Mittwoch, 23.05.2012
iPad | MT-Blogs | MTMobil | Impressum | Kontakt | Sitemap | Newsletter

18.06.2011
Zu Besuch im Kloster Dečani
Christliche Mönche im muslimischen Kosovo
VON JAN HENNING ROGGE

Decani (mt). Wer durch das Tor tritt, besucht eine vergangene Zeit. In langen, schwarzen Gewändern bewegen sich die Mönche über den frisch gemähten Rasen, Ziegen meckern im Stall, eine einsame Glocke ruft zum Gebet. Doch vor dem Tor kontrollieren bewaffnete Soldaten die Besucher.

Die Klosterkirche | MT-Fotos: Jan Henning Rogge

Das Bild schmeichelt den Augen: Eine satte grüne Wiese, ein kleines Bächlein plätschert durch die ordentlich gemähte Wiese. In deren Mitte erhebt sich ein Kirchlein, romanisch im Ursprung. Dem Stil nach könnte sie in Norditalien stehen. Doch sie steht in Kosovo, einem muslimischen Land. 27 Mönche bewohnen das Kloster Decani im Westen der Republik Kosovo.

Seit dem frühen Mittelalter leben Mönche im serbisch-orthodoxen Kloster. "Eine sehr aktive Gemeinschaft", wie Bruder Nifont sagt. Er ist 40 Jahre alt und lebt erst seit wenigen Jahren hier. Im Zentrum der Anlage steht die Kirche Christi Himmelfahrt, 1335 wurde sie fertiggestellt. Ringsherum stehen Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Damals wie heute versorgen sich die Mönche selbst: Sie backen ihr eigenes Brot, stellen Käse her, ziehen Gemüse und machen Honig. Sie malen Ikonen und schnitzen Kirchenmöbel. Was sie selbst nicht brauchen, verkaufen sie, um mit dem Geld die fehlenden Güter zu erwerben.

Die Soldaten gehen lieber auf Nummer sicher

Leutnant Fabrizio Usala und Leutnant Francesco Civita auf Streife. Ihre Waffen tragen sie unter der Jacke.

Vor dem Tor befindet sich ein kleines modernes Gebäude, rundherum mit Fenstern versehen. Das Glas schimmert leicht grünlich, es ist kugelsicher. Davor steht ein italienischer Soldat. Er gehört zu den im Land stationierten KFOR-Truppen (Kosovo-Force). Er beobachtet genau, wer hereinkommt. Fotografien sind verboten.

2004 war es in Kosovo zu Ausschreitungen gekommen. Obwohl der Krieg zwischen Serben und Kosovo-Albanern bereits seit fünf Jahren beendet war, kam es zu Angriffen auf die serbische Minderheit. Sogar Klosteranlagen und Kirchen wurden zerstört. Das Erzengelkloster bei Prizren wurde zerstört, die serbisch-orthodoxe Kirche, erbaut 1306 brannte nieder. Sie wurde inzwischen wieder aufgebaut. Das Verhältnis der Ethnien hat sich entspannt. Doch die Soldaten gehen lieber auf Nummer sicher.

Bruder Nifont ist seit fünf Jahren Mönch. Zuvor war er Journalist.

Bruder Nifont arbeitet im Kloster als Schreiner. Er hat einen langen Bart, trägt die typischen langen Gewänder eines serbisch-orthodoxen Mönchs. Seinen Weg zum Glauben fand er erst mit 30 Jahren. "Ich habe nach Antworten gesucht", erzählt er.

Damals lebte er in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Er wuchs im sozialistischen Jugoslawien auf, arbeitete später zehn Jahre als Journalist. Die Kriege auf dem Balkan und das "Schreckliche Regime" jener Zeit hatten ihn in eine Krise gestürzt, erzählt er. "Mit 35 Jahren wurde ich dann Mönch. Früher hatte ich nicht einmal gewusst, dass es so etwas gibt. "

Nur wenige Gläubige im Gottesdienst

Ruf zum Gottesdienst per Klangholz.

