Schon Achilles, der Held des Trojanischen Krieges soll um die wund- und blutstillende Wirkung dieses Krautes gewusst haben. Er ließ seine verwundeten Krieger mit der Schafgarbe behandeln. Auch wird die Schafgarbe "Zimmermannskraut" genannt, weil gerade in diesem Berufszweig häufig Verletzungen auftreten, die mit dem blutstillenden Kraut behandelt werden können.
Um diese Jahreszeit werden die jungen Blättchen des Korbblütlers auf gemähten Wiesen oder auch Rasenflächen für die Kräuterküche geerntet, die Blüten aus nicht gemähten Beständen. Da Blätter und Blüten recht herb und bitter schmecken, sollten sie bei der Verarbeitung vorsichtig eingesetzt werden.
Junge Blätter können in Pfannkuchenteig ausgebacken, getrocknete Blätter und Blüten als Gewürz eingesetzt oder zu Kräutersalz verarbeitet werden. Fette Speisen werden durch die Beigabe von Schafgarbe leichter verdaulich; Salate, Suppen und Eintöpfe erhalten einen pfefferigen Geschmack. Auch lässt das Kraut sich zu Tee, Schnaps und Likör verarbeiten. Zur Herstellung von Schafgarbenschnaps werden 50 Gramm frische Blüten und Blätter auf einen Liter Schnaps gegeben und vier bis sechs Wochen an einen warmen Platz gestellt.
Bevor die Benediktiner Hopfen als Bierwürze eingesetzt haben, verwendeten sie dazu die Schafgarbe. Wegen ihres aromatischen Geruches wurde sie zu Zeiten der Pestepedemien zur Abwehr dieser meist tödlichen Krankheit in die Häuser gehängt. Daher wird das Kraut mancherorts "Pestilenzkraut" genannt.
Die Schafgarbe wird auch in der Frauenheilkunde eingesetzt. Schwangere Frauen sollten allerdings auf den Verzehr von Schafgarbe verzichten. Bei manchen Menschen kann die Pflanze bei Sonneneinstrahlung zu Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut führen.
Noch eine Information für Eltern: Das Kraut ist nicht nur blutstillend, es hat auch die entgegengesetzte Wirkung. Über Jahrhunderte war es bei Schulkindern beliebt, sich Blätter der Schafgarbe in die Nase zu stecken und mit dem Finger auf die Nase zu schlagen. Dadurch wird Nasenbluten ausgelöst. Mit diesem Trick wurde so manch eine Schulstunde versäumt.
Die Autorin ist als Landschaftsökologin Fachfrau für Wildpflanzen.
RezeptKartoffelgratin mit Schafgarbe
1 kg gekochte Kartoffeln, 2 Becher Sahne, 1 Ei, 1 bis 2 EL gewaschene, getrocknete und feingewiegte Schafgarbenblätter, 1 Knoblauchzehe, 150 g geriebenen Käse, Pfeffer, Salz.
Kartoffeln in dünne Scheiben schneiden, in eine gebutterte Auflaufform schichten. Sahne und Ei verquirlen und mit den übrigen Zutaten vermischen. Mit Pfeffer und Salz abschmecken und über die Kartoffeln gießen. Bei 200 Grad im vorgeheizten Backofen 45 Minuten goldbraun backen. (mt)
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