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09.10.2010
Mehr Klarheit für das Abwasser
Kanalisationsstreit: Umweltministerium regelt mit Erlass nun Einzelheiten zur Beseitigung nach
VON MONIKA JÄGER

Minden (mt). Voller Details, Regelungen und Klärungen ist ein druckfrischer Erlass des Umweltministeriums zum Thema Kommunale Abwasserbeseitigung. Politik und Verwaltung feiern ihn fast euphorisch. Sie loben die Mindener Bürger, die mit lautstarken Protesten erst für diesen Erlass gesorgt hätten, als standhafte Vertreter der Demokratie. Die Bürger selbst hingegen fühlen sich dennoch als Verlierer.

Daumen rauf? Daumen runter? Während Politik und Verwaltung den neuen Abwasser-Erlass begrüßen, sind die Bürgerinitiativen der Bergkante überzeugt: Der kann so nicht umgesetzt werden. MT-Foto (m): Manfred Otto

An den Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtages wandten sich die Bürger der Bergkante aus Häverstädt und Haddenhausen. Sie waren gegen die Pläne der Städtischen Betriebe Minden, bei ihnen die Kanalisation zu sanieren (siehe nebenstehenden Kasten).

Jetzt liegt ein Ergebnis der Beratungen des Petitionsausschusses vor. Weit über das übliche Maß einer Petition hinaus habe sich das Gremium mit dem Anliegen der Mindener auseinandergesetzt, schilderte dessen stellvertretende Vorsitzende Inge Howe jetzt in Minden vor Politik und Verwaltung.

Die Bürger aus Haddenhausen und Häverstädt waren allerdings bei der Präsentation nicht dabei. Das sei keine Missachtung ihres Engagements, so Howe. Eine solche Zusammenkunft sei schlichtweg nicht öffentlich und damit rechtlich nicht anders zu machen gewesen. Die Bürger wurden von Howe anschließend persönlich informiert.

Die Petenten seien aber im Petitionsausschuss ausführlich gehört worden. Als Folge dieser Anhörung wurde eine erste Stellungnahme des Ministeriums als nicht ausreichend und lückenhaft zurückgewiesen.

Der jetzt vorgelegte Erlass habe die Lücken geschlossen, so Howe. Er enthält Ausführungsbedingungen für ländliche und städtische Gebiete und für topografisch unterschiedliche Lagen. Er regelt, dass eine wirtschaftliche, kostengünstige und nachhaltige Variante der Sanierung ermittelt werden soll, dass die Bürger beraten werden und wie in sozial schwierigen Fällen zu helfen ist. Auch die umstrittenen Dichtigkeitsprüfungen sind genau geregelt - mit unterschiedlicher Herangehensweise je nach Topografie.

Am Beispiel Haddenhausen wird das Ministerium zudem ein Obergutachten finanzieren. Mit diesem Pilotprojekt sollen Kriterien und ein Bewertungsschema erstellt werden, nach denen in Folge landesweit beurteilt werden kann, wie zumutbar die Sanierungskosten für Bürger sind. So soll auch die Relation zwischen Aufwand und Nutzen in den Blick genommen werden.

Pilotprojekt des Ministeriums in Minden

In Minden wird es nun eine Gesamtübersicht zu den Fremdwasserbelastungen aller Bereiche der Stadt geben. Danach soll eine Prioritätenliste erstellt werden. Bürgermeister Michael Buhre lobte den Erlass, denn vieles sei jetzt deutlich klarer.

Der jetzt in Minden präsentierte Erlass wird nach den Herbstferien dem Petitionsausschuss vorgestellt, der ihn beraten und dann an das Ministerium zurückreichen wird.

Info
Mehr zum Thema finden Sie im Blickpunkt "Abwasserstreit in Haddenhausen und Häverstädt"

Mit einer Bewertung des Mindener Streits zwischen Städtischen Betrieben und Bürgerinitiativen (siehe Kasten) hielt Howe sich gestern zurück. "Wir haben hier Pionierarbeit geleistet", sagt sie "auch weil Mindden so schnell gehandelt hat - selbst wenn das aus Sicht der Bürger übereifrig war." Minden habe landesweit Bedeutung bekommen - Einzelheiten seien nun geregelt, die sonst zulasten der Kommunen gegangen wären.

