Der Rundgang beginnt im Keller: Dort steht ein Mini-Blockheizkraftwerk (BHKW) - ein "Dachs". Stark vereinfach kann man sich so ein Mini-BHKW als einen Gasmotor vorstellen, an den ein Stromgenerator gekoppelt ist. Die Technik ist in einem kompakten und schallgedämpften Gehäuse versteckt. "Ein solches BHKW erzeugt aus normalem Energieeinsatz rund ein Drittel Strom und zwei Drittel Wärme", erklärt Wolfgang Panthenius. "Es hat folglich nur einen unwesentlichen Verlust. Wobei die Wärme kostenlos ist, denn das BHKW ist zum Stromerzeugen gebaut. "Darum ist zum Beispiel in Dänemark die Mehrheit der Privathäuser damit ausgestattet. Ich spare soviel CO2 ein, als hätte ich in meinem Garten 3000 Bäume gepflanzt." Weil er zwei ältere Häuser an der Hahler Straße besitzt - eines von 1928, das andere von 1964 - hat er auch zwei "Dachse" einbauen lassen.
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So technisch und ökolgisch interessant die gemeinsame Produktion von Strom und Wärme auch ist, kann sie doch nicht grundsätzlich für alle Eigenheime empfohlen werden, sagen Energieexperten. Insbesondere für Neubauten mit geringen Wärmebedarf seien möglicherweise Wärmepumpen mit Fußbodenheizung, Gasthermen mit zusätzlicher Solarnutzung oder auch Pelletheizungen eine günstigere Alternative.
Richtig interessant wird es auf dem (nach Süden ausgerichteten) Balkon. Dort steht ein Gerät, das Dr. Panthenius selbst entwickelt hat: Marke Eigenbau. Dieser Kasten sieht ziemlich unspektakulär aus, ist aber in der Lage, die Wasseranteile aus der Röntgen-Chemie, die in der Zahnarztpraxis anfällt - also Entwickler und Fixierer - , zu entfernen. Und zwar ganz einfach - mit Sonnenkraft. Das funktioniert so: Panthenius füllt die alte Entwickler- und Fixierer-Flüssigkeit durch getrennte Einfüllstutzen in zwei Metallbecken. Das Gerät steht an einer sonnigen Stelle des Balkons. "Also heizt die Sonne das Metall und die Lösungen in den Becken auf", erklärt er. Kondenswasser schlägt sich am Plexiglas nieder. Durch das innen über der Chemikalienlösung angebrachte Winkelprofil können die Kondenstropfen jedoch nicht in die Lösung zurück, sondern fließen über den Auslauf ins Abwasser.
Was übrig bleibt, ist eine graue silberhaltige Salzkruste, die sich am Boden absetzt. So wird die Röntgenchemie ohne elektrische Energie (!) deutlich dezimiert. "Das funktioniert schon seit 15 Jahren sehr gut", sagt Panthenius. Während dieser Zeit seien zwölf Kilogramm Salz zusammengekommen.
Gebrauchtes Fixierbad enthält gelöste Silbersalze. Diese würden in der Kläranlage für ein Massensterben unter den Bakterien sorgen. Daher darf es nicht über die Kanalisation entsorgt werden. Stattdessen gewinnt ein Fachbetrieb die Silberanteile daraus. Zahnarzt Panthenius ist also auf seinem Balkon Hobbylaborant, wenn man so will. Seine Doktorarbeit an der Universität Kiel hat er zum Thema "Rückstände aus der zahnärztlichen Praxis" verfasst. Argumente wie "Das haben wir ja noch nie so gemacht!", lässt er nicht gelten: "Das sollte eine antiquierte Aussage sein und bleiben." Wo immer es geht, versucht er, als Zahnarzt auch "Endentsorger" zu sein: "Der Praxismüll-Tourismus kann dadurch beendet werden." Benzin wird gespart, Desinfektions-Chemie wird gespart, Sondermülldeponieraum wird gespart.
Und das Wort Sparen wird privat und beruflich groß geschrieben: "Wenn man so schottisch denkt wie ich, kommt man ganz von alleine zum Umweltschutz", sagt Wolfgang Panthenius. Diese Philosophie erkennt man auch an den Details: Statt der herkömmlichen Einweg-Plastikmundspülbecher bekommen seine Patienten stabile Becher aus Melamin vorgesetzt (Melamin ist der Markenname für einen Kunststoff aus der Gruppe der Duroplaste). Diese würden erst in der Spülmaschine gereinigt, dann desinfiziert und wiederverwendet, berichtet Panthenius. Das alles trägt dazu bei, dass für seine zwei Häuser samt Zahnarztpraxis nicht mehr als 120 Liter Restmüll anfallen. Um unnötige Wege zu sparen, wird alles - vom Kittel bis zum Praxishandtuch - im eigenen Betrieb gewaschen. Über die Jahre hat der Arzt viele solcher Umwelttipps gesammelt.
Wer mehr erfahren möchte, kann sich das 23-seitige PDF-Dokument aus dem Internet herunterladen: www.panthenius.de/main/STATT-Report.pdf
