Gute Wetterbedingungen auf Mindens Jahrhundertbaustelle / Mehr als 320 Betonbohrpfähle sind fertig verfüllt
VON ANJA PEPER
Minden (mt). Alle schimpfen auf das Wetter? Nicht unbedingt. "Ich kann nicht klagen", meint Volker Bensiek. Der Bauingenieur auf der Schleusenneubaustelle hat eine pragmatische Sicht der Dinge: Bei der Arbeit soll es weder stauben, noch soll sich die Baugrube in eine Schlammwüste verwandeln.
Darum ist die Wunschvorstellung des Ingenieurs: "Nachts etwas Regen, tagsüber trocken und nicht zu heiß." Dann gehen die Arbeiten an dem Jahrhundertbauwerk, das etwa 72 Millionen Euro verschlingen wird, zügig voran. Die neue Mindener Schleuse wird es den Europaschiffen ermöglichen, vom Mittellandkanal aus die Weser zu erreichen (Berichte im MT). Die ständigen Veränderungen auf einer Baustelle - die großen Fortschritte wie die kleinen Facetten - sind interessant zu beobachten. MT-Leser und Hobbyfotograf Alfred Loschen dokumentiert das Baugeschehen seit August 2008 mit seiner Kamera. Überall wird gebaut, gebohrt und abgerissen.
Ein Etappenziel wird in diesen Tagen erreicht: Die Betonbohrpfähle, die bis zu 23,60 Meter tief ins Erdreich ragen und das Bauwerk tragen sollen, sind komplett fertig mit Beton verfüllt - immerhin 320 an der Zahl. Diesen Punkt kann Volker Bensiek, der Baubevollmächtigte des Neubauamtes Hannover, also von seiner Aufgabenliste streichen. Mit den Bohrungen ist es allerdings noch nicht getan. Alle bewehrten Pfähle werden mit Ankern in vier Lagen gesichert. Nur so können die Pfähle dem enormen Druck standhalten, wenn mit dem Bodenaushub begonnen wird.
Gesicht der Baustelle ändert sich täglich
Bensieks Büro befindet sich übrigens im Baucontainer auf dem ehemaligen Minigolfplatz und wird dort auch bis zum Ende der Bauarbeiten, anvisiert für Sommer oder Herbst 2013, bleiben. Etwas hinken die Bauarbeiten dem ursprünglichen Zeitplan hinterher: "Etwa drei Monate werden wir hinzurechnen müssen", schätzt Bensiek. Der Aufwand einiger Arbeiten habe sich als höher erwiesen als gedacht: "Das können wir nicht mehr aufholen."
Die alte Kantine der ehemaligen Staatswerft ist bereits abgerissen. Bereits Ende Juni war die Kantine in einen Neubau auf dem neuen Bauhof umgezogen. So ändert sich das Gesicht der Baustelle täglich. Volker Bensiek und seine Kollegen sind auch selbst oft mit der Kamera auf der Jahrhundertbaustelle unterwegs. Festgehalten werden sowohl technische Details, die später noch einmal wichtig werden könnten, als auch Eindrücke, zum Beispiel für die Internetseite von Bensieks Arbeitgeber: Das Neubauamt für den Ausbau des Mittellandkanals in Hannover (NBA Hannover) gehört zur Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), die zuständig ist für die Verwaltung der Bundeswasserstraßen und für die Regelung des Schiffsverkehrs.
Sparbecken für die Schleuse
Das neue Bauwerk mit seiner 139 Meter langen und 12,50 Meter breiten Schleusenkammer soll vor allem die modernen Großmotorschiffe und Schubverbände aufnehmen, die auf den internationalen Binnenwasserstraßen fahren. Die neue Schleuse wird in einem Abstand von etwa 52 Metern östlich der 1914 errichteten Schachtschleuse und parallel zu dieser errichtet. Während der Bauzeit kann daher deren Betrieb voll aufrechterhalten werden.
Das Schleusungswasser wird aus dem Mittellandkanal entnommen, deshalb wird die Schleuse mit Sparbecken ausgerüstet, die eine Wasserersparnis von etwa 60 Prozent ermöglichen, so das Neubauamt für den Ausbau des Mittellandkanals in Hannover.
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