Als der Baum etwa 30 Jahre später umstürzte, ließ er das brauchbare Holz ausschneiden, "damit wir sein Andenken in irgendeinem Hausrat bewahren." Verschiedene Gegenstände, wie auch eine gedrehte Dose ließ Goethe aus dem Holz anfertigen.
Der immergrüne gewöhnliche Wacholder (Juniperus communis) gehört zu den Nadelgehölzen, den Koniferen und hier zur Familie der Zypressengewächse. Er soll angeblich bis zu 2000 Jahre alt werden. Die etwa einen Zentimeter langen nadelförmigen, spitzen Blätter stehen meist zu dreien wirtelig am Zweig. Das zähe, harzfreie Holz war früher bei Drechslern sehr beliebt. Der Wacholder wird auch Heidewacholder genannt, was auf seine Standortansprüche hinweist - sonnige Heiden, Magerweiden und lichte Wälder auf mageren Sandböden.
In Zeiten, als solche Flächen noch von Schafen beweidet wurden, war der Wacholder weit verbreitet. Weil die Schafe den Wacholder mit seinen stacheligen Blättern verschonten, konnte er sich ausbreiten. Durch den Rückgang der Schafbeweidung und die Aufforstung solcher Flächen ging der Bestand des lichtbedürftigen Wacholders zurück. Heute finden wir ihn bei uns fast nur noch als Zierstrauch in Gärten und vor allem auf Friedhöfen.
Früher glaubte man, dass die gerade verstorbenen Seelen im Wacholderbusch vorübergehend weilen und unter bestimmten Umständen wieder ins Leben zurückkehren können. Daher auch der Name Wacholder, abgeleitet vom Althochdeutschen "Weckholder".
Die reifen Beerenzapfen sind schwach giftig. Sie machen Speisen bekömmlicher, durchbluten die Nieren und wirken harntreibend, lindern Rheuma und Gicht, sind blutreinigend usw. Zur Beseitigung von Mundgeruch können sie gekaut werden. Allseits bekannt ist die Verarbeitung von Wacholderbeeren zu Schnaps.
Die im reifen Zustand wie kleine Schlehenfrüchte aussehenden blau bereiften Wacholderbeeren benötigen zu ihrer Entwicklung etwa drei Jahre. Sie werden vor allem von Wacholderdrosseln, auch Krammetsvögel genannt (Krammet = Wacholder) und Amseln verbreitet.
Die Autorin ist als Landschaftsökologin Fachfrau für Wildpflanzen.
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