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02.12.2011
"Einkaufszentren Fremdkörper in Städten"
Aktionskreis Historische Innenstadt kritisiert Studie von Professor Lademann / ECE-Planung erneut abgelehnt

Minden (mt/um). Kritik an der Studie von Professor Lademann "Einkaufzentren werten 1a-Geschäftslagen auf" (das MT berichtete) übt der Aktionskreis Historische Kulturstadt Minden.

Ein Einkaufszentrum in Magdeburg. | Symbolfoto: dpa-Archiv

Unter welchen Bedingungen ein Einkaufszentrum (EKZ) zum allgemeinen Nutzen integriert werden könne, sei einer Studie des Deutschen Institutes für Urbanistik (DIFU) zu entnehmen, an der auch die Stadt beteiligt gewesen sei, heißt es. Abgesehen davon, dass Einkaufszentren in historischen Städten Fremdkörper seien, könnten sie fatale Folgen für den übrigen Einzelhandel haben, wenn sie falsch platziert seien, ist der Aktionskreis überzeugt. Es seien dann zuerst die inhabergeführten Geschäfte, die aufgeben müssten. Vielfach verödeten frühere Geschäftstraßen gänzlich. "All das ist bekannt und wissenschaftlich belegt und in den Nachbarstädten Hameln und Bad Oeynhausen zu studieren", erklärt der Aktionskreis.

Die Aussage von Lademann müsse auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, dass er als Honorarprofessor an der Uni in Göttingen zwar "wettbewerbsökonomische" Studien anfertigen lasse, hauptsächlich aber er in Hamburg eine Beratungsgesellschaft für Wettbewerbsforschung und Entwicklung von Marketing-Strategien betreibe. Das führt den Aktionskreis zu dem Schluss, dass er Innenstädte aus diesem eingeengten Blickwinkel betrachtet und wichtige urbane Faktoren unberücksichtigt lasse.

"Private Stadt in der Stadt"

Info
Mehr Informationen finden Sie im Blickpunkt "Innenstadt-Entwicklung".

Unter dem Titel "Analyse nicht qualifiziert" habe das MT berichtete, wie die Experten des DIFU die Lademann-Studie sehen, führt der Aktionskreis weiter aus. Er stimme weitgehend mit der kritischen Einschätzung des DIFU überein. Was jedoch Minden anbelange, lohne es kaum, sich mit dem Lademann-Papier weiter zu befassen. Seit Abschluss der Entwicklungsvereinbarung mit dem Hamburger Projektentwickler und Investor ECE würden die Regeln der ECE gelten. So solle am Wesertor ein großes Einkaufszentrum entstehen. Es werde quasi eine private Stadt in der Stadt gebaut, mit geringen Ansprüchen an Architektur und Stadtgestaltung, aber mit hoher Aufenthaltsqualität, erläutert der Arbeitskreis. Dann werde die untere Bäckerstraße zwar wieder zur 1a-Lage, die obere Bäckerstraße und der Scharn würden jedoch keine 1a-Lagen mehr sein. Markt und Obermarkt würden gar bedeutungslos, kritisiert der Aktionskreis.

Der Kreis sieht in den Vorgaben der ECE "gravierende Nachteile" und beklagt, dass der Rat der Stadt dieser Entwicklung mehrheitlich zugestimmt hat. Die Planungen der ECE bezeichnet der Arbeitskreis als "städtbauliches Monstrum". Er spricht sich für eine Wiederbelebung des Kaufhauses oder ein deutlich kleineres Einkaufszentrum aus.

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 01.12.2011 um 21:26:37 Uhr
Letzte Änderung am 01.12.2011 um 21:51:20 Uhr

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Kommentare
Die Ansiedlung eines innerstädtischen Einkaufszentrums ist eine Maßnahme unter ggf. weiteren Möglichkeiten, die Sogkraft einer City als dem zentralen Mittelpunkt von Stadt und Region weiterzuentwickeln. Das Buch verdeutlicht auch, dass dies in der Regel in den vergangenen Jahrzehnten gut gelungen ist. Dass die städtebauliche Katastrophe die Ausnahme und der Erfolg die Regel ist, verschweigt der Aktionskreis geflissentlich, was dem informierten Leser den Gedanken nahelegt, dass das Buch allenfalls oberflächlich 'gelesen' wurde. Wohl deshalb meint der Aktionskreis sich auf die Difu-Studie berufen zu können, wonach mit Centeransiedlungen auch Risiken verbunden sind. Solange sich der Aktionskreis auf diese wenig überraschende Erkenntnis beruft, wird er kaum zur Weiterentwicklung des Einzelhandelsstandorts Minden und zur Einkaufszufriedenheit der Bürger beitragen. Meine Studie zeigt, dass die meisten Städte bei ihren Ansiedlungen erfolgreich waren, eine Garantie gibt es indes nicht. Sicher ist nur, dass durch Nichtstun Stillstand und städtebaulicher Niedergang riskiert wird.

@maaslinger Gerne soll und muß etwas am Wesertor entstehen. Nur nicht eine neue Ertragsperle für die ECE sondern ein integriertes Innenstadtkonzept. Mit einem Projektentwickler der auch andere Immobilien hält. So wäre es z.B. gut, wenn der Entwickler vom Wesertor auch für die Wehmeyer Immobilie und die Obermarktpassage zuständig wäre... denn dann besteht Interesse, das "dazwischen" lebendig zu halten. Gut gemacht in Dülmen: Link unterdrückt

Wenn ich es genau betrachte, ist die Zielrichtung doch klar: Als Karstadt noch existierte und das Obermarktzentrum mit Geschäften besiedelt war, ist doch in Minden der Rest der Händler auch klar gekommen. (einer mehr, adere weniger).
Jetzt wird gemault. bloß kein Projekt am Wesertor.

Klar. Alles wegreißen und einen rieseigen Komplex bauen. das dürfte nicht genehmigt werden. Aber das vorhandene wiederbeleben und verbessern, das muß doch drin sein!!
Denn so wie es jetzt ist, geht es nicht lange weiter.

Mit der Stiftung "Lebendige Stadt" engagiert sich das Unternehmen ECE gemeinnützig für die europäischen Städte. Stiftungsrat und Kuratorium gehören namhafte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft an. Vorsitzender des Kuratoriums ist Alexander Otto (Geschäftsführungsvorsitzender ECE Projektmanagement). Dem geschäftsführenden Vorstand gehören Andreas Mattner (Geschäftsführer ECE), Michael Batz (Lichtkünstler), Friederike Beyer (Beyer und Partner GbR), Robert Heinemann (Kommunikation ECE), der Stadtplanungs-Professor Dittmar Machule, der ehemalige Stadtentwicklungs-Staatsrat Gerhard Fuchs, der ehemaliger Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma sowie André Poitiers (Architekt) an. Für sein langjähriges Engagement auf Seiten der Stiftung für die Städte wurde von Alexander Otto am 30.03.2011 Herr Prof. Dr. Rainer Lademann(Geschäftsführer Dr. Lademann & Partner) mit der "Silbernen Stiftungsnadel" geehrt. Der Stiftungssitz in Hamburg ist im Verwaltungssitz der ECE untergebracht. Nur die Straßennamen sind verschieden, da es sich um ein Eckgebäude handelt...

Die Bürgerinnen und Bürger haben bereits mit ihrer Geldbörse abgestimmt.
Wenn nicht bald gegengesteuert wird, verödet nicht nur die Innenstadt.



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