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01.10.2011
Berater sieht Wachstum bei Containerumschlag
Aktualisierte Potenzialanalyse für Regioport vorgestellt/Wirtschaftskrise bringt Einbruch/Bestehender Containerhafen nicht wirtschaftlich
VON HANS-JÜRGEN AMTAGE

Minden (mt). Der Mindener Containerhafen an der Karlstraße arbeitet weiterhin nicht wirtschaftlich. Das wurde am Donnerstagabend bei der Vorstellung der Potenzialanalyse zum kombinierten Verkehr für den geplanten Regioport bekannt, zu der die Stadt Minden in den Großen Rathaussaal eingeladen hatte.

Überschaubar war die Zuhörerzahl bei der Vorstellung der Potenzialanalyse. | Foto: Amtage

Rund 80 Zuhörer, darunter etwa 30 Mandatsträger und Mitarbeiter der Kommunen aus Minden und Bückeburg, folgten den Ausführungen von Henrik Armbrecht vom Essener Beratungsunternehmen Planco Consulting, das sich auf die Analyse von Schiffsverkehr spezialisiert hat. Immer wieder unterbrochen wurde der wenig transparente Vortrag durch teilweise fragwürdige Zwischenfragen.

Armbrecht erläuterte zur Begründung, dass die Regioport-Planungen nordöstlich des Verkehrskreuzes Bundesstraße 482/Mittellandkanal Sinn machen, der bestehende Containerterminal erreiche seine Kapazitätsgrenzen. Zudem könne der Hafen an der Karlstraße nicht von größeren Schiffen angelaufen werden.

Auf eine bereits 2008 erstellte Analyse zum kombinierten Verkehr eingehend, betonte der Planco-Vertreter, es habe sich damals ein beachtliches Wachstumspotenzial gezeigt. Dann habe es allerdings während der Wirtschaftskrise einen Einbruch gegeben, wobei der Containerumschlag generell weiter gewachsen sei.

Deutlich zurückgegangen waren die Umschlagszahlen beim Bahntransport, der fast völlig wegbrach, und beim Schiffsverkehr. Dagegen wuchs der Umschlag Lkw-Lkw stark an. Allerdings wurde dieses bei der Mindener Analyse nicht weiter untersucht, weil es nur die Verkehrsmittel Bahn und Schiff zu betrachten galt.

Konkurrenzlos im Umkreis von 50 Kilometern

Die inzwischen aktualisierte Potenzialanalyse, die sich auf eine Entwicklung bis 2025 bezieht, zeigt laut Armbrecht einen Zuwachs von aktuell 44000 TEU auf rund 64200 TEU in 14 Jahren. Die drei Buchstaben TEU stehen für Twenty-foot Equivalent Unit, ein Maß für Kapazitäten von Containerschiffen und Hafenumschlagsmengen berechnet auf 20-Fuß-Container. 2008, vor der Wirtschaftskrise, waren die Experten noch von einem Wachstum auf circa 77000 TEU ausgegangen.

Henrik Armbrecht erläuterte, dass das Szenario vor allem kleinere Schiffe berücksichtige. Auch sei bei der Berechnung auf die Dreilagigkeit von Containern auf den Transportschiffen verzichtet worden, weil nicht davon auszugehen sei, dass bis 2025 sämtliche Brücken über den Mittellandkanal und die Weser so erhöht werden, dass drei übereinander gestapelte Container auf dem Schiff die Brücken unterqueren können.

Als Standortvorteil für den Mindener Hafen sieht Planco die Konkurrenzlosigkeit in einem Umkreis von 50 Kilometern. Erst Hannover, Bremen und Dortmund bildeten eine Konkurrenz. Zudem gebe es einen Interessenten aus der Fleischverarbeitung, der eine zusätzliche Umschlagmenge von 2500 TEU jährlich über Minden abwickeln würde.

Als beachtenswerten Punkt betrachtet Armbrecht auch, dass die Weserstadt einen wichtigen Zentralknoten der Transportsysteme (Hub) im Hinterland der Nordseehäfen bilden könnte. So gäbe es ein Verlagerungspotenzial aus dem Einzugsgebiet in Höhe von rund 900000 TEU für Minden. Positiv auswirken für diesen Hinterland-Hub könnten sich außerdem die langen Wartezeiten für Lkw in den Seehäfen und langfristig zu erwartende Engpässe in den großen Umschlagsanlagen.

So bleibt das Beratungsunternehmen Planco bei seiner Einschätzung, dass der Containerumschlag in Minden auch weiterhin ein großes Wachstumspotenzial hat.

Kritisch wurden diese Informationen von Zuhörern, vor allem von den vom Regioport betroffenen Anwohnern aufgenommen. Sie zogen die erwarteten Umschlagszahlen in Zweifel, besonders vor dem Hintergrund der Folgen der Wirtschaftskrise. Auch die hohen Kosten für den neuen Weserhafen auf der Landesgrenze zu Niedersachsen spielten eine Rolle bei der Diskussion.

