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18.09.2010
In jedem schlummert ein Sänger
Die Sängerin und Gesangspädagogin Susanne Eisch
VON UDO STEPHAN KÖHNE

Minden (usk). Sie war der "Hirt" im Mindener "Tannhäuser", gibt Liederabende, singt geistliche Musik und stand zuletzt mit dem Detmolder "Ensemble Horizonte" auf der Bühne, als über alte Filmmusiken improvisiert wurde. Nach ihren eigenen Worten hat Susanne Eisch das Repertoire "rauf und runter" gesungen.

Susanne Eisch hat sich als Sängerin einen guten Ruf erworben. Doch sie ist auch eine äußerst engagierte Musikpädagogin. | Foto: Köhne

Elf Jahre ist Susanne Eisch jetzt in Minden und hat sich in dieser Zeit einen guten Namen gemacht. In jüngster Vergangenheit allerdings zwangen sie die Folgen einer Virusinfektion zu einer Pause. Doch sie "hofft, bald wieder zu hören zu sein", will auf die Bühne zurück; das sagt sie auf derart ansteckend lebensfrohe Art, dass kein Zweifel besteht.

Uneingeschränkt beschäftigt sie sich derweil mit der Ausbildung von Sängern. Wenn sie vom Unterrichten junger, aber auch erwachsener Menschen erzählt, spricht der überzeugende Profi. Ihre Erfolge sprechen für sich. Gerade hat sie mit Sarah Davidovich eine Koloratursopranistin neben ihrer Zeit an der Hochschule ausgebildet. "Von ihr wird man noch einiges hören", versichert sie uns. Drei ihrer Schüler unterrichten bereits selbst.

Susanne Eisch ist fasziniert von dem Organ Stimme. "Verstehen, wie ein Forte oder ein tragfähiges Pianissimo funktioniert" und sich fragen, "wie ich das Potenzial meiner Stimme vollständig ausschöpfen kann, das war mir immer ein wichtiges Anliegen." Und "wie kann ich mich stimmlich so entwickeln, dass mein Körper möglichst vollständig singt." Das sind für die dynamisch auftretende und kompetent erklärende Künstlerin die seit langem entscheidenden Fragen.

Überhaupt ist sie sich sicher, dass in allen ein Sänger schlummert. "Ich erlebe immer wieder, dass jeder die Anwendung der menschlichen Stimme auf hohem Niveau erlernen kann", sagt sie. "Letztlich ist das nur ein senso-motorisches Lernziel. Ich bin durch eine Schule gegangen, die mich dies gelehrt hat."

Mit Sorge beobachtet Susanne Eisch, was an Universitäten und Opernhäusern mit Singstimmen geschieht. Die Zahl der Sänger, die mit Stimmproblemen bei ihr anklopfen, spricht eine deutliche Sprache. "Ich bin überzeugt, dass viele Sänger an der Inkompetenz ihrer Lehrer scheitern", sagt sie. Sie will "an der substanziellen Veränderung in der Art, mit Stimmen umzugehen, die seit einigen Jahren geschieht", mitwirken. Aus genau diesem Grund bildet sie seit einiger Zeit auch Stimmpädagogen aus.

Sängerinnen, die sie interessieren, sind nicht die gehypten Stars der Szene, sondern Franziska Gottwald und Michaela Kaune. Erfrischend ungewöhnliche Vorlieben einer Frau, die auch ein klein bisschen Rebellin ist. Und wie ist es, wenn man beim Auftritt die vokalen Defizite anderer Sänger hört? "Im Konzert steht für mich der Genuss an der Musik im Mittelpunkt. Perfektionismus hat da keinen Platz." meint Susanne Eisch, die erwartet, dass die "Ensemble Horizonte"-Produktion wieder nach Minden kommt. Darin wird sie wie schon Anfang 2009 mit Lehar und Puccini zu hören sein; Herz, Schmerz und die große Operngeste eingeschlossen. Man darf auf das und anderes von ihr gespannt sein.

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Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 17.09.2010 um 21:15:13 Uhr

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