MT-Serie: Wildpflanzen in der Küche / Weißdorn in fast jeder wild wachsenden Hecke zu finden
Man unterscheidet den Eingriffeligen (Crataegus monogyna) und den Zweigriffeligen Weißdorn (Crataegus laevigata), wobei der Eingriffelige stärker gelappte Blätter hat als der Zweigriffelige. Auch an den Früchten kann man die Anzahl der Griffel meist noch gut erkennen. Der Zweigriffelige Weißdorn hat zwei Kerne. In der Heil- und Wildkräuterkunde sind beide gleich zu verwenden.
Von weißen Blüten übersät ist der Strauch zur Blütezeit im Mai am auffälligsten. In der heilkundlichen Fachliteratur wird der Tee aus den blühenden Sprossspitzen zur Herz- und Kreislaufstärkung empfohlen. Frische Blüten und ganz junge, nach Mandeln schmeckende Blätter können Salaten beigegeben werden.
Die Früchte sind erntereif, wenn sie scharlachrot sind und mehlig-süß schmecken. Aufgrund ihrer mehligen Konsistenz werden sie mancherorts auch "Mehlfässchen" genannt. In Notzeiten dienten sie tatsächlich als Mehlersatz, die Kerne gemahlen als Kaffee-Ersatz. Ein Mus aus den Früchten galt früher als Stärkungsmittel. Sie weisen einen hohen Gehalt an Zucker und Vitamin C auf und wirken gegen Durchfall.
Auch in der Wildfrüchteküche lassen sich die "Mehlfässchen" einsetzen: interessante Desserts und Liköre, wegen ihres hohen Pektingehaltes auch wunderbar Marmeladen, Gelees und Kompotte, kombiniert mit Äpfeln, Holunder oder anderen Früchten. Für einen Herzlikör lassen sie 200 Gramm gewaschene, trocken getupfte Weißdornfrüchte mit 100 Gramm Kandis und 0,7 Liter Korn bei Zimmertemperatur mindestens fünf bis sechs Monate ziehen.
Die Weißdornfrüchte sehen denen des Mehlbeerbaumes (Sorbus aria) ähnlich, die sich aber wie Weißdorn verwerten lassen.
Beim Sammeln von Wildkräutern und -früchten denken sie bitte daran, für unsere heimischen Tiere etwas übrig zu lassen. Der Weißdorn steht auf der Hitliste der Futtersträucher, zum Beispiel für mehr als 30 heimische Vogelarten. Ein Grund mehr, ihn in den eigenen Garten zu pflanzen. Aber, setzen sie sich bitte niemals unter einen Weißdorn, denn dann bekommen Hexen Gewalt über sie - so ein alter Volksglaube.
Die Autorin ist als Landschaftsökologin Fachfrau für Wildpflanzen.
Weißdorn-Dessert
1 kg Weißdornfrüchte, 1 kg Äpfel, Apfelsaft, Zucker oder Honig, Amarettini-Plätzchen, Weißdornlikör oder einen anderen Likör
Gewaschene Weißdornfrüchte mit klein geschnittenen Äpfeln knapp mit Apfelsaft bedeckt aufsetzen und bei kleiner Flamme ca. eine Viertelstunde weich kochen. Masse durch ein Sieb passieren, abkühlen lassen. Schale mit grob zerstoßenen Amarettini-Plätzchen auslegen, mit Likör (oder auch Apfelsaft) beträufeln, mit Mus bestreichen. Darauf wieder eine Schicht zerstoßene Plätzchen geben und mit einer Schicht Mus bestreichen. Über Nacht an einen kühlen Platz stellen und mit Sahnehäubchen servieren. (mt)
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