Von der Sommersonnenwende bis in den Oktober hinein ist dieses faszinierende Schauspiel Abend für Abend mit immer neuen Blüten zu beobachten. Nicht umsonst heißt diese Pflanze "Nacht"-kerze. Die Blüten leuchten die ganze Nacht strahlend gelb. Vielleicht ist es dem ein oder anderen Nachtschwärmer, der dieses Schauspiel beobachtet, vergönnt, auf den seltenen "Nachtkerzenschwärmer" zu stoßen. Die Nachtkerze ist nämlich Futterpflanze der Raupen dieses Nachtfalters.
In der freien Natur wächst die Nachtkerze, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus Amerika eingeschleppt wurde, an trockenen Straßenrändern und Bahndämmen, auf Ödland und Schuttplätzen. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Blattrosette aus, im zweiten Jahr den Blütenstand. Wegen der Blütenpracht ist sie auch in zahlreichen Gärten zu finden.
Die Indianer haben die Heilkraft der Nachtkerze schon früh erkannt. Bei uns führte sie in dieser Hinsicht ein Schattendasein. In neuerer Zeit entdeckten Forscher jedoch einen erstaunlich hohen Anteil einer wertvollen Fettsäure (Gamma-Linolensäure) in den Samen. Das daraus gewonnene Nachtkerzenöl wird vornehmlich bei Hauterkrankungen (z. B. Neurodermitis) angewandt.
Auch waren es die Indianer, bei denen die zweijährige Pflanze schon auf dem Speiseplan stand. Die Blätter und Wurzeln wurden im ersten Jahr ihrer Entwicklung als Gemüse verarbeitet. Da die etwas bitteren Wurzeln eine rötliche Farbe aufweisen, wird die Nachtkerze mancherorts auch "Schinkenwurzel" genannt. Im Herbst oder Winter ausgegraben, lassen sie sich wie Schwarzwurzeln in der Küche verarbeiten. Ein Pfund dieser Wurzelnahrung soll mehr Kraft geben als ein Zentner Ochsenfleisch. So hieß es früher. Die sich im zweiten Jahr entwickelnden Blüten können als essbare Dekoration für Salate oder kandiert gegessen werden. Probieren Sie in Öl eingelegte Blütenknospen als Vorspeise! Die Samen werden im Herbst geerntet und wie Sesam in Gebäck verarbeitet.
Die Autorin ist als Landschaftsökologin Fachfrau für Wildpflanzen.
Schinkenwurzel-Salat
Die Nachtkerzenwurzeln säubern, schaben, gründlich waschen und in reichlich schwach gesalzenem Wasser weich kochen. In dünne Scheiben schneiden und mit Öl, Essig, Salz und Pfeffer anrichten. Der Wintersalat passt gut zu Rinderbraten. (mt)
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