Der 38-Jährige ist seit vier Jahren Pastor an St. Marien in Unna-Massen, dort wo die NRW-Landesstelle für die Aufnahme, Betreuung und Weiterleitung von Spätaussiedlern, jüdischen Emigranten und anderen Zuwanderern mit einem Dauerbleiberecht in Deutschland ihren Sitz hat. Christian Heim ist Diözesanbeauftragter für Aussiedlerpastoral im Erzbistum Paderborn. In dieser Funktion hat er das Projekt "Beheimatung" für Russlanddeutsche entwickelt.
"Integration ist vieldeutig und verwirrend", sagt Heim. "Ich spreche lieber von Beheimatung." Die großen Kirchen, meint er selbstkritisch, hätten lange verpasst, Ankömmlingen aus Russland und den anderen GUS-Staaten wirklich eine Heimat anzubieten. "Zwangsbeheimatung" allerdings lehnt er ab.
Heims Konzept besteht seit Anfang 2003 darin, Multiplikatoren zu finden, so genannte "Brückenmenschen", die die Verbindung herstellen zwischen hiesigen Institutionen und einheimischen Bürgern und Aussiedlern, denen die neue Umgebung noch fremd ist. Zunächst einmal geht es dabei darum, die Persönlichkeitsstruktur der Schlüsselfiguren zu stärken. "Sie müssen entdecken, ich kann doch etwas", erläutert Pastor Heim. Die zu Tage geförderten Talente werden dann für den Dienst an den Landsleuten nutzbar gemacht, so beim ersten Aussiedlertag der Erzdiözese im Mai in Werl.
Der Betreuungsbereich Heims erstreckt sich über die gesamte Erzdiözese, von Minden bis Siegen, vom östlichen Ruhrgebiet bis an die Weser. "35 000 Kilometer lege ich im Jahr dienstlich zurück", sagt Christian Heim - fast einmal um die Welt. 300 000 Aussiedler leben in diesem Gebiet, schätzt der Geistliche. Längst nicht alle sind Katholiken, trotzdem hat er für alle ein offenes Ohr, die dies wünschen. "Wenn man Deutsche fragt, welche Konfession sie haben, können sie eindeutig antworten. Für viele Russlanddeutsche ist die Frage nicht zu beantworten", sagt der Pastor.
Zum einen hätten nach Jahrzehnten der Verfolgung und Unterdrückung der Religionsgemeinschaften viele sich erst in den vergangenen zehn bis 15 Jahren wieder öffentlich zum Glauben bekennen können, zum anderen sind alte Konfessionsgrenzen aufgeweicht. "Sicher hätte jemand in der Großelterngeneration nicht ,mit einem Russen nach Hause kommen` dürfen", meint Heim und ergänzt: "So wie man im Sauerland nicht mit einem Evangelischen." Die jüngeren Generationen hätten nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, sich anzugleichen und in der Sowjetgesellschaft nicht aufzufallen." Manchmal hätten sie dies auch als Chance genutzt, um aus engen Milieus herauszukommen. Viele hätten daher orthodoxe Ehepartner.
Von Zahlen zu Größenordnungen der Konfessionen unter Russlanddeutschen hält Pastor Heim nicht viel. Die Katholiken sind eher in der Minderheit. Seien es nun zehn oder eher 20 Prozent, auf jeden Fall nutzen auch viele, die sich selbst evangelisch-lutherisch nennen, die "Beheimatung". Dazu veranstaltet Heim in Verbindung mit der Caritas Einführungskurse in der Heimvolkshochschule St. Hedwigshaus in Oerlinghausen. "Rund 400 Menschen haben seit April 2003 daran schon teilgenommen." Etwa die Hälfte ist bisher zu Aufbaukursen gekommen. "Die EKD denkt über ein ähnliches Projekt nach", berichtet er von interessierten Anfragen.
Auch seine Einladung zum Besuch im Dom in Paderborn nutzen nicht nur Katholiken. Und dann macht der Seelsorger seinen Gästen - gleich welchen Glaubens - klar, dass die Türen ihnen offen stehen.

