Blüten der Schlehe ergeben zarten Teegeschmack und wirken zudem regulierend auf die Verdauung
Aufgrund seines undurchdringlichen Zweiggewirrs ist es ein wertvolles Vogelgehölz. Ungestört können die Vögel zwischen den dornigen Zweigen ihren Brutgeschäften nachgehen. Im zeitigen Frühjahr wagt der zu den Rosengewächsen gehörende Schwarzdorn als einer der ersten unserer heimischen Wildsträucher seine weißen Blüten zu zeigen. Sie sind "vorlaufend", das heißt, sie blühen vor der Entwicklung der Blätter.
Wie die Weidenkätzchen bieten sie den Bienen die erste Nahrung im Jahr. Man kann frische oder getrocknete Blüten als reinen Blütentee aufgießen oder auch schwarzem Tee beigeben.
Das feine Mandelaroma der Blüten ergibt einen zarten Teegeschmack und wirkt zudem regulierend auf die Verdauung.
Im Herbst können die kleinen, kugeligen, schwarzblau bereiften Steinfrüchte geerntet werden. Sie sind sehr herb, schmecken allerdings nach den ersten Frösten etwas milder. Vor dem Frost gepflückte Früchte sollten mindestens einige Tage eingefroren werden. Zur Herstellung von Marmelade werden die herben Schlehen zu Mus verarbeitet und können dann mit milder schmeckendem Obst wie Birnen- oder Apfelstückchen oder zum Beispiel auch nur mit Apfelsaft eingekocht werden.
Für Schlehenlikör geben Sie 200 Gramm Schlehen, 150 Gramm weißen Kandis, eine aufgeschlitzte Vanilleschote (oder etwas gemahlene Bourbon-Vanille), 0,7 Liter 32-prozentigen Korn in eine Flasche und lassen alles mindestens zwei Monate ziehen. Wie wäre es mit einer Schlehen-Torte, kreiert mit Schlehenmarmelade und Schlehenlikör? Läuft ihnen da nicht das Wasser im Mund zusammen?
Als süßsaure Beilage können Schlehen beispielsweise auch in Essig eingelegt oder zu Chutney verarbeitet werden.
Bereits die Menschen in der Jungsteinzeit haben die Schlehe als Nahrungsmittel geschätzt. In ihren Pfahlbauten wurden ganze Karrenladungen Schlehenkerne entdeckt. Als Umzäunung für Weiden und Gehöfte, Nahrungsmittel, Holz für Spazierstöcke und als Färbemittel für Wolle und Leinen (aus der Schwarzdornrinde stellte man einen roten Farbstoff her) hat der Strauch den Menschen durch die Jahrhunderte begleitet.
Die Autorin ist als Landschaftsökologin Fachfrau für Wildpflanzen.
Schlehen-Birnen-Marmelade
500 g Schlehenmus, 500 g klein geschnittene Birnen (oder Äpfel), Saft einer Zitrone, Gelierzucker.
Die nach dem ersten Frost geernteten oder tiefgekühlten Schlehen mit etwas Flüssigkeit (Wasser oder Apfelsaft) weich kochen und noch heiß durch ein Sieb passieren. Dem Mus in kleine Stückchen geschnittene oder ebenfalls etwas weich gekochte und durch ein Sieb passierte Birnen und Zitronensaft zugeben, nach Packungsvorlage mit Gelierzucker einkochen. (mt)
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