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18.10.2008
Vertrauen in die Geschäftsführung verloren
"Hochexplosive Atmosphäre": 250 Klinikums-Beschäftigte legen mit Verdi ihre Marschroute in der Finanzkrise fest
VON NICOLE BLIESENER

Minden/Lübbecke (nw). Bereits im März 2007 sollen die Gläubigerbanken nach Informationen dieser Zeitung an die Geschäftsführung der Mühlenkreiskliniken (MKK) herangetreten seien.

"Wir als Gewerkschaft haben die Information, dass die Banken bereits vor 18 Monaten ein Sanierungskonzept gefordert haben", bestätigt Verdi-Bezirkssekretär Volker Hoppmann. "Das ist für mich neu, ich muss dieser Information erst einmal nachgehen", sagte Landrat Ralf Niermann gestern auf Anfrage dieser Zeitung.

Er selbst habe von dem ganzen Ausmaß des Dilemmas erst in den Herbstferien erfahren.

Niermann ist seit 30. Mai 2007 im Amt. "Als ich angefangen habe, war nach meinem Eindruck der Vorstandsvorsitzende Oestreich unumstritten", so Niermann. Erst nach Monaten habe sich herausgestellt, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht möglich gewesen sei. Mit der Konsequenz, dass im Februar 2008 die Bochumer Unternehmensberatung Contec mit ins Boot genommen wurde. "Und das bedeutet schließlich, dass im Vorfeld etwas Fundamentales passiert sein muss", so Niermann.

Seit der Abberufung von Gerald Oestreich führt nun Bettina Schmidt (Contec) kommissarisch die Geschäfte der Mühlenkreiskliniken. Händeringend suchen MKK-Vorstand und Verwaltungsspitze nach Rettungsmöglichkeiten, um die Kreditlinie zu erhöhen.

"Die kriegen keinen Cent von meinem Gehalt"

Am Donnerstagabend legte die Gewerkschaft Verdi in einer Mitgliederversammlung ihre Marschroute fest: Etwa 250 Beschäftige der Mühlenkreiskliniken drängten sich in den Saal der Gaststätte "Schulze" in Rothenuffeln. "Die Atmosphäre war hochexplosiv", berichtet Verdi-Bezirkssekretär Volker Hoppmann. "Wir haben drei Stunden lang kontrovers diskutiert." Die Beschäftigten der Mühlenkreiskliniken seien tief enttäuscht.

4200 Beschäftige haben die Mühlenkreiskliniken zurzeit. "Viele haben aber nur einen befristeten Arbeitsvertrag", sagt Hoppmann. Im Schnitt sind ein Drittel der Beschäftigten aller Kliniken gewerkschaftlich organisiert. "Jahrelang hat sich keiner um die Betriebe vor Ort gekümmert, vieles ist liegengeblieben." Immer wieder sei das Jahr 2008 als Wendepunkt angegeben worden, dann solle das neue Flaggschiff, das Johannes-Wesling-Klinikum richtig durchstarten. Das Vertrauen in die Geschäftsführung hätten die Beschäftigten längst verloren. Eigentlich sei die Mitgliederversammlung in Rothenuffeln in der vergangenen Woche angesetzt worden, um ganz andere Themen zu besprechen. Doch die aktuelle Situation hat die Tagesordnung umgekrempelt. "Es gab viele, die gesagt haben: ,Die kriegen keinen Cent von meinem Gehalt, die sollen nicht glauben, dass wir den Karren jetzt aus dem Dreck ziehen´", zitiert Hoppmann aus der Versammlung.

"Wir sitzen alle in einem Boot"

Andere hätten gesagt: "Es ist wie es ist. Wir müssen jetzt mitgestalten. Wir sitzen alle in einem Boot, aber wir werden nicht rudern, wenn die Arbeitgeber allein am Steuer sitzen."

Einstimmig, bei nur einer handvoll Enthaltungen, erteilten die Mitglieder in der Versammlung der Gewerkschaft die Befugnis, mit den Arbeitgebern zu verhandeln. "Wir machen nur mit, wenn wir dauerhaft mitbestimmen können", gab Hoppmann die Meinung der Mitglieder wieder. Und zwar in einem paritätisch besetzten Gremium, nicht nur über den Personalrat als beratendes Mitglied im Verwaltungsrat. In regelmäßigen Versammlungen wollen die Beschäftigten zukünftig über alle Vereinbarungsschritte informiert werden. "Selbstverständlich sollen auch die Verhandlungen über den Zukunftssicherungsvertrag nur mit Zustimmung der Mitglieder erfolgen", so Hoppmann.

Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 17.10.2008 um 21:25:10 Uhr

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