Aktionskreis Historische Innenstadt kritisiert Studie von Professor Lademann / ECE-Planung erneut abgelehnt
Unter welchen Bedingungen ein Einkaufszentrum (EKZ) zum allgemeinen Nutzen integriert werden könne, sei einer Studie des Deutschen Institutes für Urbanistik (DIFU) zu entnehmen, an der auch die Stadt beteiligt gewesen sei, heißt es. Abgesehen davon, dass Einkaufszentren in historischen Städten Fremdkörper seien, könnten sie fatale Folgen für den übrigen Einzelhandel haben, wenn sie falsch platziert seien, ist der Aktionskreis überzeugt. Es seien dann zuerst die inhabergeführten Geschäfte, die aufgeben müssten. Vielfach verödeten frühere Geschäftstraßen gänzlich. "All das ist bekannt und wissenschaftlich belegt und in den Nachbarstädten Hameln und Bad Oeynhausen zu studieren", erklärt der Aktionskreis.
Die Aussage von Lademann müsse auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, dass er als Honorarprofessor an der Uni in Göttingen zwar "wettbewerbsökonomische" Studien anfertigen lasse, hauptsächlich aber er in Hamburg eine Beratungsgesellschaft für Wettbewerbsforschung und Entwicklung von Marketing-Strategien betreibe. Das führt den Aktionskreis zu dem Schluss, dass er Innenstädte aus diesem eingeengten Blickwinkel betrachtet und wichtige urbane Faktoren unberücksichtigt lasse.
"Private Stadt in der Stadt"
Unter dem Titel "Analyse nicht qualifiziert" habe das MT berichtete, wie die Experten des DIFU die Lademann-Studie sehen, führt der Aktionskreis weiter aus. Er stimme weitgehend mit der kritischen Einschätzung des DIFU überein. Was jedoch Minden anbelange, lohne es kaum, sich mit dem Lademann-Papier weiter zu befassen. Seit Abschluss der Entwicklungsvereinbarung mit dem Hamburger Projektentwickler und Investor ECE würden die Regeln der ECE gelten. So solle am Wesertor ein großes Einkaufszentrum entstehen. Es werde quasi eine private Stadt in der Stadt gebaut, mit geringen Ansprüchen an Architektur und Stadtgestaltung, aber mit hoher Aufenthaltsqualität, erläutert der Arbeitskreis. Dann werde die untere Bäckerstraße zwar wieder zur 1a-Lage, die obere Bäckerstraße und der Scharn würden jedoch keine 1a-Lagen mehr sein. Markt und Obermarkt würden gar bedeutungslos, kritisiert der Aktionskreis.
Der Kreis sieht in den Vorgaben der ECE "gravierende Nachteile" und beklagt, dass der Rat der Stadt dieser Entwicklung mehrheitlich zugestimmt hat. Die Planungen der ECE bezeichnet der Arbeitskreis als "städtbauliches Monstrum". Er spricht sich für eine Wiederbelebung des Kaufhauses oder ein deutlich kleineres Einkaufszentrum aus.