Organist Friedhelm Wörmann im Porträt / Mit 14 die Leidenschaft für die Orgel entdeckt
So Bruno Monsaigneons umfassende Swjatoslav Richter-Betrachtungen und Michael Stegemanns genau recherchierte Glenn Gould-Biografie und Weiteres, das zum Besten gehört, was zum Thema Musik in den letzten Jahrzehnten geschrieben wurde. Schnell ist man mit Friedhelm Wörmann im Gespräch über Musik.
"Was der macht, berührt einen immer", sagt er über den kanadischen Pianisten Glenn Gould, ohne in pure Anhimmelung zu verfallen. Natürlich könne man darüber streiten, ob es nicht anders besser sei, aber "wie das Ganze als Dramaturgie wirkt", das findet der Organist Wörmann beeindruckend. Er ist eben ganz abwägender Musiker.
Zur "Langen Nacht der Kultur" spielt er auf der Orgel der Petri-Kirche. Ausführliche und hochkompetente Antworten zu den Stücken seines Programms hat er bereit, ist immer sehr gut auch über Werkhintergründe informiert. Ob Stildiskussion oder die Technik des Instruments: Es gibt kaum Fragen, die offenbleiben. "Für den Hörer darf ein Programm nicht langweilig werden", sagt er und wischt damit jeden Zweifel beiseite, dass hier ein viel belesener und musikalisch bewanderter Musiker nur nach dem Kopf die Werkfolge erstelle.
"Ernsthafte Arbeiter an der Orgel, die aber emotional spielen" sind folgerichtig die Musiker, die ihn vor allem interessieren. Und man liegt kaum daneben, wenn man annimmt, dass Wörmann sein eigenes Musizieren an diesen Idealen ausrichtet. Orgelidole hat er nicht. Eher laute die Frage, so Wörmann, "wer kann mir musikalisch was geben." Danach beurteilt er bessere und weniger ansprechende Musiker. Vor allem die fachlich Guten findet er faszinierend. Von der Seriosität des Auftretens ist zudem die Rede. Etwa dass man die Werke den stilistisch passenden Orgeln zuordnet. "Als seriöser Spieler macht man das". Da ist der mit klaren Standpunkten argumentierende Musiker Wörmann sehr entschieden.
Er war kein von musikalischen Eltern forciertes Wunderkind. Mit 14 erst wurde seine Leidenschaft für die Orgelmusik geweckt, als Wörmann in Georgsmarienhütte den dortigen Organisten ("Ich kam nach dem Gottesdienst in die Kirche zurück, weil ich meine Handschuhe vergessen hatte") mit einem Bachwerk hörte: eine regelrechte Initialzündung. Als "schön und großartig" empfand er diese Musik damals, die "bei mir regelrecht einschlug". Seine "Liebe zur alten Musik" ist seitdem stets geblieben, auch wenn er sich ebenso für die Schostakowitsch-Streichquartette ("Das ist irre!") und für Hindemiths Orgelsonaten begeistern kann.
Das Musikinteresse hat er sich selbst erarbeitet: "Mich hat niemand gedrängt" so sein Fazit, "ich habe von den vier Mark, die ich für einen Gottesdienst bekam, meinen Unterricht bezahlt. Den nahm er zunächst bei Winfried Schlepphorst in Osnabrück, der "mit der Hand kontrollierte, ob das Fußgelenk locker genug war", dann bei Uwe-Karsten Groß und Martin Lücker. "Aus gutbürgerlichen Gründen bin ich dann aber an die TU Braunschweig gegangen und Ingenieur geworden".
Sein technisches Wissen hilft ihm heute beim Bau von alten Tasteninstrumenten wie dem Cembalo. Da hat sich Wörmann Einmaliges angeeignet. Der Blick in seine Werkstatt und das klingende Resultat faszinieren: Hier wird in vielen hundert Stunden stilistisch Wunderbares geschaffen.
Dan spricht Wörmann über Interpretation, wie wichtig es ist, das eigene Orgelspiel beim Registrieren aufzunehmen, um zu wissen, "was man wirklich hört". "Ich zum Beispiel denke, dass ich zuviel Agogik anwende, aber nachher höre ich, dass es doch anders ist." Wörmann ist kein selbstzufriedener Künstler. "Man ist als Musiker doch selbst sein stärkster Kritiker". Das kommt mit der Selbstverständlichkeit eines Naturgesetzes heraus. Denn markige Worte sind Wörmanns Sache nicht; eher schon das kluge und weitsichtige Argumentieren. Wer sein Orgelspiel hört, weiß schnell, dass diese Eigenschaften auch sein musikalisches Wirken bestimmen.
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