2. Verkehrsforum "Wasser, Schiene, Straße": Häfen am Mittellandkanal sehen Chancen in Kooperation
"Eine funktionierende Logistik ist Voraussetzung dafür, dass es weiterhin einen Industriestandort Nordrhein-Westfalen gibt", sagt der NRW-Staatssekretär in Vertretung seines zwischenzeitlich zurückgetretenen Minister Olaf Wittke, den Gastgeber Steffen Kampeter (MdB) ursprünglich in die Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) eingeladen hatte.
Dem Mindener Hafen bescheinigt Kozlowski eine Sonderrolle. Denn zwei Drittel der Güter in NRW kommen über die sogenannten ARA-Häfen - Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen. Über Minden würde der Export über die deutschen Nordseehäfen gestärkt. Für den Antrag für die Förderung des Baus des Regioports sieht er eine "gute Perspektive".
Auch wenn die gegenwärtige Krise zu Einbrüchen führt, lässt Emanuel Schiffer, Vorsitzender der Eurogate-Gruppengeschäftsführung (Kozlowski: "Jemand aus der ersten Liga"), keinen Zweifel: "Die Globalisierung wird nicht mehr zurückzudrehen sein." Die Entspannung im Verkehrssektor muss aus seiner Sicht sinnvoll genutzt werden: "Jetzt muss man drangehen, jetzt muss man Konzepte fertigstellen."
Das Vorgehen von Eurogate, zu dem Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven sowie sechs italienische Häfen, Lissabon, Tanger und Ust Luga an der Ostsee gehören, sieht ein "extended gate"-Konzept mit Bündelung des Umschlags in Binnenhäfen vor. "Der Seehafen rückt näher zum Endkunden", erklärt Schiffer. Die deutschen Nordseehäfen sind bereits tief im Hinterland Mannheim, Nürnberg, Dortmund, Magdeburg und Minden aktiv.
Einen Wunsch hegt Schiffer dabei noch: die Erweiterung von zwei auf drei Containerlagen. Doch dem stehen 14 niedrige Brücken - noch - entgegen. "Alles niedersächsische Brücken", sagt der MdB erleichtert, dass die Hindernisse nicht in seinem Wahlkreis liegen.
Dass die Mindener Hafen GmbH keinen Alleingang versucht, machen die Ausführungen des Geschäftsführers der Hafen Hannover GmbH, Jürgen Schulz, deutlich. Denn gemeinsam mit dem Braunschweiger Hafen wollen die drei "Perlen" am Mittellandkanal gemeinsam ihre Chancen nutzen und kooperieren. "Die verladende Wirtschaft verlangt von uns verlässliche Systeme unter Einbeziehung aller Verkehrsträger", betont Schulz den Anspruch auf Trimodalität, die Kombination von Wasser, Schiene und Straße.
Nach einer 32-prozentigen Umsatzsteigerung im vergangenen Jahr muss Geschäftsführer Hans Jürgen Hansch einräumen, dass die Krise auch im Mindener Hafen angekommen ist. 6,0 Prozent Rückgang im Januar, 8,0 Prozent im Februar. Die Einwände von Spediteur Gerhard Schmidt, angesichts von Auftragsmangel in der Branche auf die Hafenerweiterung zu verzichten, weisen alle Redner ab. Auch Bürgermeister Michael Buhre plädiert für eine mittel- und langfristige Orientierung ebenso wie für Kooperation mit der Privatwirtschaft und den niedersächsischen Nachbarn.
Nur so lassen sich sechs Planfeststellungsverfahren und ein Bebauungsplan bewältigen, blickt Hafenchef Hansch in die nächste Zukunft. Dazu gebe es einen Planungsverbund. Nach dem Gebietsentwicklungsplan (GEP) muss die Stadt aber jetzt erst einmal den Flächennutzungsplan ändern.
Günter Kozlowski hört das schon nicht mehr. Er hat es eilig an diesem Freitagnachmittag. Ankunft "just in time", Pressefoto, Brief des IHK-Vizepräsidenten Fritz Drabert zur B 239-Ortsumgehung Lübbecke entgegennehmen, eigenes Statement abgeben, noch eines abwarten, und schon geht´s weiter, "weil er ein Problem hat", sagt der Gastgeber verständnisvoll, "und Minister und Staatssekretär in einem sein muss". ". . . und trotzdem langsam fahren muss", erwidert der derzeit oberste Verkehrspolitiker des Landes und wird mit lautem Gelächter des Publikums verabschiedet.