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29.12.2006
Formensprache des Körpers lernen
Mädchen unterschiedlicher Herkunft tanzen in alter Turnhalle / Neue Anfängergruppe geplant
VON JüRGEN LANGENKäMPER

Minden (mt). In der alten Turnhalle der Hafenschule erklingt Musik, mal Folklore, mal moderne Rhythmen. Ein Dutzend Mädchen studieren flotte Drehungen, harmonische Bewegungen, neue Tänze ein.

Seit Oktober treffen sich Mädchen zwischen zehn und 15 Jahren einmal in der Woche hier und tanzen gemeinsam nach den Anleitungen einer professionellen Choreografin. Natalja Birjukov kommt jeden Freitag aus Bünde nach Minden, um die Jugendlichen anzuleiten.

"Eltern aus Dankersen sind an uns herangetreten, um etwas für die Kinder zu tun", berichtet Margarita Jachmann. Bereits seit sieben Jahren trainiert nämlich auf Initiative des Deutsch-Russischen Fördervereins eine Tanzgruppe in Bärenkämpen. Auf dem rechten Weserufer fehlte bislang ein vergleichbares Angebot. "Dank der Ortsvorsteherin von Dankersen, Renate Schermer, haben wir diese Halle gefunden", sagt Margarita Jachmann, die sich auch im Ausländerbeirat engagiert.

Die meisten Mädchen kommen aus russlanddeutschen Familien, aber die Gruppe steht allen offen. "Ich komme aus Albanien", sagt die zwölfjährige Albiana, die über eine Freundin den Weg zum Tanzen gefunden hat. "Ich möchte gern tanzen, und meine Mutter wollte das auch", sagt Beatrice (10). "Gut, dass die Eltern Initiative gezeigt haben, dann bekommen wir auch Unterstützung", ist Margarita Jachmann froh.

Mütter bringen nicht nur ihre Töchter zur Tanzstunde und schauen unterdessen zu oder lesen ein Buch. "Sie wollen auch die Kostüme nähen, die wir für Auftritte brauchen", sagt Margarita Jachmann als treibende Kraft.

Nicht auf russische Folklore festgelegt

Dabei ist die engagierte Theaterfrau, die in Russland Schauspielkunst studiert hat, nicht auf russische Folklore festgelegt. Kulturelle Anregungen greift sie aus vielen Bereichen auf. "Wenn ich irgendwo in einem anderen Land unterwegs bin, kaufe ich Kleider", sagt Margarita Jachmann, und so wird aus einem Zigeuner-Kleid im Handumdrehen durch ein paar veränderte Accessoires - "eine Rose hier, da die Haare anders gelegt" - ein Kostüm für einen feurigen spanischen Tanz.

Das Wichtigste jedoch ist die Bewegung. "Man muss nicht unbedingt eine fremde Sprache sofort beherrschen", sagt Margarita Jachmann über das international ausgerichtete Programm, "man kann die Kultur lernen durch den körperlichen Ausdruck".

Training verbessert Koordination

Und dabei helfen den Mädchen die wöchentlichen Tanzstunden. "Das Training verbessert die Koordination", sagt Natalja Birjukov. Dies gelte besonders für Folklore-Tänze, die einen Wechsel von langsamem zu schnellem Tempo fördern. "Ich kannte das vorher noch nicht", gibt Karoline zu. "Aber es macht Spaß", sagt die 14-Jährige.

Und um den Jüngeren in der Hafenschule zu zeigen, wie weit sie mit beharrlichem Training kommen können, führen Tatjana, Annette und Jana, die seit drei Jahren in Bärenkämpen mitmachen, einen anmutigen Tanz auf. "Unsere ersten Auftritte sind für März geplant", kündigt Margarita Jachmann an und hat schon die nächste Idee: "Im Januar eröffnen wir eine Gruppe für Sieben- bis Neunjährige."

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Dokument erstellt am 29.12.2006 um 01:15:24 Uhr

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