Kinder im Frauenhaus gehören für die AWO-Mitarbeiterinnen zum Alltag. Und für die minderjährigen Kinder, die mit ihren Müttern hier leben, ist der Aufenthalt inzwischen etwas Alltägliches. "Ich will niemals, niemals, niemals von hier weg", sagt die kleine Samira und schüttelt nachdrücklich ihren Kopf.
Dass die Kinder sich so wohl fühlen, ist trotz vorhergehendem Schul- und Kindergartenwechsel offensichtlich Resultat der Geborgenheit, die sie im Frauenhaus spüren. Obwohl Kinder mit ihren Müttern in einem Zimmer untergebracht sind, können die Kleinen auch leicht in eines der Spielzimmer ausweichen. "Wir spielen Memory oder schminken uns", zählt Nadja auf. "Und ich spiele gern mit meinem Teddy", fügt Samira hinzu. Auch Fernsehen schauen die beiden Mädchen gern gemeinsam.
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"Wir haben eine gute Chance, an die Kinder heranzukommen", sagt Gudrun Hüttemann und begründet dies mit der ganzheitlichen Vorgehensweise. Das ist wichtig, denn meist leiden auch die Kinder unter der väterlichen Gewalt. Manchmal sind sogar Übergriffe auf die Kinder Anlass für die Flucht von Müttern ins Frauenhaus. "Für Mütter ist es dagegen sehr schwer, wenn ihre Kinder nicht mitgehen wollen", berichtet Manuela Breuer.
Auch Jungen finden zumindest bis zur Pubertät, in der Regel bis 14 Jahre, Aufnahme in dieser kleinen behüteten Welt. "Jungen haben bei uns keine schlechteren Karten", tritt Hüttemann Vorbehalten entgegen. Manchmal müssten die Mitarbeiterinnen aber Müttern, deren Söhne in einer Machorolle verfielen, bewusst machen, dass sie dem Grenzen setzen müssen. Nötigenfalls benötigen sie dabei Hilfe, zum Beispiel bei der Erziehungsberatungsstelle.
Nadjas größerer Bruder wohnt inzwischen wieder bei seinem Vater. Eher eine Ausnahme, wie Gudrun Hüttemann sagt. "Jungen gehen nicht generell lieber zu ihren Vätern zurück."
Für die Kinder ist das Leben in der Gemeinschaft wichtig. "Sie können sich gegenseitig helfen", sagt die AWO-Mitarbeiterin. Nur Verabredungen mit neuen Freunden aus der Schule sind schwerer möglich, weil die Adresse des Frauenhauses aus Sicherheitsgründen nicht publik gemacht wird.
Durch die offene Ganztagsgrundschule bleibt für Treffen nach der Schule aber ohnehin weniger Zeit als früher.
Bald heißt es für die Mädchen Abschied nehmen. Denn ihre Mütter haben eigene Wohnungen gefunden. "Wir ziehen bald um", sagt Nadja. Dabei hat sie besonders großes Glück, weil sie im Schulbezirk wohnen bleibt und ihre neuen Schulfreunde dann zu sich nach Haus einladen kann.
Samira dagegen zieht mit ihrer Mutter und ihren beiden jüngeren Geschwistern in ein Haus, in dem bereits eine frühere Bewohnerin mit ihren Kindern lebt. "Wir können ja dann telefonieren", schlägt sie ihrer Freundin vor.
Um diesen Kontakt zu fördern, wollen die Mitarbeiterinnen im kommenden Jahr eine Psychomotorik- und Sportgruppe wieder reaktivieren, in der neben kleinen Bewohnern auch Ehemalige mitturnen. "Dann können die beiden sich auch regelmäßig wiedersehen", sagt Gudrun Hüttemann.
