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09.11.2009
Russland sieht sich in der Rolle des großen Verlierers
Das Ende der deutschen Spaltung bedeutete den Anfang vom Ende der Sowjetunion / Gorbatschow am Pranger
VON ULF MAUDER

Moskau (dpa).  In Russland macht sich zum 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls trotz Moskaus damaliger Hilfe eher Bitterkeit als Champagnerlaune breit.

Auch im einstigen Ostblock, im Bild eine Aktion in Bulgariens Hauptstadt Sofia, wird des Mauerfalls gedacht. | Foto: dpa

Wenn Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow und Kremlchef Dmitri Medwedew heute an den deutschen Jubiläumsfeiern teilnehmen, dann wohl eher als gute Verlierer des Kalten Krieges denn als glückliche Gäste. Viele Russen fühlen sich weiterhin vom Westen betrogen. Vor allem aber bedeutete das Ende der Spaltung Deutschlands für die Sowjetunion den Beginn der Aufspaltung und den Verlust ihres Status´ als Weltmacht.

Auch Gorbatschow, der für seine Verdienste um das Ende des Kalten Krieges den Friedensnobelpreis erhielt, beklagt Russlands Außenseiterrolle in Europa. Noch immer würden viele EU-Politiker "oberlehrerhaft" Russland wie einen "Schüler" behandeln. So schürten Länder wie Polen Misstrauen und Klischees von damals und unterstellten Moskau neue "aggressive Großmachtabsichten".

Gorbatschow fordert, endlich die Mauern in den Köpfen einzureißen. "Wir sind für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit", betonte er in einem Beitrag für die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta".

Im eigenen Land aber sieht sich der russische Vater der Deutschen Einheit bis heute dem Vorwurf ausgesetzt, das Ende der Sowjetunion verschuldet zu haben. Russische Militärs lasten Gorbatschow an, er habe "ernsthafte politische Fehler begangen". So kritisiert etwa der Generaloberst Leonid Iwaschow, dass damals kein Verbot einer Nato-Osterweiterung festgeschrieben worden sei. Russland sieht sich selbst durch das Streben etwa der Ukraine und Georgiens in die Nato in seiner Sicherheit bedroht.

Auch Präsident Medwedew bedauerte Versäumnisse. Es sei nicht gelungen, "Russlands Platz in Europa neu zu definieren", sagte er im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Russland habe auf Integration gehofft. "Aber was haben wir bekommen? Nichts von dem, was uns zugesichert worden ist." Die Nato richte weiter Raketen auf russisches Territorium. Moskau aber schwebe eine neue gesamteuropäische Sicherheitsordnung vor.

Sehnsucht nach Zeiten des Aufbruchs

Die liberalen Kräfte in Russland sehnen vor allem die Zeit des Aufbruchs zurück, Gorbatschows Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umbau). Russland hinke der Entwicklung hinterher, kritisierte der frühere Parlamentsabgeordnete Wladimir Ryschkow. "Russland endete als größter Verlierer der Ära nach dem Kalten Krieg."

Das Land habe versagt dabei, seine Wirtschaft und sein Sozialwesen zu modernisieren. Statt einer Demokratie gebe es ein "autoritäres Regime".

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Dokument erstellt am 09.11.2009 um 02:36:53 Uhr

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