheit.

Haben Sie im Verein auch Sportler oder eine Sportgruppe, die mehr Beachtung verdient haben? Menschen oder Teams, die sich im Verborgenen besonders engagieren oder Außergewöhnliches leisten? Dann melden Sie sich in der MT-Sportredaktion unter Telefon (05 71) 88 21 71, damit wir auch diese Schattenperlen etwas ins Licht rücken können.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 28.10.2010 um 01:36:07 Uhr
Letzte Änderung am 28.10.2010 um 02:25:28 Uhr

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Kommentare
Unter Schattenperlen, veröffendlichten Sie dankenswerterweise den Artikel über den Trab-
rennsport, hier noch einige Anmerkungen dazu:
Die erfolgreichsten Trabrennsportler aus dem Kreis
Minden Lübbecke sind/wahren Karl von Minden aus Peterhagen, Siegfried Rosenow aus Minden,
Gestüt mit Trainingsbahn in Nordhemmern, ich Ralf
Oevermann aus Lübbecke Gestüt und Trainings-
bahn in Milte/Warendorf. Ich zum Beispiel habe über 120 Siege mit meinen Pferden, Siegfahrer
fahren in der Hauptsache Rolf Dautzenberg und
Heinz Wewering(42 Siege mit meinen Pferden).
Und ich meine auch man sollte durchaus diesen
Sport der so erfolgreiche Besitzer/ Besitzertrainer
die weitbeachtete Erfolge auf den großen Bahnen
in Hamburg, Berlin, Recklinghausen und Gelsen-
kirchen aufzuweisen haben und aus dem Kreis
Minden lübbecke sind neben dem Handball auch
mal beleuchten. Ich lade dazu herzlich ein, außerdem möchte noch anmerken, außer viel Zeit
gehört zum Erfolg auch viel Geld.
Ralf Oevermann
Oevermann


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