Junge Blätter der Kohl-Kratzdistel eignen sich für Salate, Suppen oder Wildgemüse
Im Gegensatz zu ihren Artgenossen weist die Kohl-Kratzdistel (häufig auch nur Kohldistel genannt) keine dornigen Stacheln auf. Daher kann sie verfüttert bzw. verzehrt werden. Die unteren Blätter sind fiederspaltig, die oberen ungeteilten haben den Umriss einer Lanzenspitze. Lediglich kleine weiche, dornige Wimpern am Blattrand und vereinzelt kleine Härchen auf den Blättern erinnern an die Stacheligkeit von Disteln.
Im Frühjahr gesammelte zarte junge Blätter können zu Salaten, Suppen oder Wildgemüsegerichten verarbeitet werden. Auch die jungen Triebe und geschälten Stängel sind roh oder gekocht essbar. Vom Sommer bis in den Herbst hinein lassen sich die Böden der Blütenköpfchen wie die von Artischocken zubereiten. Sie sind jedoch sehr aufwendig zu schälen. Den Winter überdauert die Kohl-Kratzdistel mit einem kräftigen Wurzelstock. Die einjährigen Wurzeln hat man früher ab September geerntet und gekocht, gebraten oder frittiert. Getrocknet lassen sie sich auch zu Mehl verarbeiten.
In Japan wird die Kohldistel sogar als Gemüsepflanze angebaut; in Rumänien ist sie als Artischockenersatz sehr beliebt. Man glaubt es kaum, aber alle übrigen mitteleuropäischen Distelarten lassen sich ebenso in der Küche verwerten. Das Entfernen der Stacheln sollte mit einer Schere vorgenommen werden.
Wo kann man nun die vielseitig verwertbare Kohldistel finden? Sie wächst in nährstoffreichen feuchten Wiesen, an Bachufern und feuchten Gräben. Da Feuchtwiesen heute sehr selten geworden sind, sollte man sie an solchen Stellen nicht sammeln, vor allem nicht dort, wo sie Bestandteil von Naturschutzgebieten sind. Das gilt auch grundsätzlich für alle Pflanzen, die in Schutzgebieten wachsen: Sie dürfen nicht gesammelt werden.
Jetzt ist die beste Zeit, die Pflanze und ihre Standorte kennenzulernen, um im nächsten Frühjahr die jungen, zarten Blätter der Rosetten zu finden, um damit zum Beispiel eine gute blanchierte und fein geschnittene Portion in Kartoffelpüree anzurichten.
Die Autorin ist als Landschaftsökologin Fachfrau für Wildpflanzen.
Wildkräuter-Reis
Eine kleine Schüssel grob geschnittene Wildkräuter der Saison (Löwenzahn, Gänse-Fingerkraut, Schafgarbe, Gänseblümchen, Sauerampfer, Kohldistel...), 100 g Reis, Salz, Pfeffer, 3 EL Olivenöl, 3 EL Zitronensaft.
Reis garen, abtropfen und abkühlen lassen. Öl und Zitronensaft verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit den Kräutern kurz vor dem Anrichten unter den Reis mischen. (mt)
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