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09.11.2009
Berlin erneut im Brennpunkt
Kanzlerin spricht heute am Brandenburger Tor / "Friedliche Revolution" gewürdigt
VON JUTTA SCHÜTZ

Berlin (dpa). Und wieder schaut die Welt auf Berlin: Heute wird am Brandenburger Tor die Mauer einstürzen, wie damals vor genau 20 Jahren.

Bereits gestern sang der britische Tenor Paul Potts (2.v.r.) bei einem spontanen Auftritt mit Leipzigern auf dem Hauptbahnhof der Messestadt. Mit etwa 1000 Reisenden sang Potts die von Beethoven vertonten Schiller-Worte "Ode an die Freude" - die inoffizielle Hymne der deutschen Einheit. Der "Chor ohne Grenze" würdigte die friedliche Revolution in der DDR. | Foto: dpa

Mit einem Fest der Freiheit in der Hauptstadt feiert Deutschland die Öffnung der Grenzen am Abend des 9. November 1989. Fast alle europäischen Staats- oder Regierungschefs werden da sein und hunderttausende Besucher aus aller Welt. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton und der russische Präsident Dmitri Medwedew kommen.

Emotionen und Erinnerungen an die historische Nacht lebten bereits gestern auf, als Deutsche und Gäste aus Spanien, Japan, Russland, den USA und Frankreich in Scharen in die Mitte Berlins strömten. Dort nahmen sie die Kunst-Mauer aus rund 1000 bemalten Segmenten an der Nahtstelle der einst geteilten Stadt in Augenschein und zückten die Kameras.

Auf anderthalb Kilometern bilden die Elemente den Mauerverlauf zwischen Reichstag, Brandenburger Tor und Potsdamer Platz nach. Am Montagabend werden sie umkippen - angestoßen von denen, die sie gestaltet haben, von Schülern, Künstlern und Prominenten.

Mandela gestaltete einen Mauerstein

Die übermannsgroßen Mauerteile aus Styropor waren auch auf Reisen gegangen und kamen bemalt zurück. Auch Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela aus Südafrika hat mit seiner Familie einen Stein gestaltet. Den ersten Stein der Dominokette wird der Mitbegründer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc und Ex-Staatspräsident Lech Walesa am Reichstag anstoßen.

Der 9. November 1989 sei der "glücklichste Tag der jüngeren deutschen Geschichte", sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Am Montagabend wird sie am Brandenburger Tor, einst Symbol der Teilung, zu den Menschen sprechen. Wenn die Kanzlerin dann mit den Staatsgästen durch das Tor schreitet, werden die Bilder wie einst vom Mauerfall um die Welt gehen. Die Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim wird das Mauerfall-Fest eröffnen.

Nach 28 Jahren, zwei Monaten und 28 Tagen der Trennung durch eine Mauer hatte SED-Politbüromitglied Günter Schabowski am Abend des 9. November 1989 überraschend und fast beiläufig die Öffnung der DDR-Grenzen verkündet. "Das tritt nach meiner Kenntnis . . . ist das sofort . . . unverzüglich", hatte er die Sensation vor laufenden Kameras gestammelt.

Der gesundheitlich angeschlagene "Kanzler der Einheit", Helmut Kohl (CDU), wird bei den Festlichkeiten fehlen. Seine aus Ostdeutschland stammende Nachfolgerin im Amt, Merkel, wird am Nachmittag des Jubiläumstages den früheren DDR-Bürgerrechtlern ihre Reverenz erweisen, die als erste für Veränderungen in der DDR eintraten. Die Bürgerrechtler hätten "durch ihr mutiges Eintreten für Freiheit und Demokratie ganz wesentlich dazu beigetragen, dass die Maueröffnung möglich wurde", sagte Merkel.

"Es war eine herrliche Atmosphäre"

Geplant ist ein historischer Spaziergang über die Bornholmer Brücke, auch der frühere Sowjet-Staatschef Michail Gorbatschow wird an dem Spaziergang teilnehmen.

An der Bornholmer Brücke war am 9. November um 23.25 als erstes die Grenze geöffnet worden. Tausende DDR-Bürger strömten in den Westen.

Auch Merkels erster West-Ausflug führte über diese Brücke. Sie sei in jener Nacht wie andere Ost-Berliner von einer wildfremden Familie eingeladen worden. "Es war eine herrliche Atmosphäre", so Merkel in der "B.Z. am Sonntag".

Vielen erscheint es noch heute wie ein Wunder, dass alles friedlich blieb und die Grenzsoldaten nicht schossen. Sie hatten in jener Nacht keinen Befehl von oben.

Zum Festtag erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Hauptstadt zur ersten Adresse für all jene Menschen, die den "Traum der Freiheit" leben wollten. "Die friedliche Revolution in der DDR und der Fall der Mauer vor 20 Jahren haben den Weg für einen beispiellosen Wandel freigemacht", betonte Wowereit.

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Dokument erstellt am 09.11.2009 um 02:37:33 Uhr

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