"Ich blicke gerne auf meine Tätigkeit in Minden zurück. Hier habe ich ein unterschütterlich gutes Verhältnis zur Gemeinde erlebt", sagt der 44-Jährige, dessen Frau und Sohn nach der Scheidung auch wieder nach Minden zogen. So besucht Münden seine alte Wirkungsstätte regelmäßig und ist auch über die personellen Veränderungen an St. Marien bestens informiert. Der neue Marienkantor, im Herbst wird der Leipziger Andreas Mitschke Nachfolger von Manuel Doormann, hat bei Münden studiert, der bereits seit 1995 über das Singen mit Kindern an verschiedenen Hochschulen unterrichtet.
"Die Marienkantorei ist eine gute Stelle, um in den Beruf zu starten", sagt Münden. Allerdings sei der Stellenumfang zu groß, um das lange ausfüllen zu können. "Das ist nur etwas für äußerst fleißige Menschen, denn allein schon die Singschule würde eine Stelle ausfüllen, dazu kommt noch die Arbeit mit den anderen Chören, der Orgeldienst und die Gemeindearbeit", erinnert sich Münden und gibt ganz unumwunden zu: "Ich arbeite heute weniger als in Minden."
Und das, obwohl er in Braunschweig in der Domsingschule derzeit 800 Kinder und Erwachsene betreut. "Die Braunschweiger Domsingschule ist die größte Einrichtung für Kirchenmusik in Deutschland", betont der in Bad Kreuznach geborene Musiker, der an der Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg studiert hatte. In Braunschweig werde er in seiner Arbeit allerdings von zwei Assistenten unterstützt. Angefangen hatte er dort mit 300 Kindern und einem Assistenten. In der Marienkirche hatte er mit 27 Singschülern angefangen, als er Minden verließ waren es 160.
"Alles, was wir singen, wird gestisch dargestellt"
Was mittlerweile als "Braunschweiger Methode" bekannt ist, hatte Münden bereits in der Mindener Singschule zu entwickeln begonnen. "Welche Sinne muss ich ansprechen, damit die Kinder beim Singen nicht zappeln" - das war für ihn die Ausgangsfrage. Nach der Braunschweiger Methode gibt es kein Singen ohne Bewegung: "Der Bewegungstrieb wird musikalisch kanalisiert, indem alles, was gesungen wird auch gestisch dargestellt wird, Sonne etwa oder Wellen". Darum hat Münden mittlerweile fünf Kindermusicals geschrieben, die ersten beiden ("Das goldene Kalb" und "David und Jonathan") waren noch in Minden entstanden. "Das ist aus der Not geboren, um mit Kindern szenisch arbeiten zu können", sagt Münden, dem existierende Stücke entweder als zu schwer oder als zu banal erschienen.
Über die Braunschweiger Methode will er im Frühjahr kommenden Jahres ein Lehrbuch vorlegen. "Ich wünsche mir, dass das rechtzeitig vor dem zweiten Durchlauf von "Klasse! Wir singen" erscheint", sagt Münden. Das ist sein jüngstes Projekt, um möglichst viele Kinder an das Singen heranzuführen. 2007 hatte er das Projekt mit 28 000 Schülern in der Region Braunschweig gestartet. Kernpunkt ist, dass die Kinder täglich in ihrer Schulklasse singen, ein fester Liederkanon von "Alle Vögel sind schon da" bis "Morning has broken" ist für alle vorgegeben. Anschließend wurde das Erreichte bei zehn Liederfesten öffentlich vorgestellt.
2011 will Münden das Projekt in die nächste Dimension führen: Alle niedersächsischen Schulen sollen mit den Klassen eins bis sieben mitmachen. Das wären dann 120 000 Schüler. Doch damit ist Münden noch nicht am Ziel. Seine stille Hoffnung: Dass singende Kinder auch ihre Familien zum Mitmachen bringen. Am Ende des sechswöchigen Projektes, das vom Land Niedersachsen unterstützt wird, sollen wieder überall im Land insgesamt 70 Liederfeste stehen. Im Stile von Franchise-Unternehmen möchte er dieses Konzept, dann allerdings nicht unter seiner Leitung, bundesweit ausdehnen.
Auch ältere Menschen möchte Münden zum Singen bringen. Dafür hat er das Liederbuch "Ganz schön tief" vorgelegt. Bekannte Lieder hat er in eine tiefere Tonart transponiert, denn nicht jeder Mensch verfügt über einen glockenhellen Sopran. "Das ist leichter zu singen, auch für Ungeübte und klingt dann etwa in kleinen Gemeinden nicht so dünn".