Andreas kommentiert den Filmbericht über eine mehrtägige Radtour einer Jugendgruppe durch die Steppe südlich des Urals an der Grenze zu Kasachstan. Aus dieser Region sind viele Russlanddeutsche mennonitischen Glaubens nach Deutschland gekommen, aber Peter Tschernischow ist nach einem Jahr zurückgekehrt und verkündet dort seinen Glauben.
Die Vorführung, ganz modern vom Computer abgespielt und per Beamer an die Wand geworfen, verfolgen die 30 bis 40 Jugendlichen aufmerksam und streuen hier und dar humorvolle Kommentare ein oder fragen nach. Schließlich haben manche ihrer Familie bis in die 90er-Jahre auch in der Region gelebt. Die Teilnehmer der Radtour sind zumeist russische Kinder und Jugendliche, die auf menschenleeren, verkehrsarmen Wegen zwischen weit entfernten Dörfern radeln und abends vor dem Zelt fröhlich singen und gemeinsam ein Gebet sprechen.
"Rund 70 Jugendliche gehören zur Jugendgruppe", erzählt der Jugendleiter Johann Braun. Drei Mal in der Woche kommen die jungen Mennoniten im Gemeindehaus am Kortenhop mitten im Kutenhauser Feld zusammen. Hier hat sich ein reges Gemeindeleben entwickelt, nicht nur bei den sonntäglichen Gottesdiensten.
Nicht immer haben alle Zeit, zu den Treffen zu kommen. An diesem Abend fährt eine kleine Gruppe nach Lahde, weil dort ein christlicher Liedermacher auftritt.
Keine Berührungsängste im Umgang mit Fremden
Berührungsängste zu anderen Gruppen sind nicht spürbar. Bei einem ihrer Treffen, berichtet Johann Neufeld, hätten sie eine Rallye unternommen und dabei Aufgaben zu bewältigen gehabt. Bei der Aufgabenstellung, am Haus wildfremder Leute zu klingeln und tätige Mithilfe in Haushalt oder Garten anzubieten, war offensichtlich für die überraschten Mitbürger eine größere Hemmschwelle zu überwinden als für die jungen Mennoniten, die ihren Mut bewiesen, auf Unbekannte zuzugehen.
Mit 15 oder 16 Jahren wachsen die jungen Gemeindemitglieder nach Kindergruppe und Jungschar mit Gleichaltrigen in die Jugend hinein. Ausschlaggebend ist dabei nicht eine Konfirmation wie bei Lutheranern. Auch die Taufe erfolgt erst später im Alter von 18 oder 19 Jahren nach einem bewussten Bekenntnis zum Glauben. Aus der Altersgruppe scheiden die Jugendlichen mit ihrer Heirat wieder aus.
"Es kommen immer neue Leute", berichtet Alexej Warkentin, der mit sieben Jahren mittlerweile "Dienstältester" ist. Christian Wolf aus Löhne ist erst seit zwei Monaten dabei und könnte zur Jugendgruppe nach Bad Oeynhausen gehen. "Da gibt es aber nur wenige Jungen", erklärt er, warum er den weiten Weg auf sich nimmt.
Die Mädchen sind derzeit in der Minderzahl. "Früher war das anders", sagt Johann Braun. Die Jugendgruppe der Mennoniten ist eben im Umbruch. Unterhielten sich die Mitglieder früher auch mal auf Russisch, ist das jetzt bei den Jüngeren, die noch in Russland geboren, aber in Deutschland aufgewachsen sind, schon die Ausnahme. Und so muss Andreas Tschernischow den russischen Text im Abspann seines kleinen Films ins Deutsche übersetzen, wobei er auch schon mal für einen Moment ins Stocken gerät und nach der Vokabel sucht.
Soziale Dienste in Malawi und Bolivien
Schon in Kürze macht sich der Jugendleiter auf eine neue, in Deutschland geborene Generation gefasst. Er selbst gehörte seinerzeit keiner Jugendgruppe an. "Damals war ich noch ,in der Welt`", sagt Johann Braun. Erst später hätten er und seine Frau nach ihrem persönlichen Bekehrungserlebnis den Weg in die Gemeinde gefunden. Inzwischen genießt er das Vertrauen des Gemeindevorstandes, sich um den Nachwuchs zu kümmern.
Die jungen Mennoniten sind durchaus weltoffen und denken global. Peter Isaak und Stefan Ens haben in einem Kinderdorf in einer evangelischen Brudergemeinde in Malawi im tiefsten Afrika soziale Dienste geleistet. Vitali Braun war bis vor kurzem als Hausmeister in einem Kinderheim in Bolivien im Einsatz. Derzeit ist sein Cousin Dennis in dem südamerikanischen Land.
Zu ihren Freunden in der heimatlichen Gruppe kommen aber alle gern zurück, so wie Andrej Friesen, der seit kurzem Informationstechnik an einer Berufsakademie in Mannheim studiert, oder wie Marat Karamyschew, der zum Geschichtsstudium nach Bielefeld pendelt.
Die nächste Folge erscheint am Mittwoch, 29. November

