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14.10.2008
Mühlenkreiskliniken: 20-Millionen-Defizit?
Verwaltungsrat trifft heute zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen / Landrat Niermann kündigt Aufklärung an
VON NICOLE BLIESENER

Minden/Bad Oeynhausen. Mit einem Defizit von knapp 20 Millionen Euro werden die Mühlenkreiskliniken nach Informationen dieser Zeitung das Jahr 2008 abschließen.

Mehr als die Hälfte des Defizits sollen allein Zinsen und Tilgung der Kredite für den Bau des Johannes-Wesling-Klinikums ausmachen.

Ein Verlust also, der nicht nach einem einmaligen Defizit aussieht, sondern der sich in den kommenden Jahren fortschreiben wird. Denn die Laufzeiten der Kredite für das 250 Millionen Euro teure Johannes-Wesling-Klinikum sind auf Jahrzehnte angelegt.

Kontrollgremium der Mühlenkreiskliniken ist der Verwaltungsrat, und der kommt heute Abend unter der Leitung von Landrat Dr. Ralf Niermann zu einer außerordentlichen Verwaltungsratssitzung zusammen. Die Finanzkrise der Mühlenkreiskliniken wollte der Landrat gestern auf Anfrage weder dementieren noch bestätigen.

"Der Verwaltungsrat wird sich am Dienstag mit der finanziellen Situation der Mühlenkreiskliniken beschäftigen. Hintergrund ist die einstimmig getroffene Abberufung des früheren Geschäftsführers Gerald Oestreich, die nun einen Kassensturz bei den Mühlenkreiskliniken ermöglicht hat", erklärte Niermann gestern. "Mit Blick auf die Meinungs- und Willensbildung der Verwaltungsratsmitglieder kann ich derzeit keine Zahlen und Fakten offenlegen", so Niermann weiter. Für Mittwoch kündigte Niermann allerdings eine Pressekonferenz an, in der er die Öffentlichkeit ungeschönt und umfassend informieren will.

Seit Juli 2006 bilden das Krankenhaus Bad Oeynhausen, das Klinikum Minden und das Krankenhaus Lübbecke mit der Außenstelle Rahden als Mühlenkreiskliniken eine Anstalt öffentlichen Rechts (AöR). Träger ist der Kreis Minden-Lübbecke, der damit für etwaige Verluste haftet. Zu den Mühlenkreiskliniken zählen als 100-prozentige Töchter noch die Auguste-Viktoria-Klinik GmbH und die Mühlenkreis Service GmbH.

In ihrem ersten kompletten Geschäftsjahr hatten die Mühlenkreiskliniken ein Umsatzvolumen von etwa 250 Millionen Euro. Umsätze in dieser Größenordnung sollen auch am Ende des zweiten Jahres zu Buche stehen - allerdings demgegenüber ein um einen zweistelligen Millionenbetrag höheres Defizit.

Die Abberufung des früheren Geschäftsführers Gerald Oestreich im Juli 2008 legte die Vermutung nahe, dass es um die Finanzen der Mühlenkreiskliniken nicht zum Besten steht. Nun deutet vieles darauf hin, dass die Mühlenkreiskliniken in einer schweren Finanzkrise stecken.

Bei einem privatwirtschaftlich geführten Unternehmen hätte ein Defizit in dieser Größenordnung die Zahlungsunfähigkeit, also die Insolvenz zur Folge. Da aber der Kreis als Träger haftet, müssen sich die Verluste über den Kreishaushalt ausgeglichen werden. Und dürfte wohl eine Erhöhung der Kreisumlage nach sich ziehen.

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Dokument erstellt am 13.10.2008 um 21:25:09 Uhr

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