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11.02.2009
Fundplatz "Auf der Lake" ist mehr als nur ein Römerlager
"Einzigartig in Westfalen"
VON RALF KAPRIES

Porta Westfalica (pri). Der Fundplatz "Auf der Lake" in Porta Westfalica-Barkhausen sei einzigartig in Westfalen, erklärte Dr. Werner Best vom Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) bei einem Lichtbild-Vortrag.

Dies gelte vor allem deshalb, weil hier etwa 7000 Jahre Menschheitsgeschichte vertreten seien, betonte der Archäologe. Best erläuterte den aktuellen Stand der Grabungen auf dem etwa 2,5 Hektar großen Gelände anlässlich des ersten Informationsabends, den der Ende 2008 gegründete "Förderverein Römerlager Barkhausen Porta Westfalica" zu diesem Thema in der Aula der Grundschule Barkhausen veranstaltete. Ziel des Vereins ist es, einen Teil der Fundstücke dauerhaft vor Ort zu präsentieren.

Best verwies bei der Veranstaltung auch auf den Zusammenhang mit der als gesichert geltenden Entdeckung eines Marschlagers der Römer aus der augustäischen Zeit (11 bis 16 n. Chr.) auf dem Grabungsgelände, das angesichts des "Varusjahres" und der aus wissenschaftlicher Sicht Ernst zu nehmenden Zweifel an der Lage der berühmten Schicksalsschlacht bei Kalkriese besonderes Interesse der Öffentlichkeit und der Medien findet.

Seit am 8. Juli 2008 ein ehrenamtlicher Sondengänger eine Münze und eine römische Gewandspange gefunden hat, wird das Baugelände "Auf der Lake" genauer untersucht. Nach einer elektromagnetischen Prospektion, die auf Besonderheiten des Untergrundes hinwies, sind bis September 2008 drei kleine Flächen geöffnet und etwa 3900 Quadratmeter archäologisch untersucht worden. Die Wissenschaftler unterscheiden Funde und Befunde. Funde sind Gegenstände oder Teile davon. Befunde sind zum Beispiel Verfärbungen im Boden, die auf menschliche Aktivitäten hinweisen. Bisher sind 159 Befunde, 193 Sondenfunde, 17 Urnengräber und 4 Feldbacköfen entdeckt worden.

Funde erzählen 7000 Jahre Menschheitsgeschichte

Die Funde und Befunde erstrecken sich über die Zeit zwischen der Steinzeit und dem Dreißigjährigen Krieg. Ein Gräberfeld mit 17 Urnen und Brandgräbern datiert aus der Bronzezeit. Eine große Scherbe stammt von einem germanischen Gefäß aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., Siedlungsstrukturen aus dieser Zeit konnten allerdings nicht nachgewiesen werden. Eine Scheibenfibel mit einer abstrahierten Christus-Darstellung deutet auf die Frühe Neuzeit hin, während ein Mariengroschen von 1629 aus dem Dreißigjährigen Krieg stammt.

Als gesichert gilt auch, dass Römer in der Okkupationszeit Germaniens anwesend waren, allerdings ist bisher nicht festzustellen, in welcher Form. Die elektromagnetische Prospektion hatte zunächst eine Störung gezeigt, die auf einen Graben hinwies, entpuppte sich jedoch als eine Telefonleitung aus der Zeit der englischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein entsprechender Graben hätte deutlich auf die Befestigung eines Militärlagers der Römer hingewiesen. Jedoch hätte ein solches Lager eine sehr große Fläche eingenommen, erläuterte Best. Der Grabungsbereich sei dem gegenüber sehr klein, sodass er möglicherweise innerhalb der Befestigung liege.

Aus römischer Zeit wurden zahllose Sandalennägel, Teile einer kleinen Maske, ein eiserner Zelthering, die Randscherbe eines Rillenbechers sowie zwei Bruchstücke von Mahlsteinen einer kleinen Handdrehmühle aus Basalt gefunden. Solche Mühlen gehörten zur Grundausstattung der römischen Soldaten. Die Herkunft des Basalts werde noch geprüft. Außerdem ergab sich der Befund von vier Feldbacköfen, in denen sich die Soldaten ihr Brot backten. Alles dies weist nach Einschätzung der Archäologen auf eine Lagerung der Römer und nicht auf eine Durchwanderung hin. Es ist möglich, dass die Fundstätte auf einer der Trassen lag, die von Römern und anderen als Transportwege genutzt wurden.

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Dokument erstellt am 10.02.2009 um 21:24:50 Uhr

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