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14.03.2009
"Einmaligkeit als Chance begreifen"
Dr. Matthias Bracht, neuer Vorstand der Mühlenkreis-Kliniken, stellt Ziel und erste Eindrücke vor
VON HARTMUT NOLTE

Minden/Bad Oeynhausen (mt). Als Handballspieler - immerhin bis zur Regionalliga - habe er in der Defensive wie auch in der Offensive gekämpft, verrät Dr. Matthias Bracht. In seinem am 1. März angetretenen Amt als Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken (MKK) wird er beide Qualitäten brauchen können.

Dr. Ralf Niermann, Dr. Matthias Bracht, Oberarzt Dr. Jens Melching und Carsten Voigt (Geschäftsführer des Krankenhauses Bad Oeynhausen und der Auguste-Viktoria-Klinik). | Foto: Stuke/nw

Denn auf der einen Seite steht der öffentlich-rechtliche Gesundheits-Konzern (über 4000 Beschäftigte, über 200 Millionen Euro Umsatz) finanziell mit dem Rücken an der eigenen Kreislinie und braucht für den (wirtschaftlichen) Erfolg auch einen durchschlagskräftigen, ideenreichen Spielführer, der nicht nur im Rückraum agiert. Den Mitspielern, den Belegschaften in den fünf Häusern des Kliniken-Verbundes hat sich Bracht bereits vorgestellt. (Bracht: Mit dem Personalrat habe ich gleich am ersten Tag gesprochen). Gestern legte er seine Motivation und Ziele vor der Presse dar.

Mit Bedacht war dafür das Krankenhaus in Bad Oeynhausen ausgesucht worden, um zu zeigen, dass es nicht nur das Johannes-Wesling-Klinikum in Minden gibt. "Wir sind glücklich, dass Sie sich für uns entschieden haben", begrüßte Landrat Dr. Ralf Niermann den neuen Vorstandschef und wies auf dessen Doppelqualifikation als Arzt und diplomierter Kaufmann hin.

Einer der Gründe für die Bewerbung und Zusage sei gewesen, dass die Mühlenkreiskliniken eine "einmalige Struktur aufweisen", der sich aber wohl nicht alle Handelnden bewusst seien. Als quasi alleiniger Primärversorger habe man mit dem modernen Klinikum in Minden eine hervorragende Ausgangsposition. "Das ist auch für die Beschäftigten ein Umfeld, um das sie viele in Deutschland beneiden", sagte Bracht. Die medizinische Versorgung in den Mühlenkreis-Kliniken habe überregional einen guten Ruf und genieße hohe Akzeptanz in der Fachwelt. Damit sei die grundsätzliche Voraussetzung und das Potenzial vorhanden, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

"Vereinbarungen einhalten - beiderseits"

Als seine persönlichen Ziele nannte Bracht die weitere Stärkung der Versorgungsqualität, die stärkere Nutzung der einmaligen Verbundstruktur, die Schaffung von klaren Zuständigkeiten und klaren, zuverlässigen Verbindlichkeiten in der Führung. "Das bedeutet, dass Vereinbarungen eingehalten werden - von beiden Seiten", sagte Bracht wörtlich. Gerade in Sanierungsprozessen stellten zudem klare Strukturen in der Kommunikation eine hohe Herausforderung dar. Kurze Entscheidungswege und schlanke Organisation seien ebenso notwendig wie die ständige Fragestellung: Was brauchen wir für das angestrebte Ziel wirklich?. Und die ständige Bereitschaft, Aufgaben und Prozesse entsprechend zu verändern.Alle Entscheidungen müssten sich konsequent an dem erwarteten Ergebnis orientieren, dazu müssen alle Prozesse und Aufgabenstellungen in allen Bereichen hinterfragt werden, die patientenfernen stünden dabei besonders im Fokus.

Bracht gab vor der Presse ein "Bekenntnis zur Zielsetzung der nachhaltigen Sicherung der Arbeitsplätze" ab. Es bestehe "keine Notwendigkeit bestehende Arbeitsverträge zu beenden, schloss er betriebsbedingte Kündigungen aus. Aber das Ziel der Einsparung von 168 Stellen bleibe angepeilt, denn "Sanierung gelingt nicht wenn wir arbeiten wie bisher".

Das vorgegebene Generalziel, die Wirtschaftlichkeit in öffentlicher Trägerschaft nachhaltig zu sichern, bedeutet für Bracht auch, die Mitarbeiter und ihre Vertretungen entsprechend einzubeziehen. "Denn sie haben in Dienstleistungsunternehmen, und gerade im Sonderfall Krankenhaus eine besondere Bedeutung. Wir müssen allen klar machen, dass es sinnvoll und wichtig ist, die Struktur der MKK und ihre Chancen in öffentlicher Verantwortung zu erhalten", betonte Bracht. Für konkrete Äußerungen sei es noch zu früh. Die angestrebte Trendwende sei geschafft, wenn es gelinge die jetzigen Verluste von 1,5 bis zwei Millionen Euro im Monat strukturell zu verringern.

Sehr positive Erfahrungen habe er in den ersten Gesprächen mit den Beschäftigten gewonnen: "Ich hatte den Eindruck, dass Erleichterung und Freude über den Neuanfang da ist."

Guten Ruf festigen - nach außen wie innen

Aber auch eine "bisher eingeschränkte Handlungsfähigkeit an den Standorten außerhalb von Minden sei ihm aufgefallen. Letzteres solle anders werden. "Wir müssen die Ergebnisse der Häuser dort transparent werden lassen, wo sie entstehen." Und noch ein Eindruck des neuen Mannes an der MKK-Spitze, des noch Wochenendpendlers: "Für Außenstehende ist es kaum nachvollziehbar wie problemorientiert hier über die Mühlenkreiskliniken und das neue Johannes-Wesling-Klinikum diskutiert werden. Nicht die großen Chancen und die hervorragende Ausgangsposition sondern die sicher auch vorhandenen Defizite stehen im Fokus der öffentlichen Diskussion", habe ihn gewundert.

Der Kreis sei "darauf angewiesen, dass seine Krankenhäuser nach außen einen guten Ruf haben", sagte Landrat Dr. Niermann. "Und auch nach innen", ergänzte Bracht.

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Blickpunkt: Finanzkrise der Mühlenkreiskliniken



Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2010
Dokument erstellt am 14.03.2009 um 01:24:34 Uhr
Letzte Änderung am 14.03.2009 um 02:59:03 Uhr

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