Leihgaben des Museums in der Mittelalter-Ausstellung des Archäologie-Museums in Herne um Mord an Kölner Bischof
"Dass organisches Material die Jahrhunderte überdauert, ist ausgesprochen selten", sagt Marion Tüting, stellvertretende Leiterin des Mindener Museums, das für die anstehende Sanierung komplett leergeräumt wurde. Umso überraschender sei gewesen, dass Archäologen bei einer großen Ausgrabung in der Bäckerstraße 1973 auf drei recht gut erhaltene Schuhe (allerdings alles Einzelexemplare) aus dem 13. Jahrhundert stießen. Sie hätten zusammen mit Lederresten und Sohlenteilen in zwei Gruben gelegen, berichtet Tüting aus der Dokumentation zu diesen Funden. Deshalb hätten die Archäologen vermutet, dass sich in jener Zeit im Bereich des Hinterhauses eine Schusterwerkstatt befunden haben muss.
Merkwürdig sei allerdings, dass auf dieser Seite der Bäckerstraße im Mittelalter eher die Häuser der reichen Patrizier gestanden hätten, weist die Museumsfrau auf ein noch ungeklärtes Rätsel. Dass sich ein reicher Kaufmann eine mit Lärm und Gestank verbundene Werkstatt in seinen Hinterhof geholt habe, sei eher ungewöhnlich.
Die Gruben, in denen die Schuhe gefunden worden, waren allerdings typisch für das Mittelalter. Leder zählte zu den kostbaren Rohstoffen. Schuhe konnte sich längst nicht jeder leisten. Die wenig strapazierfähigen Modelle wurden auf den schlechten Straßen schnell verschlissen. Solche Exemplare landeten in Gruben, in denen das Altleder eingeweicht wurde, um anschließend leichter noch brauchbares Material herausschneiden zu können. Die Feuchtigkeit in den Gruben ist der Grund dafür, warum der Halbschuh und die beiden Stiefel mehr als sieben Jahrhunderte erhalten blieben.
Alle drei Exemplare seien von relativ geringer Größe und darum wohl eher von Kindern oder Frauen getragen worden, hat Tüting von den Experten des Archäologie-Museums in Herne erfahren. Der Knöpfstiefel entspreche heute der Größe 29. "Das war ein klassischer Kinderschuh, weil er sich sehr leicht schließen ließ, ähnlich wie heute Schuhe mit Klettverschlüssen, haben mir die Kollegen verraten", berichtet Tüting.
Alle drei Exemplare haben eine Sohle aus Rindsleder und keinen Absatz. Der Oberschuh wurde aus Ziegenleder gefertigt. Der Halbschuh, der zum Typ des niederen Bundschuhs gehört, hat auf dem Rist einen V-förmigen Ausschnitt und wurde mit einem schmalen Knöchelriemen geschlossen. Der zweite Stiefel ist in der Machart dem Halbschuh sehr ähnlich, der Schaft ist weit und vorne geöffnet. Dieser Schuhtyp sei zwischen dem zehnten und dreizehnten Jahrhundert im gesamten europäischen Raum verbreitet gewesen, im Spätmittelalter dann aber nur noch im nordeuropäischen Rau zu finden, erläutert Tüting. Dem Knöpfstiefel ähnliche Exemplare seien zwischen Breslau, London und Konstanz gefunden worden.
Ausstellung handelt von einem Mord im Jahr 1225
Die Herner Ausstellung "Aufruhr 1225" berichtet von dem Mord an dem Kölner Erzbischof Engelbert I. Er war am 7. November 1225 in einem Hohlweg nahe Gevelsberg von Ministerialen des Grafen Friedrich von Isenberg erschlagen worden. Engelberts Biograf, der Zisterzienser-Mönch Caesarius von Heisterbach, sorgte dafür, dass die Tat nicht in Vergessenheit geriet. Sie ist Anlass das Leben im Mittealter in vielen Facetten zu beleuchten. Die Schuhe sind in den Kapiteln über Reisen im Mittelalter, Stadt und Handel sowie Leben auf der Burg zu sehen. Prunkstück der Ausstellung ist der goldene Cappenberger Barbrossakopf.
Bis 28. November, LWL-Museum für Archäologie, Herne, Europaplatz 1, Di, Mi + Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr, Sa + So 11-18 Uhr.
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