Mit dem Umbau an der Ritterstraße beginnt auch das Feilen am Sammlungskonzept / Profil des Hauses schärfen
"Kommende Woche geht es hoffentlich los", sagt Koch, der mit Blick auf die Mittel aus dem Konjunkturpaket II, die bis Ende 2011 abgerechnet sein müssen, Zeitdruck verspürt. Der erste Schritt im Museum seien Abbrucharbeiten. In einigen Räumen müssen Fußbodenbeläge entfernt, Türen und teilweise Wände herausgenommen werden, weil einige Räume neue Verbindungswege erhalten. "Die Raumstruktur wird sich aber nicht wesentlich verändern", erläutert Tüting.
Größere Abbrucharbeiten seien nur noch in dem Raum zu erledigen, in dem bis zur Schließung das Thema "Schlacht bei Minden" untergebracht war. Dort waren Vitrinen fest eingebaut, auf denen die Decke gelagert war. "Da haben sich unsere Techniker nicht herangetraut", berichtet Tüting. Parallel zu den Abbrucharbeiten soll allerdings bereits auch mit den Rohbauarbeiten begonnen werden. Der Bau des neuen Techniktraktes im Hof des Museums solle dann als nächster Schritt folgen, gibt Koch Einblick in den Zeitplan.
Für Tüting und Koch bedeutet der Beginn der Bauarbeiten allerdings keine süße Zeit des Müßiggangs. Neben der Neukonzeption der Dauerausstellung nehmen beide die bestehende Sammlung des Museums genauer unter die Lupe. Tütings Arbeitsplatz ist darum zurzeit vor allem das Magazin, in das im April alle Exponate aus dem Museum ausgelagert worden sind. Dort lagerten bereits auch eine Vielzahl von Objekten, die nicht in der Ausstellung zu sehen waren. Darum muss nun vor allem gründlich sortiert werden.
Weil Magazinplatz teuer ist, wird in den kommenden Monaten jedes Stück auf Herz und Nieren geprüft. "Der Deutsche Museumsbund hat im April einen Band über das Sammeln in Museen herausgegeben", berichtet Koch. Das sei eine wertvolle Hilfestellung für das Mindener Museum. Gemeinsam mit Tüting will er ein Konzept für die künftige Sammlung aufstellen und damit das Profil des Museums schärfen. "In unserer Sammlung gibt es sicherlich Stücke, die gar nicht zu uns passen", sagt Koch. "Das Mindener Museum war immer ein Gemischtwarenladen".
Repro-Kamera leihweise nach Auetal gegeben
Als Beispiel nennt er die Repro-Kamera, ein großes Exponat, das in Leipzig hergestellt wurde, einem Bielefelder Fotografen gehörte und dringend restauriert werden müsse. Dieses Stück habe keinen Bezug zum ehemaligen Fürstentum Minden. Darum hat das Haus das Exponat als Dauerleihgabe an den Heimatverein Auetal gegeben, der sich auf fotografische Geräte spezialisiert hat.
Im Museum lagerten beispielsweise auch die alten Schulkarten aus der Heideschule. "Diese Karten waren ein Massenprodukt", erläutert Koch. Da stelle sich die Frage, ob es sinnvoll sei, die für das Mindener Museum zu bewahren und zu pflegen oder ob es nicht sinnvoller sei, sie nach Dortmund zu geben, wo ein Spezialmuseum für Schulgeschichte existiere.
"Es geht nicht darum, Exponate zu verkaufen oder zu entsorgen", betont der Historiker. Aber in einigen Fällen sei es sinnvoller, Objekte an spezialisiertere Museen etwa als Dauerleihgabe weiterzugeben, bevor sie im Magazin langsam verrotteten. Dort lauern Gefahren wie schwankende Temperaturen oder Ungeziefer. "Wie viele Spinnräder braucht das Mindener Museum", fragt sich Koch. Das Haus habe rund 20 davon. Da müsse geschaut werden, ob sie baugleich seien, das gleiche Alter hätten und die Frage beantwortet werden, wie viele sein müssen. "Spinnräder sind eher ein klassisches Exponat für Heimatstuben", ergänzt Tüting. Bei der künftigen Aufnahme von Objekten werde es immer darum gehen, wie gut seine Herkunft dokumentiert sei, wie der Erhaltungszustand sei und ob es sich in das Sammlungskonzept des Hauses einfüge.
Das große Ausräumen im Museum ist abgeschlossen. Jetzt beginnt das große Aufräumen. Das Mindener Museum müsse sich auf seine Kernaufgabe als stadtgeschichtliches Museum besinnen.
stehenden Code hier ein*: