Mindener Oberst Wolfgang Pirner war vier Monate Kommandeur der deutschen KFOR-Soldaten
VON JAN HENNING ROGGE
Minden/Prizren (mt). Vier Monate war Oberst Wolfgang Pirner, Chef des Pionierregiments 100 in Minden, Kommandeur der deutschen Soldaten im Kosovo. In den vergangenen Wochen ist es im Norden des kleinen Balkanstaates wiederholt zu Unruhen gekommen. Nicht überraschend für den Oberst, der seit Ende Mai wieder in Deutschland ist.
Nördlich der Stadt Mitrovica ist alles anders als im Rest des Landes. Nur etwa 40 Kilometer von der Hauptstadt Pristina entfernt ist hier das eigentliche Mehrheitsverhältnis der Ethnien im Land umgekehrt, hauptsächlich Serben bewohnen diesen Landesteil, der an die Republik Serbien grenzt. Serbische Flaggen säumen die Straßen, Autos haben statt kosovarischer oft serbische Nummernschilder. Und immer wieder kommt es zu Straßenblockaden. Mit Lkw werden wichtige Handelsrouten blockiert, um so Forderungen oder Protesten mehr Gewicht zu verleihen. Ende Juli wurde ein kosovarischer Polizist bei gewaltsamen Auseinandersetzungen an der Grenze zwischen Kosovo und Serbien tödlich verletzt.
"Richtig überrascht, dass es dazu gekommen ist, darf eigentlich niemand sein", sagt Pirner. "Gerade im Norden ist die Gewaltbereitschaft hoch und die dort lebenden Kosovo-Serben wollen sich nicht im Kosovo integrieren."
Als einen Auslöser sieht er die Handelshemmnisse: "Das ist sehr unbefriedigend und die Spannungen sind weiß Gott noch nicht abgebaut. Es kommt jetzt sehr stark auf den begonnenen Dialog zwischen Belgrad und Pristina an." Man müsse die im Kosovo lebenden Serben davon überzeugen, dass es keinen Weg zurück gebe. "Aber das wird noch ein langer Prozess sein." Eine Lösung für dieses Problem könne Europa mit seinen offenen Grenzen sein.
"Die fehlende wirtschaftliche Entwicklung ist im Kosovo ein riesiges Problem", sagt Pirner. Gerade bei der jungen Bevölkerung, der Altersdurchschnitt liegt bei 25 Jahren, wächst die Unzufriedenheit. Er warnt vor sozialen Unruhen. "Wenn das nicht vorangeht, ist das in meinen Augen die größte Gefährdung einer friedlichen Zukunft im Kosovo."
Dabei ist die Situation nicht im ganzen Land so verfahren. Auf vielen Ebenen finden Dialoge statt. Das für Pirner beeindruckendste Erlebnis während seiner Zeit in Kosovo war die Moderation von Gesprächen, die erstmals wieder zwischen den religiösen Führern der orthodoxen Serben, Muslimen und Katholiken aber auch mit dem Bürgermeister von Prizren stattfanden. "Was wir als Selbstverständlichkeit werten würden, weil die ja alle dort ihren Bischofs- oder Amtssitz haben, das hat teilweise über Jahrzehnte nicht stattgefunden." Ein sehr positives Zeichen für die Menschen vor Ort. "Das ist ein auf Ausgleich und Versöhnung ausgerichtetes Signal. Und das war ein irres Erlebnis, da dabei sein zu dürfen."
Die Zeit als Kommandeur war Pirners zweiter Balkan-Einsatz. Bereits 2008 war er als "Military Assistent" des damaligen deutschen Kommandeurs Teil der KFOR (Kosovo Force). "Da habe ich bereits Erfahrungen gesammelt." In seiner Zeit als Kommandeur fiel der Ministerwechsel in Berlin, Thomas de Maizière wurde beim Antrittsbesuch in Kosovo von Oberst Pirner begrüßt.
Den Einsatz bezeichnet Pirner, der Ende nächster Woche vom Mindener Standort nach Köln wechselt (das MT berichtete), trotz der jüngsten Unruhen als Erfolgsgeschichte: "Dort ist es gelungen, ein Land und eine ganze Region in Europa zu stabilisieren. Es ist schade, dass das in Deutschland ein wenig untergeht. "
warum wird hier nicht erwähnt, dass Serbien 2 Milliarden Euro in terroristische Gruppierungen gezahlt hat, um dieses Nachbarland zu destabilisieren?
betim schrieb am 11.09.2011 14:15 Uhr
finde es immer lustig welche Wortschatz man bei Kosovo immer braucht, "weiterhin unruhig"... Nein, Kosovo ist ruhiger als England, Griechenland, Italien und Frankreich... oder NOrwegen...
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