Das Musikzimmer der Lakomeks ist durch Felix´ Flügel fast ausgefüllt. Daneben finden noch Antonias Kontrabass, zwei Lautsprecherboxen, ein Mikrofon mit Stativ, Mischpult und ein Computer Platz. Doch jetzt wird nicht musiziert. Heute wird interviewt. Mechthild Lakomek, kommt mit dem Kaffee für den Gast. Aha, die große Schwester. "Ich bin die Mutter der beiden", sagt sie und ergänzt mit Blick auf das Kaffeetablett: "Das darf nicht auf den Flügel, da ist Felix ganz eigen." Die Gerätschaften finden noch Platz auf dem Computertischchen im Eck.
"Ja, ein Instrument ist eben kein einfacher Gegenstand. Dazu entwickelt man eine ganz besondere Beziehung", sagt der 17-Jährige ernsthaft. Das Musizieren liegt nicht einfach so in der Familie. Wohl aber die Freude an der Musik. "Meine Eltern haben uns oft in Jazzkonzerte mitgenommen", berichtet Felix mit strahlenden Augen. "Und schon bald war mir klar, solche Musik wollte ich auch machen."
Antonia, 15 Jahre jung und 167 Zentimeter groß, stimmt ihm zu. Ihr sei es ganz ähnlich gegangen. Während aber ihr Bruder Klavier spielen wollte, hat sie sich für das größte Streichinstrument eines Orchesters entschieden, den Kontrabass. Seit dem Alter von zehn Jahren nimmt sie Unterricht bei Andreas Müller, zunächst auf einem Viertel-, dann auch einem "halben" Kontrabass. Inzwischen ist sie bei einem Dreiviertel-Kontrabass angekommen. "Frauen bleiben meist bei einem Dreiviertelbass. Klanglich macht das nicht viel aus. Es gibt auch Männer, die keinen größeren spielen", erläutert Felix.
"Zu zweit können wir am kreativsten sein"
Er lernt seit elf Jahren Klavierspiel und Gesang, zunächst ein Dreivierteljahr bei Wiebke Müller, um die Wartezeit auf seinen eigentlichen Wunschlehrer, Pit Witt, zu überbrücken. Über ihn ist er des Lobes voll. Weil er ihn nicht in eine bestimmte Richtung dränge, sondern mit ihm gemeinsam Stücke entwickele, die den jungen Musiker interessieren.
Welche Art musikalischer Ausbildung Felix denn habe? Eine klassische? "Nein, zumindest keine abgeschlossene, oder was man so nennen könnte", überlegt dieser. "Sicher, angefangen hat alles mit klassischer Ausbildung, aber vieles ist übergreifend, vieles aus der Klassik findet sich im Jazz wieder."
Er arrangiert und komponiert auch. Bei der Kulturstiftung der Sparkasse Minden-Lübbecke hat er im Mai ein Stipendium in den Fächern Jazzpiano und -gesang gewonnen. Das bedeutet zwei Jahre lang Zuschuss für seinen Musikunterricht und zwei Konzerte mit dem Sinfonieorchester Lübbecke.
Die Geschwister verstehen sich gut. "Es ist sehr komfortabel, eine Bassistin im Hause zu haben", meint er kumpelhaft. Auch Antonia findet im Gegenzug "den eigenen Pianisten" praktisch. "Er hat mich viel gefördert", meint sie anerkennend. "Der Kontrabass ist ja eher doch kein Solo-Instrument. Da ist es ungeheuer praktisch, dass wir hier gleich zusammen spielen können." Beide sind Schüler des Ratsgymnasiums, beide spielen in der Big Band der Schule. "Man soll sich nicht nur auf einen Mitmusiker beschränken", erklärt Felix. "Aber zu zweit können wir am kreativsten sein."
Konkrete berufliche Pläne hat Antonia noch nicht. Ebenso wie ihr Bruder will sie aber immer Musik machen. "Es ist ein wunderbares Hobby, das man bis ins hohe Alter ausüben kann", sagt er und verweist auf Paul Kuhn. Im Hauptberuf aber will er Mediziner werden, so wie seine Eltern. Bei der Langen Nacht der Kultur waren sie am 4. September im Jazz Club zu hören. Am 2. Oktober treten sie bei einem abendlichen Charity-Konzert zusammen mit anderen Mindener Musikern im Stadttheater auf. Allzu viele Konzerte wollen sie nicht geben. "Es soll immer ein Hobby bleiben", darüber sind sich beide einig. "Und ein neues Stück braucht auch Zeit zum reifen", ergänzt der junge Komponist. Da dürfen die Konzerte nicht zu dicht aufeinanderfolgen.
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