"Wir haben das mal im Fernsehen gesehen", erzählt der zehnjährige Anatolj Malkov, wie sein kindliches Interesse wie bei so vielen Gleichaltrigen geweckt wurden. Mit seiner ein Jahr älteren Schwester Luba fuhren die Eltern schließlich zu einem Tag der offenen Tür der Sportakademie - und blieben dabei. Das war vor drei Jahren.
"Den ersten Gürtel haben wir nach einer Woche gemacht", sagt Luba. Inzwischen hat sie den braunen Gürtel im Taek- wondo erreicht, die neunte Stufe, und der schwarze Gürtel ist ihr nächstes Ziel.
Beide Kinder, die vor fünf Jahren mit ihren Eltern aus dem südrussischen Krasnodar nach Minden kamen, üben sich in beiden Sportarten jeweils zwei Stunden an zwei Nachmittagen in der Woche. "Es gibt ganz andere Bewegungsformen", klärt Luba fachmännisch auf - und natürlich gibt es auch unterschiedliche Monturen: einen schwarzen Anzug für Kung-Fu und einen weißen für Taekwondo.
Der Erfolg stellte sich für beide Kinder schnell ein. Bei Meisterschaften, vornehmlich in Hannover, zu denen Teilnehmer aus Nord- und Westdeutschland anreisen, haben sie inzwischen etliche Pokale für den Titelgewinn und Medaillen für gute Platzierungen errungen. Das stärkt das Selbstbewusstsein.
Was zählt, ist auch der sinnvolle und verantwortungsbewusste Umgang mit den eigenen Kräften. "Die lehren uns auch, dass man aufpassen muss, damit wir niemanden verletzen", berichtet Anatolj von seinen Lehrerinnen, Kung-Fu-Großmeisterin Martina Kühnert (7. Dan) und Taekwondo-Meisterin Ingrid Resch (4. Dan).
Beim Sport haben die Kinder wie selbstverständlich neue Freunde gefunden. "Wir treffen uns auch außerhalb des Trainings zu Hause oder gehen ins Schwimmbad", sagt die Elfjährige. Beim Schulschwimmen hat sie auch noch eine Medaille errungen, und beim Jugend-Fahrrad-Turnier der Freien Evangelischen Gesamtschule hat sie dank ihrer Kondition den ersten Platz belegt und sich dadurch für den Fahrradwettkampf des ADAC auf Regionalebene in Oerlinghausen qualifiziert.
Für Mutter Irina zählt etwas ganz anderes. "Durch den Sport sind die Kinder nicht so viel auf der Straße", sagt sie. Weil sie gern kocht und backt, sind ihre Leckereien bereits fester Bestandteil von Turnieren. Und manch einer fragt gleich nach ihren Bliny, gefüllten Teigspeisen in allerlei Varianten. "Die Kinder wollen nur Selbstgebackenes essen und nichts Gekauftes", sagt die Mutter und schmunzelt zufrieden.
Aufgrund einer technischen Panne konnte dieser Artikel nicht wie angekündigt in der gestrigen MT-Ausgabe erscheinen. Die nächste Folge ist für Mittwoch, 20. September, geplant.

