Auf Schleusenneubaustellen laufen Vorbereitungen und Abrissarbeiten parallel
VON JÜRGEN LANGENKÄMPER
Minden (mt). Der Regen der vergangenen Tage war für die Bauarbeiter auf Mindens größter Baustelle nicht nur eine willkommene Abkühlung. "Vorher hat es unheimlich gestaubt", sagt Volker Bensiek. Das ist jetzt besser geworden.
Die Arbeiten für die neue Schleuse gehen Zug um Zug - und für Außenstehende manchmal nicht leicht zu bemerken - voran. Fast sollte man sagen: Betonbohrpfahl um Betonbohrpfahl. An der Wand in Bensieks Büro im Baucontainer auf dem ehemaligen Minigolfplatz markiert der Baubevollmächtigte des Neubauamtes Hannover, jeden Tag, welche der 320 bis zu 23,60 Meter tief ins Erdreich reichenden Bohrlöcher bereits erledigt und mit Beton verfüllt sind. Jeder zweite Betonbohrpfahl ist tragend und mit Stahl bewehrt.
Mit den Bohrungen - sie sollen noch bis Mitte August andauern - wird es nicht getan sein. "Alle bewehrten Pfähle werden mit Ankern in vier Lagen gesichert", erklärt der Bauingenieur. Nur so können die Pfähle dem enormen Druck standhalten, wenn mit dem Bodenaushub begonnen wird. "Zuerst werden fünf Meter Boden ausgehoben", kündigt Bensiek an. Dann komme die zweite Ankerlage und so weiter.
Extensometer messen kleinste Verschiebungen
Um sicher zu gehen, dass die Wand der Pfähle während der Bauphase dem Druck, der vor allem vom alten Oberhafen kommt, wirklich standhält, werden sogenannte Extensometer eingebaut. In einem Winkel von 45 Grad reichen sie an mehreren Stellen bis zu 65 Meter tief schräg in den Boden und sollen selbst die kleinsten Verschiebungen anzeigen.
Die unvorstellbare Menge von 190000 Kubikmetern Erdreich ist zu bewegen - auf einer Länge von 200 Metern, doppelt so lang wie ein Fußballfeld. Mehr als die Hälfte wird später wieder gebracht. "100000 Kubikmeter werden wieder eingebaut", sagt Bensiek. Dafür werden sie mit dem Schiff auf eine Deponie des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) am Mittellandkanal in Lübbecke gebracht und später wieder zurückgeholt.
Der Rest wird ebenfalls verschifft, aber weserabwärts. "Damit wird eine Kiesgrube in Petershagen aufgehöht", sagt der Techniker. Die so entstehende Flachwasserzone begünstigt die Besiedlung mit Fischen sowie die Brut und das Heranwachsen von Jungfischen.
Wenn riesige Muldenkipper über die Baustelle fahren und ihre Last auf die Transportschiffe abkippen, wird es richtig rundgehen und viel zu sehen sein - und erst recht, wenn mehrere große Kräne aufgebaut sind und hin und her schwenken. Gegenwärtig sind Abbrucharbeiten am spektakulärsten. Gerade wird die alte Kantine der ehemaligen Staatswerft abgerissen. "Ende Juni ist die Kantine in einen Neubau auf dem neuen Bauhof umgezogen", sagt Bensiek. Der Abriss werde wohl noch die kommende Woche über andauern. Eine Ecke des Gebäudes hätte in den Bereich der neuen Sparkammern hineingeragt. Außerdem wird Platz für die künftige Bauhofstraße benötigt. Dafür müssen auch noch ein Fahrradschuppen und eine Baracke weichen. Auch die ehemalige Kesselschmiede muss dran glauben. Der viel beachtete Winkel-Bunker ist längst Geschichte (MT vom 24. November 2010).
Zum Hochwasserschutz kleiner Damm obendrauf
Unterhalb der alten Brücke vor der Schachtschleuse entstehen gerade die Brückenköpfe für die neue Brücke. "Darüber sollen Fahrzeuge für die Baustelle auf der Mittelmole fahren", sagt Bensiek - Vorarbeiten.
Ein Teil der Vorbereitungen ist abgeschlossen, die Spundwand zwischen Unterhafen und Abstiegshafen. Dazwischen ist ein großes, ebenes Areal aufgefüllt worden. "Das brauchen wir als Lager- und Arbeitsfläche in der Bauphase, besonders für die großen Schalelemente", kündigt der Baubevollmächtigte an und blickt aus dem Fenster seines Containerbüros über den Unterhafen hinweg zu der Halbinsel hinüber. "Die Oberkante liegt bei 41 Meter NN", sagt Bensiek. Das würde für jede je gemessene Weserflut reichen. "Aber wir packen noch einen kleinen Damm als Hochwasserschutz drauf." Sicher ist sicher.
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