Schon seit der Antike wird es aufgrund seines Duftes geschätzt und daher auch "Wohlriechendes Veilchen" genannt. Besonders im galanten 18. Jahrhundert erfreute sich das kleine duftende Veilchen einer ungeahnten Beliebtheit. Als Napoleon sich auf einem Ball unsterblich in Josephine Beauharnais verliebte, trug sie einen Veilchenkranz zu ihrem Ballkleid. Selbst von Schlachtfeldern aus und sogar noch nach der Scheidung soll Napoleon ihr daraufhin Veilchenbuketts zum Hochzeitstag geschickt haben.
Im frühen Mittelalter kam das März-Veilchen aus seiner ursprünglich südeuropäischen Heimat in unsere Gärten, von wo aus die kleine Halbschattenpflanze in die freie Landschaft verwilderte.
Heute ist das März-Veilchen an Hecken-, Wald- und Bachrändern und in lichten Wäldern zu finden. Selbst Poesiealbumsprüche wie "Dem kleinen Veilchen gleich, / das im Verborgnen blüht, / sei immer fromm und gut, / auch wenn dich niemand sieht" weisen auf die eher unscheinbaren Standorte dieses Frühlingsblümchens hin. In Mythologie, Kunst und Literatur wie auch im Brauchtum hat das Veilchen schon immer eine große Rolle gespielt. Je nach Kulturkreis symbolisiert es Demut, Unschuld und Bescheidenheit, aber auch Erotik oder Trauer.
In der Volksheilkunde sind Veilchen schon seit alters her bekannt. Rezeptbücher aus dem Mittelalter empfehlen den Verzehr der ersten drei Veilchenblüten, die man im Frühjahr findet. Für den Rest des Jahres sollte man dadurch vor Krankheit geschützt sein. Besonders bei Kindern wird auch heute noch die schleimlösende Wirkung des Hustentees aus Veilchenkraut und Veilchenblüten genutzt. Speisen lassen sich mit den zarten Blüten des wohlriechenden Veilchens färben, aromatisieren und dekorieren. Auch in der Schönheitspflege ist der Veilchenduft sehr beliebt. Interessant ist allerdings, dass das Aroma für diese Zwecke früher nicht allein aus Veilchen gewonnen wurde, sondern aus der nach Veilchen duftenden Wurzel der deutschen Schwertlilie. Heute wird der Duft synthetisch hergestellt.
Die Autorin ist als Landschaftsökologin Fachfrau für Wildpflanzen.
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