Das Kloster ist umgeben von einer mittelalterlichen Mauer. Schon früher gab es hier Verteidigungsanlagen, sogar einen Wehrturm. Heute ist das Kloster von einer weiteren Mauer eingefasst. Es liegt am Fuße eines Berges, auf einer kleinen Anhöhe über einem Gebirgsfluss. Die Sonne ist fast hinter den Bergen verschwunden, beleuchtet nur noch das Westwerk der kleinen Klosterkirche. Hinunter zum Fluss leuchtet ein Scheinwerfer. Sein Kegel ist im Dämmerlicht kaum auszumachen. Später wird mit ihm der nahe Waldrand beleuchtet, ein weiterer Soldat ist daneben postiert.

Fotostrecke
 
Klicken Sie auf ein Foto, um die Fotostrecke zu starten (33 Fotos).

Es ist kurz vor 18 Uhr, als ein melodisches Klopfen die Ruhe im Kloster durchbricht. Ein Mönch mit einem Klangholz umrundet die Kirche und bereitet seine Brüder und die Gäste auf den bald beginnenden Gottesdienst vor. Ein paar Menschen sammeln sich vor der Kirche, viele serbisch-orthodoxe Gläubige gibt es hier nicht mehr, seit den Unruhen im Jahr 2004. Gleich werden die Mönche ihre Gesänge anstimmen, wie sie es hier seit Jahrhunderten tun.

Bruder Nifont erzählt, das er kürzlich die kosovarische Stadt Pec besucht hat. In seiner Mönchstracht. "Die Menschen waren sehr freundlich zu mir", sagt er, "ich habe mich wohlgefühlt. Jahrhunderte haben die Religionen in der Region im Frieden miteinander gelebt. Vielleicht ist das bald wieder so weit. Vielleicht müssen Soldaten den heiligen Ort bald nicht mehr bewachen.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 18.06.2011 um 13:04:09 Uhr
Letzte Änderung am 18.06.2011 um 13:07:13 Uhr

Texte und Fotos aus MT-Online sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Diesen Artikel in Netzwerken veröffentlichen:



Kommentare
@ Alex: Die Bundesrepublik Deutschland hat die Republik Kosovo völkerrechtlich anerkannt. Demnach befindet sich das Kloster Decani in der Republik Kosovo.

Mit freundlichen Grüßen,

Jan Henning Rogge, Mindener Tageblatt

Das Kloster Visoki Decani liegt nicht in der "Republik" Kosovo sondern in der Republik Serbien zu welcher die südserbische Provinz Kosovo ebenfalls dazugehört !! Falls Sie es nicht galuben können Sie ja gerne die UN danach fragen was die meinen.. Danke für Ihr Verständnis !


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder




´

Anzeige

TopNews
Neues Rathaus: Teileigentümer fordern Verkauf
Das erklärte die Vertreterin der Teileigentümer, Rechtsanwältin Susan Becker, gegenüber dem MT. Der Rat habe bereits vor geraumer Zeit beschlossen... mehr


Letzte Meldungen aus der Region
Radarkontrollen der Polizei
Minden (mt). Die Polizei NRW will für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen, deswegen werden vorgesehene Geschwindigkeitsmessungen vorab bekannt... mehr

Bünde/Bad Oeynhausem/A30: 51-Jähriger aus Bad Oeynhausen bei schwerem Unfall getötet
Bünde (ar/clu). Auf der Autobahn 30 bei Bünde wurde am Dienstagabend ein 51-jähriger Mann aus Bad Oeynhausen bei einem Unfall getötet. Er war mit... mehr

Porta Westfalica: Weserfähre Amanda schwimmt wieder
Porta Westfalica (G.S.). Pünktlich zu Pfingsten können Ausflügler bei Costedt die Weser nach Rehme auf der Fähre "Amanda" überqueren. Dienstagabend... mehr

