Zichorien-, Malz- oder Gerstenkaffee sind heute als Kaffee-Ersatz weitgehend bekannt. Diese nach Kaffee schmeckenden Getränke sind alle koffeinfrei und werden aus stärke- und zuckerhaltigen Materialien durch Rösten gewonnen. Beim Röstprozess verwandelt sich die Stärke in braunes Dextrin, der Zucker in Karamell. Gleichzeitig entstehen angenehm bitter schmeckende Röstprodukte. So liefern diese Kaffee-Ersatzstoffe ein wohlschmeckendes, unschädliches Getränk und dienen auch als Zusatz zu Bohnenkaffee.
In Zeiten, in denen Bohnenkaffee sowieso, aber auch Malz und Korn knapp oder von vielen Bevölkerungsschichten nicht bezahlbar waren, suchte man andere stärke- und zuckerhaltiger Materialien, die zur Gewinnung von kaffeeähnlichen Produkten geeignet waren. Man bediente sich dabei der Samen, Früchte oder Wurzeln von Pflanzen, die in der Umgebung zu finden waren.
Nicht nur aus den Wurzeln der Zichorie konnte Kaffee-Ersatzpulver gewonnen werden. Vor allem in Kriegszeiten wurden auch die Wurzeln von Löwenzahn, Pastinak, Große Klette, Brunnenkresse und Bocksbart verwendet.
Eicheln wurden aus der Becherhülle gelöst, gewaschen und durch Erwärmen getrocknet, um die braunen, glatten und brüchigen Fruchthäute samt den Samenschalen abschälen zu können.
Die Eichensamen wurden geröstet und nach dem Erkalten zu einem groben, braunen, etwas herb schmeckenden Pulver gemahlen, aus dem der Eichelkaffee zubereitet wurde.
Auch aus Bucheckern, Rosskastanien, Fichten- und Nachtkerzensamen, sogar aus den roh stark giftigen Samen der Stechpalme wurden auf diese Art und Weise kaffeeähnliche Getränke hergestellt.
Die Steinkerne vom Weißdorn und Kornelkirsche wie auch Vogelbeeren wurden getrocknet und geröstet zu Kaffee-Ersatz verarbeitet. Da die Kerne der Kornelkirsche nach Vanille duften, wurden sie angeblich dem "Wiener Kaffee" beigegeben, wodurch dieser seinen legendären Geschmack erhielt.
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