MT-Serie: Wildpflanzen in der Küche / Bei Waldmeister auf richtige Dosierung achten / Wächst oft im Wald
Für den Waldmeisterduft verantwortlich zeigt sich der Inhaltstoff Cumarin. Bei reichlichem Genuss cumarinhaltiger Speisen und Getränke kann es zu Übelkeit, Benommenheit und vor allem zu Kopfschmerzen kommen. Ob nun die Kopfschmerzen nach dem Genuss von Waldmeisterbowle wirklich nur auf den Cumaringehalt zurückzuführen sind oder vielleicht doch auf den Alkoholspiegel im Blut, steht auf einem anderen Blatt. Aber Spaß beiseite, Waldmeister bitte nicht zu häufig konsumieren und auf die richtige Dosierung achten: etwa 13 Stängel pro Liter. Für die altbekannte Maibowle sollte ein Sträußchen von etwa 13 Stängeln pro Liter für etwa zwei Stunden in die Maibowle gehängt werden.
Nicht nur zu Bowle lässt sich der Waldmeister verarbeiten, sondern auch zu anderen aromatischen Getränken. Hängen sie einmal ein (mit den Händen vorher zerdrücktes) Waldmeistersträußchen zum Beispiel in Apfelsaft. Dieser bekommt dadurch einen angenehm süßen Waldmeistergeschmack.
Likör wird aus einem Sträußchen Waldmeister aus 13 Stängeln in eine Flasche Korn für zwei bis drei Wochen an einen warmen, aber nicht sonnigen Platz gestellt. Das Sträußchen entfernen, nach Geschmack ca. 100 Gramm weißen Kandis zufügen und für weitere zwei bis drei Monate im Keller ausreifen lassen. Mit einigen klein geschnittenen Waldmeisterstängeln kann man zum Beispiel Sahne oder auch Obstsalat aromatisieren. Auch als Duftsträußchen, zum Beispiel im Zimmer aufgehängt, lässt sich Waldmeister mit seinem zarten Duft gut verwenden.
Nun bleibt noch die Frage zu klären, ob der Waldmeister wie weithin verbreitet nur vor der Blüte gepflückt werden sollte. Nein! Zu dem Zeitpunkt ist das Aroma zwar am stärksten entwickelt, die Pflanze kann aber auch während der Blütezeit oder nachher geerntet werden. Dann nimmt man einige Stängelchen mehr.
Der Waldmeister gehört zu den Rötegewächsen und kommt in krautreichen, schattigen Wäldern auf nährstoffreichen Böden vor. Am vierkantigen Stängel sitzen in mehreren Etagen quirlförmig sechs bis acht Blättchen, die beim Zerreiben den typischen Waldmeisterduft entwickeln. Die kleinen weißen, trichterförmigen Blütchen sind nur etwa zwei Millimeter groß.
Die Autorin ist als Landschaftsökologin Fachfrau für Wildpflanzen.
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