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15.12.2011
"Fatale Wirkung auf Vertrauen in Politik"
Heimische Reaktionen zum Thema Dichtheitsprüfung / Gegner demonstrieren vor Landtag und verfolgen Anhörung
VON MONIKA JÄGER UND JÜRGEN LANGENKÄMPER

Minden (mt). Nach einer Anhörung im Landtag setzte sich gestern die FDP mit ihrem Antrag durch, die umstrittene Dichtheitsprüfung auszusetzen. Während die Sprecher der heimischen Dichtungsprüfungsgegner in Düsseldorf direkt den Ausgang der Anhörung verfolgten, liefen bei den Städtischen Betrieben in Minden die Telefone heiß.

Demonstration vor der Ausschusssitzung: Karl-Friedrich Lindau aus Frille (von links), Thomas Korte und Friedrich Deerberg taten in Düsseldorf ihre Meinung zur Dichtheitsprüfung kund. | Foto: pr

Ursprünglich sollten in einem gestaffelten Verfahren bis 2015 die Abwasserrohre aller Privatanschlüsse auf ihre Dichtheit hin überprüft werden. Doch NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) hatte am Dienstag überraschend den Gesetzesentwurf zurückgezogen. Zugleich kündigte er für Januar einen neuen Entwurf an, bei dem es um Änderungen bei Untersuchungsmethoden und -fristen gehen soll.

Die Argumente gegen die Dichtheitsprüfung in der jetzt ins Wanken geratenen Form konnten heimische Gegner Minister Remmel persönlich darlegen. "Wir haben uns am Montagabend zu einem informellen Gespräch in Essen getroffen", berichtet Fritz Pucher aus Haddenhausen. "Wir haben ihm gesagt, wo die Macken im System stecken."

Von 100 durch zertifizierte Fachfirmen festgestellten Mängeln hätten sich bei Gegenkontrollen in der Stadt Lünen 30 als falsch erwiesen, legten Pucher und seine Mitstreiter Friedrich Deerberg aus Frille und Thomas Korte aus Lage (Lippe) dem Umweltminister dar, um den Sanierungszwang infrage zu stellen. "Das Land sollte die Dichtheitsprüfung aussetzen, bis der Bund eine einheitliche Regelung trifft", forderte Pucher.

Grundsätzlich an Prüfung festgehalten

Wie der Haddenhauser charakterisierte auch Deerberg das anderthalbstündige Gespräch als "enorm konstruktiv". "Minister Remmel hatte Informationsbedarf, er hat sehr gut zugehört." Wegen fehlender Mehrheit in der Frage habe er "die Flucht nach vorn ergriffen", meinte der Friller angesichts der Nachbesserung, die Remmel am Dienstag - keine 24 Stunden nach der Unterredung - ankündigte.

Aber trotz dieses Schrittes, den Pucher als "Befreiungsschlag" wertete, habe der Minister gegenüber seinen drei Gesprächspartnern aus Ostwestfalen-Lippe grundsätzlich an der Dichtheitsprüfung festgehalten. Deerberg und Korte demonstrierten mit anderen Gegnern gestern vor dem Landtag und verfolgten anschließend mit 100 Gleichgesinnten die zweieinhalbstündige Anhörung im Umweltausschuss.

Die Aussetzung der Dichtheitsprüfung mit den Stimmen von CDU, FDP und Linken wertete der heimische Landtagsabgeordnete Kai Abruszat als "Riesen-Erfolg für die FDP-Landtagsfraktion, die über Monate als einzige Fraktion konsequent für die Aussetzung des Kanal-TÜVs gekämpft" habe. Als umweltpolitischer Sprecher kündigt Abruszat eine Gesetzesinitiative an, "um den Beschluss in einem förmlichen Verfahren verbindlich zu verankern".

Wie jetzt weiter verfahren werden soll, wollten viele Bürger von den Städtischen Betrieben Minden (SBM) wissen. Leiter Gerald Schüler: "Bürgern, die seit gestern vermehrt anrufen, empfehlen wir, bis Ende Januar mit der Umsetzung der Dichtheitsprüfung zu warten." Selbst wenn nach der angekündigten Neuregelung die bestehen Fristen weiter gelten sollten, sei dann für die Prüfung noch Zeit genug.

Die gegenwärtige Situation findet Schüler wegen der Unklarheit "ausgesprochen bedauerlich." Denn das Gesetz, auf dessen Grundlage die Pflicht zur Dichtheitsprüfung eingeführt worden sei, bestehe weiterhin. An den Reaktionen der Bürger lasse sich schon jetzt eine "fatale Wirkung auf das Vertrauen in die Gesetzgebung und die politischen Entscheidungsträger" erkennen.

In Minden haben inzwischen 41 Hausbesitzer die Bescheinigungen zur Dichtheitsprüfung abgegeben. "Die fühlen sich jetzt doch gekniffen, weil sie schon Geld in die Hand genommen haben", sagt Peter Ibe, der Vorsitzender des Mindener Betriebsausschusses. Einverstanden mit der Aussetzung ist er nicht, denn: "Im Grunde wird hier nur der Schwarze Peter hin und her geschoben. Wenn man so ein Gesetz macht, muss man auch für die Kommunen die Möglichkeit schaffen, es umzusetzen." Ob die Bürger sich jetzt freuen können? Ibe warnt vor zu frühem Jubel.

Städtische Betriebe denken an Aufwandserstattung

Der Grund für seine Skepsis: In Fachkreisen wird schon seit Längerem diskutiert, ob die Frist "2015" nicht sowieso gegen eine Regelung ausgetauscht werden sollte, nach der Rohre 30 Jahre nach der Abnahme wieder geprüft werden müssen.