Jubelstimmung bei den Bürgerinitiativen herrscht jedoch nicht. Denn im Erlass steht auch: Drainagen - die die Bürger der Bergkante eben gerade nicht abklemmen wollten - schließen Bescheinigungen über Dichtigkeit aus. Doch Dichtigkeitsprüfungen können nur in seltenen Fällen ausgesetzt werden. "Das ist genau das, was wir nicht wollten", sagt Michael Specht von der Interessengemeinschaft Abwasser Haddenhausen.

Er allerdings glaubt, dass das letzte Wort dazu noch nicht gesagt ist. "Der Erlass wird landesweit für Aufruhr sorgen. Denn es ist fraglich, ob er so wirklich umgesetzt werden kann."

Dokumenten Information
Copyright © Mindener Tageblatt 2012
Dokument erstellt am 08.10.2010 um 21:35:14 Uhr
Letzte Änderung am 09.10.2010 um 03:53:00 Uhr

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Kommentare
Das "Lünener Modell" lebt, erfreut sich bester Gesundheit und kümmert sich nach wie vor um die Interessen seiner Bürger. Das "Lünener Modell" sorgt dafür; dass niemand durch wirklichkeitsfremde Abwasserstandards in den wirtschaftlichen Ruin getrieben wird.
Lieber "mindener", wenn Sie an der Legalität vom "Lünener Modell" zweifeln, bin ich gern bereit, dies mit Ihnen öffentlich zu diskutieren.

Welch ein Mindener schreibt solch einen Blödsinn??
Da hat aber jemand die Hinweise des Ministeriums wohl nicht vertanden. Rechtsbindend für den Bürger werden diese Hinweise erst, wenn sie durch den Rat der Stadt Minden beschlossen worden sind. Man lernt immer noch dazu, oder...?

Da wird sich der Abwasserbetrieb der Stadt Lünen aber noch ganz schön umgucken, die dortige "Lösung" der Problems erweißt sich ja jetzt als nicht besonders bürgerfreundlich und auch nicht besonders legal. Das sog. "Lünener Modell" ist jedenfalls tot!
Gut ist vor allem, dass jetzt klare Regeln aufgestellt worden sind, die für alle Gemeinden in NRw Geltung haben - Extrawürste gibt es jetzt nicht mehr. Gut ist auch, dass zwischen Stadt und Land unterschieden wird und dass die Topographie bei der dichtheitsprüfung eine Rolle spielt. Durch das Obergutachten der Landesregierung wird auch die wirtschafltichste Lösung ermittelt werden.
Der Überblick über die Fremdwassersituation der einzelnen Stadtbezirke wird das ganze Verfahren dann in geordnete Bahnen lenken. Der vom Betriebsausschuss eingesetzte Arbeitskreis wird in den nächsten Monaten und wahrscheinlich Jahren viel Arbeit haben, aber in Zusammenarbeit mit den Vertretern aus den Stadtbezirken wird sicherlich eine möglichst bürger- und auch umweltfreundliche Lösung gefunden werden.
Das die ilegal die nicht nach den Regeln der Technik und nach DIN angeschlossenen Drainagen nicht zulässig sind, war von vornherein klar und die Notgemeinschaften hätten hier den Bürgern nicht unnötig Sand in die Augen streuen sollen. Die dort führenden Personen müssen jetzt aber mit ihrem Ansehensverlust selbst zurecht kommen.

Jetzt kann König Buhre endlich wieder Gutachten beauftragen.... wenigstens etwas.....

Im Stil einer Hofberichterstattung ist den Verwantwortlichen nach dem Schnabel geschrieben worden.Natürlich fühlen sich Bürger verladen, wenn sie von der Verwaltung belogen werden, Petitionen erst dann gelesen werden, wenn der Gesichtverlust riesig wird und etliche 100000 euro geförderte Planungsmittel mir Spendengeld von Bürgern als zum Fenster hinausgeworfen zu sehen sind. Wir zieht eigentlich die Verantwortlichen der SBM für den selbstverschuldeten Schaden zur Rechnung ??
Herr Buhre sicher nicht!! Klientelpolitik darf nicht mit dieser Art der Berichterstattung beschönigt werden.


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