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29.12.2006
Russische Weisen und deutsche Volkslieder
Russlanddeutscher Seniorenkreis feiert in beiden Sprachen zehnjähriges Bestehen / Einakter Tschechows inszeniert
VON JüRGEN LANGENKäMPER

Minden (mt). Im Wechsel erklingen russische Weisen und deutsche Volkslieder. Die Sängerinnen und Sänger beherrschen beide Sprachen gleichermaßen. Einmal im Monat kommen sie zum russlanddeutschen Seniorenkreis zusammen - seit zehn Jahren schon.

Helena Klawsut gibt den Takt vor. Die 80-Jährige leitet den Seniorenkreis ehrenamtlich und ehrt zuerst einmal die Geburtstagskinder der vergangenen vier Wochen. An diesem letzten Dienstag im Monat aber stehen vor allen Besuchern - um die 20 sind es meist, die Frauen in deutlicher Überzahl - kleine Präsente, eine Kerze und ein kleines tönernes Huhn oder eine Ente. Denn an diesem Tag feiern alle Geburtstag, die Entstehung des russlanddeutschen Seniorenkreises vor zehn Jahren im Haus am Dom.

"Es ist immer eine schwierige Geschichte, wenn man sein Heimatland verlässt", erinnert Propst i. R. Paul Jakobi, Wegbegleiter seit der ersten Stunde, an die Anfänge. "Dazu braucht man Helfer." Die Domgemeinde habe gemeinsam mit dem Caritasverband Hilfe geleistet.

Von der damaligen Aussiedlerberaterin der Caritas, Regina Pallapies, mitinitiiert, zwischenzeitlich von Michaela Woicke geleitet, organisiert Helena Klawsut die Treffen ehrenamtlich seit dem Umzug ins Haus der Caritas am Pauline-von-Mallinckrodt-Platz vor dreieinhalb Jahren. "Ich komme immer gerne dienstags morgens zu ihnen", freut sich die jetzige Aussiedlerberaterin Christa Harms über den regen Gedankenaustausch, und Caritas-Geschäftsführerin Susanne Leimbach begrüßt die russlanddeutschen Senioren als Bereicherung in dem "Haus der Begegnung ganz vieler Kulturen".

"Es ist so gut, dass man die Kultur, in der man aufgewachsen ist, weitergeben kann", sagt Selma Fey und unterstreicht damit die Bedeutung der Treffen. Denn neben dem Austausch von Erinnerungen - "die meisten von uns sind noch in der deutschen Wolgarepublik geboren", sagen Emma Schmal und Emilie Scheck, deren Familien durch Stalins Deportationen nach Sibirien kamen - gehört die Pflege des Liedguts auf Russisch und auf Deutsch. Deshalb freut sich Selma Fey auch, dass sie und ihre Mitstreiterinnen einen Teil ihrer Kultur auch bei Vorträgen vor einheimischen Vereinen weitergeben können. Ein Teil der Senioren besucht auch weiterhin die Treffen katholischer Senioren im Haus am Dom.

Die Frauen geben bei dem Geburtstagstreffen den Ton an. Deshalb trägt Emma Schmal auch ein Gedicht auf die "alten und uralten Frauen" vor.

Den Höhepunkt des kulturellen Geburtstagsprogramms bildet eine kleine Theateraufführung: "Das Jubiläum" von Anton Pawlowitsch Tschechow. Harry Schröder als selbstgefälliger Vorsitzender der privaten Kommerzbank, die ihr 15-jähriges Bestehen feiert, Maria Geimann als seine Frau, Friedrich Flaik als arbeitsamer, aber unzufriedener Buchhalter und Helena Klawsut als Bittstellerin für einen kleinen Kredit sowie Alexander Kremer und Tanja Milbrandt in kleinen Nebenrollen als Delegation der Mitglieder der Bank setzen den humorvollen Einakter so gekonnt im Original in Szene, dass auch für die nicht russischkundigen Betrachter der Sinn des Stücks und die Züge der Charaktere verständlich herüber kommen.

Am Ende des unterhaltsamen Vormittags macht eine Spendendose die Runde, und Helena Klawsut weist auf ausgestellte, für einen Basar bestimmte Handarbeiten und Zeichnungen hin. Die Erlöse sollen dazu dienen, dass der russlanddeutsche Seniorenkreis auch im nächsten Jahr noch seine Geburtstagskinder beglückwünschen und mit einem kleinen Geschenk überraschen kann.

Die nächste Folge erscheint am Mittwoch, 6. Dezember.

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Dokument erstellt am 29.12.2006 um 01:15:20 Uhr

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