Decani (mt). Wer durch das Tor tritt, besucht eine vergangene Zeit. In langen, schwarzen Gewändern bewegen sich die Mönche über den frisch gemähten Rasen, Ziegen meckern im Stall, eine einsame Glocke ruft zum Gebet. Doch vor dem Tor kontrollieren bewaffnete Soldaten die Besucher.
Das Bild schmeichelt den Augen: Eine satte grüne Wiese, ein kleines Bächlein plätschert durch die ordentlich gemähte Wiese. In deren Mitte erhebt sich ein Kirchlein, romanisch im Ursprung. Dem Stil nach könnte sie in Norditalien stehen. Doch sie steht in Kosovo, einem muslimischen Land. 27 Mönche bewohnen das Kloster Decani im Westen der Republik Kosovo.
Seit dem frühen Mittelalter leben Mönche im serbisch-orthodoxen Kloster. "Eine sehr aktive Gemeinschaft", wie Bruder Nifont sagt. Er ist 40 Jahre alt und lebt erst seit wenigen Jahren hier. Im Zentrum der Anlage steht die Kirche Christi Himmelfahrt, 1335 wurde sie fertiggestellt. Ringsherum stehen Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Damals wie heute versorgen sich die Mönche selbst: Sie backen ihr eigenes Brot, stellen Käse her, ziehen Gemüse und machen Honig. Sie malen Ikonen und schnitzen Kirchenmöbel. Was sie selbst nicht brauchen, verkaufen sie, um mit dem Geld die fehlenden Güter zu erwerben.
Die Soldaten gehen lieber auf Nummer sicher
Vor dem Tor befindet sich ein kleines modernes Gebäude, rundherum mit Fenstern versehen. Das Glas schimmert leicht grünlich, es ist kugelsicher. Davor steht ein italienischer Soldat. Er gehört zu den im Land stationierten KFOR-Truppen (Kosovo-Force). Er beobachtet genau, wer hereinkommt. Fotografien sind verboten.
2004 war es in Kosovo zu Ausschreitungen gekommen. Obwohl der Krieg zwischen Serben und Kosovo-Albanern bereits seit fünf Jahren beendet war, kam es zu Angriffen auf die serbische Minderheit. Sogar Klosteranlagen und Kirchen wurden zerstört. Das Erzengelkloster bei Prizren wurde zerstört, die serbisch-orthodoxe Kirche, erbaut 1306 brannte nieder. Sie wurde inzwischen wieder aufgebaut. Das Verhältnis der Ethnien hat sich entspannt. Doch die Soldaten gehen lieber auf Nummer sicher.
Bruder Nifont arbeitet im Kloster als Schreiner. Er hat einen langen Bart, trägt die typischen langen Gewänder eines serbisch-orthodoxen Mönchs. Seinen Weg zum Glauben fand er erst mit 30 Jahren. "Ich habe nach Antworten gesucht", erzählt er.
Damals lebte er in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Er wuchs im sozialistischen Jugoslawien auf, arbeitete später zehn Jahre als Journalist. Die Kriege auf dem Balkan und das "Schreckliche Regime" jener Zeit hatten ihn in eine Krise gestürzt, erzählt er. "Mit 35 Jahren wurde ich dann Mönch. Früher hatte ich nicht einmal gewusst, dass es so etwas gibt. "
Nur wenige Gläubige im Gottesdienst
Das Kloster ist umgeben von einer mittelalterlichen Mauer. Schon früher gab es hier Verteidigungsanlagen, sogar einen Wehrturm. Heute ist das Kloster von einer weiteren Mauer eingefasst. Es liegt am Fuße eines Berges, auf einer kleinen Anhöhe über einem Gebirgsfluss. Die Sonne ist fast hinter den Bergen verschwunden, beleuchtet nur noch das Westwerk der kleinen Klosterkirche. Hinunter zum Fluss leuchtet ein Scheinwerfer. Sein Kegel ist im Dämmerlicht kaum auszumachen. Später wird mit ihm der nahe Waldrand beleuchtet, ein weiterer Soldat ist daneben postiert.
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Es ist kurz vor 18 Uhr, als ein melodisches Klopfen die Ruhe im Kloster durchbricht. Ein Mönch mit einem Klangholz umrundet die Kirche und bereitet seine Brüder und die Gäste auf den bald beginnenden Gottesdienst vor. Ein paar Menschen sammeln sich vor der Kirche, viele serbisch-orthodoxe Gläubige gibt es hier nicht mehr, seit den Unruhen im Jahr 2004. Gleich werden die Mönche ihre Gesänge anstimmen, wie sie es hier seit Jahrhunderten tun.
Bruder Nifont erzählt, das er kürzlich die kosovarische Stadt Pec besucht hat. In seiner Mönchstracht. "Die Menschen waren sehr freundlich zu mir", sagt er, "ich habe mich wohlgefühlt. Jahrhunderte haben die Religionen in der Region im Frieden miteinander gelebt. Vielleicht ist das bald wieder so weit. Vielleicht müssen Soldaten den heiligen Ort bald nicht mehr bewachen.
Jan Henning Rogge, MT schrieb am 21.06.2011 16:38 Uhr
@ Alex: Die Bundesrepublik Deutschland hat die Republik Kosovo völkerrechtlich anerkannt. Demnach befindet sich das Kloster Decani in der Republik Kosovo.
Mit freundlichen Grüßen,
Jan Henning Rogge, Mindener Tageblatt
Alex schrieb am 21.06.2011 11:52 Uhr
Das Kloster Visoki Decani liegt nicht in der "Republik" Kosovo sondern in der Republik Serbien zu welcher die südserbische Provinz Kosovo ebenfalls dazugehört !! Falls Sie es nicht galuben können Sie ja gerne die UN danach fragen was die meinen.. Danke für Ihr Verständnis !
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Mit freundlichen Grüßen,
Jan Henning Rogge, Mindener Tageblatt