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14.07.2010
Technischer Leiter muss zwei Jahre und vier Monate in Haft
Landgericht ahndet Untreue und Bestechung am Klinikum Minden

Minden/Bielefeld (hn). Zu zwei Jahren und neun Monaten Haft wegen besonders schwerer Bestechung und Untreue hat das Landgericht Bielefeld gestern den ehemaligen Technischen Leiter des Klinikum Minden, Rolf R. (59) verurteilt.

Sein Mittäter Harald P. (63), Inhaber eines Steinhagener Krankenhaus-Service-Unternehmens, bekam wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue zwei Jahre auf Bewährung. Damit ahndete das Gericht eine fast zehnjährige Kumpanei, bei der das Klinikum laut Anklage um über eine Million Euro geschädigt worden war. 75 Fälle wies das Gericht den beiden nach.

Angefangen hatte es mit kleinen Spenden, die man im Klinikum von Dienstleistern wie P. forderte, dann kam Sponsoring von Weihnachtsfeiern und dann wollte R. auch persönlich einen Anteil, um sich einen "luxuriösen Lebenstil" (Staatsanwalt Hirschfeld) zu finanzieren.

Beide einigten sich 1998 auf zehn Prozent "Zuschlag"der Rechnungen, die P. dem Klinikum schickte. Von den 2,5 Millionen Euro, die P. seit 2002 dem Klinikum in Rechnung stellte, fanden die Ermittler heraus, steckte sich der Abteilungsleiter eine Viertelmillion in die Tasche. Seine Bestechlichkeit als Amtsträger bewertete das Gericht schärfer als die Bestechung von P., der fünf Prozent der um 15 Prozent überhöhten Rechnungen behielt.

Zuerst wurde mit falschen Stundenzahlen gemauschelt, dann Altgeräte zum Neupreis verkauft, schließlich fingierte Rechnungen geschickt. Oft gegen Jahresende, wenn in R.´s Verfügungstopf noch Geld war.

Der Abteilungsleiter durfte Rechnungen bis 15 000 Euro abzeichnen. Aber man fand auch solche über diesem Maximum. "Und keinem ist das aufgefallen", kritisierten Richter, Staatsanwalt und Verteidiger das schon lange vor der hektischen Neubau- und Umzugsphase herrschende Kontrolldefizit. Das habe die jahrelangen kriminellen Handlungen erleichtert, wertete die IX. Kammer das als strafmildernd.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2014
Dokument erstellt am 13.07.2010 um 21:15:39 Uhr
Letzte Änderung am 13.07.2010 um 22:17:26 Uhr

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Kommentare
Kontrolldefizit..... Kein Wunder bei der Personalpolitik. Eine solche Instanz würde sich schon lohnen. Neudeutsch heißt das Revision und ist in mittelständischen Unternehmen eine feste Institutuion. Da gehen sie hin... meine Steuergelder...

Respekt!
Ich habe geglaubt, der "Klüngel" ist wohl eher ein Problem hier in Köln und nicht in meiner Heimat (Minden). Vielleicht ist man in Minden nur nicht so geschickt im verschleiern? Schlimm genug, dass gut ausgebildete Menschen wenig Möglichkeiten bei den Kliniken geboten bekommen. Noch schlimmer, dass man glaubt das "Geschäft" im Griff zu haben und richtig schlimm, dass Integrität, Pflichbewusstsein, soziale Verantwortung und Qualifikation scheinbar nichts mehr zählen. Schadeschade, jetzt kann ich hier (Köln) nicht mehr erzählen, dass bei uns (in Minden) alles etwas ordentlicher zugeht...


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