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13.10.2007
"Jedem Denkmal gerecht werden"
MT-Interview: Historiker Martin Steffen zum Abschluss der Serie "Mindener Monumente"
VON MONIKA JÄGER

Minden (mt). 33mal berichtete der MT-Mitarbeiter und Historiker Martin Steffen seit Februar über "Mindener Monumente" - Denkmäler und Kunstwerke im öffentlichen Raum. Zum Abschluss der viel beachteten Serie hier ein persönlicher Rückblick.

Was macht ein Stück behauenen Stein eigentlich genau zum Denkmal?

Zweierlei. Inhaltlich geht es um die positive Hervorhebung einer Person oder Gruppe. Gestalterisch sind es unabhängig vom Material meist die Darstellungen, die zum Zeitpunkt der Errichtung von bestimmten Personenkreisen oder auch der weiteren Öffentlichkeit verstanden werden konnten oder sollten. Das sorgt natürlich für einen engen Rahmen, den des gemeinsamen Nenners. Zunehmend kamen im Lauf der Zeit Widmungstexte ins Spiel.

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Blickpunkt: Denkmale in Minden


Braucht man so etwas heutzutage eigentlich noch?

Offenbar ist der Bedarf an Symbolen in den letzten Jahren zumindest in Medien und Politik gewachsen. Aktuelles Beispiel ist die Debatte über ein zentrales Denkmal für die Toten der Bundeswehr.

Ein Denk- oder Mahnmal bedeutet öffentliche Ehrung und den Versuch, sich auch baulich dauerhaft auf Verbindendes zu besinnen. Zum Glück gibt es ja nicht nur Haupt- und Staatsaktionen. Die Serie hat gezeigt, dass heute auch Kohlenträger und Buttjer denk-würdig sind.

Was fasziniert Sie selbst besonders an Denkmalen?

Zu sehen, was zu bestimmten Zeiten öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt wurde. Ich blicke auch ganz gern auf Geschmack und Formensprache unterschiedlicher Epochen. Es gibt manchmal zeitlos Klares und auch viel Verschmocktes, das aber durch etwas Moos und Überwucherung schon wieder charmant sein kann.

Wo fanden Sie die Informationen über die jeweiligen Monumente? Gab es Themen, die besonders schwer zu recherchieren waren?

Die erste Anlaufstelle war das Kapitel über Denkmäler im Strukturen-Band der Bauforscher - aber das konnte immer nur der Einstieg sein. Sehr geholfen haben Museum und Kommunalarchiv mit ihren Bildsammlungen. Und natürlich der Blick ins Archiv des Hauses J.C.C. Bruns / Mindener Tageblatt, wenn es um Planungen, Einweihungen und damalige Diskussionen ging. Das Sichten brauchte Zeit.

Schwierig war es bei den Denkmalen nach dem Ersten Weltkrieg, die nicht direkt mit Minden zu tun hatten. Bei den Recherchen zeigte sich auch ein klassisches Historiker-Problem: Jeder zitiert irgendwo und, schwupps, haben Sie überall ein falsches Datum oder Detail. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: entweder Sie finden das Richtige durch Recherchen selber heraus, oder es gibt aufmerksame Leserinnen und Leser, die mit einer verschollenen Festschrift wedeln und den Fehler korrigieren. Beide Varianten habe ich erlebt.Auf welchen Serienteil gab es die meiste Resonanz?

Lässt sich so schwer sagen. Es war eher so, dass gerade zu Anfang konstant Tipps kamen: "Machen Sie auch noch...?" oder "Da ist doch im Glacis..." Oder Leser riefen an und fragten nach Zusatzinformationen oder stellten als Reaktion auf eine Folge interessantes Bildmaterial zur Verfügung.

Einer sagte, er drucke sich alles aus dem E-Paper aus, manche regten einen Sammlung in Buchform an. Überrascht hat mich die gelassene Reaktion auf die Keilstück-Folge.

Gibt es ein Denkmal, das Sie am liebsten abreißen würden?

Alphabetisch oder chronologisch? Nein, im Ernst: Soweit es sich nicht um wirkliche Nazi-Monumente handelt, und die haben wir hier nicht mehr, ganz klares Nein.

Ich habe versucht, jedem Denkmal gerecht zu werden. Aber etliches von dem, was ich in der Serie beschrieben habe, sagt mir privat gar nichts, und was mir gefällt, müssen andere nicht mögen. Eine freie Gesellschaft muss auch hier ein bisschen aushalten können.

Klar, auf Kriegerdenkmalen stehen zum Teil Aussagen, die wir mit heutigem Wissen skeptisch sehen sollten. Aber sind die nicht trotzdem ein Zeitdokument? Und Geschmack bleibt persönlich. Was dem einen sein Keilstück, ist dem anderen seine Handwerkersäule.

Welches Denkmal mögen Sie selbst am liebsten?

Gar nicht einfach. Schinkels Schwichow-Sarkophag ist ein Juwel. Die Überbleibsel des 1870er-Denkmals wirken für mich auf dem Alten Friedhof als Ausdruck von Vergänglichkeit des Ewigkeitsanspruchs besser als das Originaldenkmal mit dieser Häufung von Obelisken am Wesertor.

Ich mag das alte Denkmal der Hannoverschen Pioniere von 1904, vielleicht weil ich Anglist bin, wegen der britischen Verbindungen, die da sichtbar werden - auch wenn es in der HvB-Kaserne durch diese Boote aus heutiger Zeit eingezwängt wird.

Hans Möller-Portas Soldatenfigur am Schwanenteich gefällt mir, weil sie etwas ganz anderes ausdrückt, als die Sonntagsredner bei der Einweihung 1953 behaupteten. Auch für die Skulpturen an Weingarten und Weser nehme ich mir manchmal Zeit.

Stellen Sie sich vor, Sie dürften Minden ein Denkmal stiften. Was zeigt es, wo steht es, welcher Künstler gestaltet es aus welchem Material - und warum?

Wahrscheinlich am ehesten ein Denkmal für Franz Boas. Da könnte ich mit konventioneller Darstellung und Materialien wie Bronze ganz gut leben. Als spielerisches Element vielleicht mit einem angedeuteten Rahmen, wie beim Boas-Titel des Time-Magazine von 1936...

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2010
Dokument erstellt am 12.10.2007 um 21:25:36 Uhr
Letzte Änderung am 13.10.2007 um 00:08:10 Uhr

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