Schüler: "Wir erwarten von der Landesregierung baldmöglichst Informationen darüber, wie wir verfahren sollen. Wir müssen wissen, wie wir mit der Umsetzung des Wassergesetzes umzugehen haben." Für den Fall, dass das Thema komplett vom Tisch sei, kündigte er an, dass über eine Erstattung des entstandenen Aufwands bei den SBM durch das Land nachzudenken sein werde. Seite 9

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 14.12.2011 um 21:16:24 Uhr
Letzte Änderung am 15.12.2011 um 02:03:18 Uhr

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Kommentare
Der werte Herr Abru... hat seinerzeit diesen Quatsch in Porta mit beschlossen was inzwischen viele Bürger viel Geld gekostet hat. Ihn jetzt hier als Heilsbringer zu proklamieren kommt ja fast dem Lob für die Hände gleich die gerade wieder aufgebaut haben was kurz zuvor der eigene Hintern umgerissen hat.
Tolle Verbesserung - aber wenn ihr ihn in Minden zum BM machen wollt gern - dann sind wir ihn wenigstens in Porta los

@Denker: Wenn Sie schon Vermutungen anstellen, dann sollten Sie Ihrem Pseudonym wenigstens gerecht werden.

Das Eine sind die Prüfer und das Andere die Politiker.

Die hiesigen Politiker haben nur geltendes Recht umgesetzt, so wie es gefordert wurde. In Minden, Petershagen, Hille z.B. hat man dabei sogar extra lange mit der Umsetzung gewartet, während in anderen Orten (z.B. Porta Westfalica) des Landes schon lange geprüft wurde. Und das noch nach härteren Prüfmethoden, die dank der Bürgerinitiativen hier gekippt wurden. Die Städte haben meiner Meinung nach nur zu spät und überhaupt schlecht informiert und Fremdwasser und Dichtheitsgesetz vermischt, in der Hoffnung, dass es keinem auffällt.

Die SBM hat aber etwas gelernt gehabt nicht umsonst bei ihren Anschreiben darauf hingewiesen, dass die Prüfung und Reparaturarbeiten ggf. in getrennte Hände zu legen sind. (Schreiben wurde im Sommer verschickt). Aber in einem freien Land sind da für die Kommune Grenzen, was sie erlauben und empfehlen darf und was der Eigentümer für sich alleine entscheiden muss. So will es ja der mündige Bürger.

Aber eine Schuld an der Pflicht zur Dichtheitsprüfung dem Bürgermeister zuzuschieben oder gar dem Schüler von den SBM ist nicht angebracht.

Das es schwarze Schafe in allen Bereichen gibt ist gar keine Frage. Das gilt in der Autowerkstatt genauso wie in der Imbissbude. Und sicher auch hier. Trotzdem reden bei der Dichtheitsprüfung alle von einem "nicht vertretbaren Generalverdacht", während der Schornsteinfeger oder der Lebensmittelkontrolleur nichts anderes machen (nur viel häufiger). Sie kontrollieren ohne Anfangsverdacht, bleiben aber hiervon anscheinend vollkommen unbehelligt.

Zum Thema 30% Quote: Wie heißt es da so schön: Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.

Daher meine Empfehlung: Erst richtig informieren, dann denken, dann schreiben, werter Denker. Auch wenn es sich leichter schimpfen lässt, wenn man vorgekaute Phrasen ungeprüft raushaut.

mindener und Abrubabele, wie auch mxyptlk scheinen als Sachverständige wohl mit den Verlusten leben müssen. Wie im Artikel beschrieben, sind 30% falsche Gutachten erstellt wurden. Da muss man sich nicht wundern, wenn Sachverständige und Tiefbauer eine Firma gründen, um die "Schäden" nach dem "erkennen", gleich behoben werden können. Alles aus einer Hand. Klar, schlimm wer da was böses denkt....

In der "Richtlinie" der EU heißt es:
Mit der "Richtlinie des Europäischen Rates vom 21. Mai 1991 über die Behandlung von kommunalem Abwasser", der sog. Abwasserrichtlinie (91/271/EWG) [1], haben sich die Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, bestimmte Anforderungen an das "Sammeln, Behandeln und Einleiten von kommunalem Abwasser und das Behandeln und Einleiten von Abwasser bestimmter Industriebranchen" in der Europäischen Gemeinschaft einzuhalten.

Offensichtlich kennt man nur in NRW und Hessen diese Richtlinie.
Befehlgehorsam der Komunnen vor der EU?
Oder Egotrip einiger Bürokraten?

Diese Bürokratie sollte erst einmal in den eigenen Reihen das Saubermannimage aufpolieren und lernen verantwortungvoll mit Steuergeldern umzugehen, anstatt die Bürger mit immer neuen Blödsinn an die Geldbörse zu gehen.

Mit welchem Recht wollen sich denn die Hausbesitzer gegen die Kosten einer Dichtheitsprüfung wehren? Weil die die Kanalisation nicht benutzen? Weil es nicht in den Kostenplan passt?

Es ist alles andere als bürgerfeindlich die Kosten für infrastrukturelle Sondermaßnahmen den Nutzern in Rechnung zu stellen, anstatt sie über Steuern der Allgemeinheit aufzudrücken. Hier wollen sich doch lediglich ein paar Gutverdiener auf Kosten der Allgemeinheit eine sichere Entsorgung bezahlen lassen.

So langsam kommt mir bei einer solchen Mentalität die Galle hoch. Eine tolle Infrastruktur gibt es eben nicht für Lau - auch wenn die Besserverdiener des Stammes NIMM dies gerne für sich so hätten....



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