Bad Oeynhausen: Vier Verletzte bei Zusammenstoß - Polo überschlägt sich
Bad Oeynhausen (mt/jhr). Bei einem Verkehrsunfall auf der Eidinghausener Straße in Bad Oeynhausener sind am Dienstagabend vier Menschen verletzt... mehr




Meistgeklickt

Bünde/Bad Oeynhausem/A30: 51-Jähriger aus Bad Oeynhausen bei schwerem Unfall getötet
Bünde (ar/clu). Auf der Autobahn 30 bei Bünde wurde am Dienstagabend ein 51-jähriger Mann aus Bad Oeynhausen bei einem Unfall getötet. Er war mit... mehr

Schumacher hofft auf Monaco-Glückssträhne
Monte Carlo - In der Zocker-Hochburg Monte Carlo hofft Michael Schumacher endlich auf eine Glückssträhne. Nach dem statistisch schlechtesten... mehr

Bad Oeynhausen: Feuer zerstört alte Druckerei
Bad Oeynhausen (mt/jhr).  Bei einem Feuer in Bad Oeynhausen ist am Dienstagabend Sachschaden in Höhe von rund 250.000 Euro entstanden. Bei den... mehr

Bad Oeynhausen: Vier Verletzte bei Zusammenstoß - Polo überschlägt sich
Bad Oeynhausen (mt/jhr). Bei einem Verkehrsunfall auf der Eidinghausener Straße in Bad Oeynhausener sind am Dienstagabend vier Menschen verletzt... mehr

Neues Rathaus: Teileigentümer fordern Verkauf
Das erklärte die Vertreterin der Teileigentümer, Rechtsanwältin Susan Becker, gegenüber dem MT. Der Rat habe bereits vor geraumer Zeit beschlossen... mehr

Zwei Verletzte und Millionenschaden



Hubwagenfahrer Sven Schubert rettet Mann von brennendem Haus



Mit dem VIP-Ticket geht es ab nach Berlin



Mehrere Rollstuhlfahrer von Feuer bedroht



Dreimal runter, dreimal wieder hoch



Politiker verschieben Schulstandortdiskussion
mit 43 Kommentaren

Nach dem Ratsbeschluss aus dem Jahr 2010 sind für die Stadt Porta Westfalica langfristig nur noch vier Schulen vorgesehen. Weiter sieht der Beschluss... mehr

Ausweisprobleme: Ein Friseurbesuch mit ungeahnten Folgen
mit 33 Kommentaren

Tobias Kahnert nennt das "Willkür", Helmut Kruse, Leiter des Bürgerbüros verbittet sich diese Anschuldigung: "Wir müssen immer ein aktuelles Foto... mehr

Begehren zur Klinikumsbrache gescheitert
mit 24 Kommentaren

Gestern zogen im Bürgerbüro der Grünen in der Brüderstraße die Initiatoren Bilanz ihrer sechswöchigen Unterschriftensammlung. Mit ihr wollten sie... mehr

Unglaublich: Notaufnahme im Johannes-Wesling-Klinikum - ein Notfall für sich
mit 21 Kommentaren

Immer den roten Punkten auf dem Fußboden folgend, sind "das" Blutflecken? Nein, sie führen den heimischen Wanderfreund symbolträchtig in die... mehr

Minden-Lübbecke: Vatertag im Mühlenkreis verläuft überwiegend friedlich
mit 18 Kommentaren

Minden-Lübbecke (mt/cst).  Weitesgehend ruhig verlief am Donnerstag der Vatertag im Mühlenkreis. An allen Veranstaltungsorten sei es insgesamt... mehr


Fotostrecken
Bünde: Tödlicher Unfall auf der A 30
Bünde: Tödlicher Unfall auf der A 30
RW Maaslingens Kader - aus Sicht des Kapitäns Karsten Schröder
RW Maaslingens Kader - aus Sicht des Kapitäns Karsten Schröder
Original New-York-City-Police-Auto in Minden
Original New-York-City-Police-Auto in Minden
SV Hausberge steigt in die Bezirksliga auf
SV Hausberge steigt in die Bezirksliga auf