Buhre: Hafen ist wichtig für die Infrastruktur

Mit Blick auf die Kostenfrage wollte ein Zuhörer wissen, ob der vorhandene Containerhafen an der Karlstraße wirtschaftliche arbeite. Der Geschäftsführer der Regioport Minden GmbH, Joachim Schmidt, konnte keine Zahlen nennen. Bürgermeister Michael Buhre, gleichzeitig Verbandsvorsteher des interkommunalen Verbandes Regioport Weser, erläuterte allerdings, dass der Hafen keine schwarzen Zahlen abwerfe.

Dennoch sei ein Hafen, gerade auch der geplante Regioport, aus Infrastrukturgründen wichtig für Minden und die Region. "Solche Umschlagsmöglichkeiten bekommen immer mehr Bedeutung und sind für Unternehmen ein wichtiger Punkt, beispielsweise wenn es um die Ansiedlung an einem neuen Standort geht."

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 30.09.2011 um 21:25:47 Uhr

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Kommentare
Die Wasser und Schiffahrtsdirektion Mitte weist in ihrem Verkehsbericht für das Jahr 2010 auf Seite 44 einen Gesamtumschlag im Hafen Minden mit gerade einmal 15174 TEU bei einer Gesamtzahl von 9227 Containern aus. Die gesamte Zahl der Container ist ja wohl deshalb kleiner als die Angabe in TEU, weil teilweise 40fuß-Container also "2-TEU" Container dabei waren.
Von der Beraterfirma wird für Minden aber von aktuell 44000 TEU gesprochen, was immerhin fast das dreifache ist.
Da hat aber einer mehr als reichlich an mächtig dicken Fingern gesogen. Es ist kaum anzunehmen, daß bei einem derart großen Projekt die offiziellen, behördlichen Zahlen der Schiffahrtsdirektion bei der Stadt Minden unbekannt sind. Mit einem Minimum an Rechercheaufwand hätte man auch bei der Mindener Dorfpostille auf die offiziellen Zahlen stoßen können. Im Sinne einer endlich mal unabhängigen, überparteilich objektiven Berichterstattung hätte ich mir das gewünscht.

Zitat: 2008, vor der Wirtschaftskrise, waren die Experten noch von einem Wachstum auf circa 77000 TEU ausgegangen.

OK, statt ursprünglich veranschlagem Umsatz von 77000 TEU wir nun nur noch mit einer Steigerung auf 64200 TEU spekuliert.
Da drängt sich einem doch mal die Frage auf, bei welchen Gütern eigentlich dieser dramatische Rückgang der Transportmengen zu suchen ist. Ist dieses denn offengelegt worden ? Ohne eine derartige Spezifizierung lässt sich doch überhaupt keine seriöse Aussage über zukünftige Transportmengen machen. Letztlich ist das mit 12800 TEU mehr als ein viertel der dezeit behaupteten gesamten Umschlagsmenge von angeblich 44000 TEU.

"Zudem gebe es einen Interessenten aus der Fleischverarbeitung,..."

Wie schon ehemals beim Thema Domhofgalerie werden wieder nur nebulöse Andeutungen gemacht. Aber gehen wir doch einmal davon aus, es handele sich um einen "Interessenten aus der Fleischverarbeitung" mit dem genannten Produktionsvolumen; dann dürfte er in Lübbecke sitzen.

Da aber wegen der im Bericht erwähnten Brücken mittlerweile sogar laut Herrn Buhre die "Dreilagigkeit (der Transportschiffe) nicht mehr Bestandteil der Planungen" (und mit der wurde lange Zeit geworben, eben so wie mit der Trimodalität, die am Donnerstag für mindestens die ersten zehn Jahre dann auf Nachfrage verneint wurde) ist, müssten die Waren zunächst per Kühltransporter von Lübbecke nach Minden geschafft, dann hier auf Schiffe verladen und beim Versand Richtung Norden gleich mehrfach geschleust werden – alles ein erheblicher Zeitverlust der sich gerade bei der energieintensiven Aufrechterhaltung der notwendigen Kühlkette als Kostenfaktor erweist. Von der Reisegeschwindigkeit auf der Weser von 12 Km/h mal ganz zu schweigen.

Sollte das Fleisch also z.B. nach Bremen verschickt werden, so wäre ein LKW mit den Waren bereits am Zielort, während die Produkte in Minden noch nicht einmal die Schachtschleuse hinter sich gebracht hätten.

Und so reiht sich eine Merkwürdigkeit an die nächste beim Thema RegioPort.

Da wird munter spekuliert, die Wirtschaftskrise 2008/09 hätte zwar eine 'Delle' verursacht, aber im Grunde die Entwicklung nur um drei Jahre verschoben. Von der aktuellen globalen Finanzkrise ist während des ganzen Abends kein Wort zu hören – so schön kann man sich die Welt planen...


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