Personal der Service Mühlenkreiskliniken GmbH macht sich Sorgen um den Arbeitsplatz / Demo im Kreishaus
Die Service GmbH ist seit 2007 mit nach MKK-Angaben 275 meist weiblichen Mitarbeitern bei 190 Vollstellen zuständig für Speiseversorgung und noch den größten Teil der Reinigungsleistungen in den MKK-Krankenhäusern in Minden, Lübbecke und Rahden. Dafür zahlt die MKK nach MT-Informationen rund elf Millionen Euro im Jahr und hat vertraglich ihrer ausgegliederten Tochter Preise garantiert, dass diese einen Gewinn von 0,2 Prozent vom Umsatz mindestens erwirtschaftet.
Drei Varianten spielen in den Überlegungen von Vorstandsvorsitzendem Dr. Matthias Bracht und Finanzvorstand Dr. Olaf Bornemeier, in Personalunion Geschäftsführer der Service GmbH sowie des Verwaltungsrats um Landrat Dr. Ralf Niermann, eine Rolle. Einmal die "Optimierung im Bestand", das heißt Kostensenkung, sprich Personalabbau. Zweitens die Suche nach einem Partner, der bis maximal 49 Prozent der Geschäftsanteile übernimmt, dafür einen mindestens fünf Jahre dauernden Vertrag mit der MKK bekommt. Drittens der Verkauf der Tochter an eine Fremdfirma.
Neuer Arbeitgeber, neue Tarifbedingungen für die Beschäftigten - wenn sie denn übernommen werden bzw. werden müssen. Je nach Variante wird das Einsparpotenzial für die MKK vom Vorstand zwischen 400000 und drei Millionen Euro jährlich angegeben. Es seien 15 Angebote auf das im Februar eingeleitete Interessenbekundungsverfahren abgegeben worden, teilt Dr. Bracht auf MT-Anfrage mit. "Darunter befanden sich alle in diesem Zusammenhang denkbaren Varianten wie eine Komplettübernahme als auch mehrere unterschiedlich geartete Kooperationsformen mit einem strategischen Partner." Jedes Angebot sei gleichwertig evaluiert worden, sagt Bracht.
Arbeitsverdichtung schon in den vergangenen Jahren
Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen sich die im Jahre 2002 aus dem Krankenhausbetrieb in eine Tochterfirma ausgegliederten Beschäftigten der Service GmbH schon seit Langem.
Sie hätten über Personalabbau und höhere Reinigungsleistungen schon in den vergangenen Jahren eine erhebliche Arbeitsverdichtung hinnehmen müssen, was vermehrt zu krankheitsbedingten Ausfällen führe. Am Montag machten sie das dem Entscheidungsgremium über ihre berufliche Zukunft, dem Kreistag, mit einer kleinen Demonstration während der Kreistagssitzung erneut deutlich. Sie beklagen nicht nur "Geheimniskrämerei" und schlechte Information, sondern auch Ungereimtheiten in der Arbeitsorganisation.
So seien alle Zeitverträge nicht mehr verlängert worden. Einige Bereiche, auch Pflegestationen, seien, wenn deshalb und krankheitsbedingt in einem Bereich Reinigungskräfte fehlten, an eine schon im Haus im sensiblen, höchstbezahlten OP-Bereich tätige Fremdfirma vergeben worden und die vorhandenen Mitarbeiter der Service GmbH seien in einen sogenannten Springerpool versetzt worden. Eine entsprechende Anweisung liegt dem MT vor. Von der Belegschaft wird das als "schleichende Aushöhlung" bezeichnet. "Wir werden verkauft", ist sich eine Mitarbeiterin sicher, die wie alle Angesprochenen "um Himmels Willen" nicht namentlich genannt werden möchte. Zu einer entsprechenden MT-Anfrage gab der MKK-Vorstand keine Stellungnahme ab.
Gewerkschaft kritisiert Einzelpunkte
Das führe dann dazu, dass Beschäftigte der höher bezahlten EG-3-Gruppe wegen der Besitzstandswahrungspflicht in unteren Reinigungsklassen, z. B. Verwaltungsbüros überbezahlt arbeiten würden, kritisiert die Gewerkschaft Verdi. Ihr Vorschlag zur Optimierung im Bestand: die beiden MKK-Häuser in Bad Oeynhausen zusätzlich von der Service GmbH reinigen zu lassen und die Mitarbeiter neu zu verteilen. Das sei aber beim Vorstand nicht auf Gegenliebe gestoßen.
In der Speiseversorgung, die für Bad Oeynhausen ohnehin umstrukturiert wird, sieht die Interessenvertretung der Arbeitnehmer dort eine Einigungsmöglichkeit. Gegen eine 49/51-Partnerschaft spreche, so Gewerkschaftsvertreter, dass eine solche Halb-Tochterfirma der MKK Leichtlohngruppen einrichten könne, gleichzeitig in der sogenannten Organschaft mit der öffentlich-rechtlichen MKK-Mutter von der Mehrwertsteuer befreit bleibe.
Es werden verschiedene Unternehmensberatungsgesellschaften beauftragt neue Konzepte zu liefern. Diese kennen jedoch nur einen Lösungsansatz:: Kosten senken.
Ab einem gewissen Punkt ist die jedoch nicht mehr möglich. Dann werden private Investoren gesucht. Das JWK wäre nicht die erste Einrichtung, die diesen Weg geht.
Jedoch ist die Privatisierung der schlechteste Weg. Hier wird noch mehr auf den Rücken der Patienten ausgetragen.
Das einzig Gute an einer Privatisierung wäre, dass die bestehende Prozesse eingeführt würden, die die jetzige Führungsetage überflüssig macht.
Das scheinen die Obersten des JWK noch nicht realisiert zu haben, denn sonst würde sie eigene Ideen kreieren, die dazu führen das JWK attraktiver zu machen, aus denen Mehrerlöse [im Sinne von Deckungsbeiträgen] resutieren.