Sinti werden im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts zu Bürgern der Stadt Minden
Mit dem Begriff "Zigeuner" sind seit Jahrhunderten Vorurteile verknüpft. Sinti und Roma gingen, von Ort zu Ort ziehend, als Handwerker, Händler, Musiker oder Schausteller ihrem Beruf nach. Zugleich existierte das Klischee, sie seien arbeitsscheu, feige und lebten vom Diebstahl und anderen Betrügereien.
Die Untersuchung der Geschichte der Sinti in Minden steckt noch in den Anfängen. Hierfür sind nicht nur lang gehegte Vorurteile ursächlich. Auch das Verhalten der Betroffenen selbst, die unter sich bleiben wollen und zugleich die eigene Geschichte verdrängen, behindert jede Untersuchung. Im Unterschied zur jüdischen Minderheit sind Mindener Sinti bisher nur in Ausnahmefällen bereit gewesen, ihre Kenntnisse als Zeitzeugen öffentlich zu machen. Deswegen werden in der Artikelserie Personennamen häufig anonymisiert mit Kürzel verwendet.
500 Personen zählen zur näheren Verwandtschaft
Der ehemalige Leiter des Mindener Kommunalarchivs Dr. Hans Nordsiek hat in seinem Buch "Die verdunkelte Stadt" 1995 erstmals auf bestehende Desiderate in der Stadtforschung hingewiesen. In den "Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins" war im Jahrgang 72/2000 dann erst mal der Beitrag "Verfolgung der Mindener Sinti durch das NS-Regime" erschienen. Das alte Material wurde hier ergänzt und korrigiert. Quellen waren Zeitzeugen, Wiedergutmachungs- und Polizeiakten im Staatsarchiv Detmold und im Mindener Kommunalarchiv sowie Berichte in der Lokalpresse. Allgemeine literarische Hinweise sind unter anderem den Arbeiten von Michael Zimmermann ("Verfolgt, vertrieben, vernichtet"), Karin Reemtsma ("Sinti und Roma") und Katharina Stengel ("Tradierte Feindbilder") entnommen.
In Minden begannen sich Sinti nach bisherigem Kenntnisstand im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts niederzulassen. Im Dezember 1969 berichtete das MT anlässlich der Beerdigung des Großfamilienoberhaupts Georg Marschall auf dem Nordfriedhof, dass der Verstorbene (geboren 18. Dezember 1885) bereits im Jahr 1900 nach Minden kam und hier sesshaft wurde. Seit 1919 lebte Marschall ununterbrochen in Minden. Er soll in seiner späteren Funktion als Klanoberhaupt die Vorschrift aufgehoben haben, dass nur Sinti aus verwandten Familien einander heiraten durften. Seitdem können auch Mitglieder aus dem ganzen 3000 Köpfe zählenden Klan leichter sesshaft werden.
In Minden begannen sich Sinti nach bisherigem Kenntnisstand im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts niederzulassen. Im Dezember 1969 berichtete das MT anlässlich der Beerdigung des Großfamilienoberhaupts Georg Marschall auf dem Nordfriedhof, dass der Verstorbene (geboren 18. Dezember 1885) bereits im Jahr 1900 nach Minden kam und hier sesshaft wurde. Seit 1919 lebte Marschall ununterbrochen in Minden. Er soll in seiner späteren Funktion als Klanoberhaupt die Vorschrift aufgehoben haben, dass nur Sinti aus verwandten Familien einander heiraten durften. Seitdem können auch Mitglieder aus dem ganzen 3000 Köpfe zählenden Klan leichter sesshaft werden.
Zur näheren Verwandtschaft von Marschall sollen nach MT-Angaben 500 Personen gezählt haben, aus der Großfamilie waren um 800 Mitglieder aus dem In- und Ausland zu der Trauerfeier für ihr Oberhaupt nach Minden gekommen sein.
Mindener Sinti lebten zunächst in der Fischer- und in der Oberen Altstadt. Im Einwohnermeldebuch der Stadt Minden von 1924 werden erstmalig die Sinti-Familien Laubinger (in der Oberstraße), Kreuz und Marschall (im Weingarten) genannt. Um eine genaue Zahl der in Minden lebenden Sinti hatte sich aus ideologischen Gründen vor allem die NS-Bürokratie bemüht. So ist laut NSDAP-Kreisleitung bekannt, dass 1942 in Minden 95 Sinti lebten.
Kristan Kossack aus Minden beschäftigt sich mit regionaler Zeitgeschichte (19. und 20. Jahrhundert) und hat diverse Veröffentlichungen verfasst (
www.zg-minden.de). Das Ende 2009 von der jüdischen Kultusgemeinde herausgegebene Buch "Spuren jüdischen Lebens" war unter seiner Mitwirkung entstanden.
stehenden Code hier ein*: