Diana Beerenkämper ist als alleinerziehende Mutter bei den Mindener Pionieren für Personalplanung zuständig
VON STEFAN KOCH
Hille-Oberlübbe (mt). Wenn die Mama morgens zur Arbeit fährt, ist Josephine-Celista (3) manchmal noch ganz müde. Denn schon um 7 Uhr tritt die Kompanie von Diana Beerenkämper (30) in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne zum Dienst an - und da wird früh aufgestanden. Die alleinerziehende Mutter ist Feldwebelanwärter.
In der 2. Kompanie des schweren Pionierbataillons 130 ist Diana Beerenkämper für die Personalplanung zuständig. Das ist ein Vollzeitjob, der vorwiegend im Büro stattfindet und in der Bearbeitung von unterschiedlichen Anträgen der Soldaten, der Personalpflege in SAP und vielem mehr besteht.
Um 16.30 Uhr ist Dienstschluss. Dann kehrt die 30-Jährige zu ihrer Tochter und den Eltern nach Oberlübbe zurück, die gleich in der Nachbarschaft wohnen. "Wir haben den ganzen Abend Zeit füreinander und das ist schön", sagt die Mutter.
"Attraktiver Arbeitgeber"
Nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau im Wittekindshof begab sich Diana Beerenkämper vor sieben Jahren auf Arbeitsplatzsuche und kam dabei auf die Bundeswehr. "Das schien mir damals ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und ich habe diesen Schritt bis heute nicht bereut", erklärt die 30-Jährige.
Nachdem sie das Auswahlverfahren im Zentrum für Nachwuchsgewinnung in Düsseldorf erfolgreich überstanden hatte, begann die Frau Anfang 2005 als Funkerin mit der Grundausbildung beim 8. Fernmeldebataillon 820 in Augustdorf. "Das war schon eine Umstellung für mich", erinnert sie sich. Der Dienst sei in der ersten Zeit von 4.30 bis nach 19 Uhr gegangen. Mit vier weiteren Frauen habe sie die Stube geteilt, wobei unterschiedliche Charaktere miteinander auskommen mussten. An eine Heimfahrt sei nur an Wochenenden zu denken gewesen. Zudem wurde täglich mit zehn Kilogramm Gepäck zum Ausbildungsplatz marschiert. "Das war am Anfang für mich schon körperlich anstrengend. Aber ich wusste, was auf mich zukommt." Ihr Bruder habe ihr als Zeitsoldat schon vorher viel vom Alltag bei der Bundeswehr erzählt. Und auch ihr Vater, der in den 70er-Jahren bei den Mindener Pionieren die Amphibie M1 gefahren hatte, wusste einige Erfahrungen beizusteuern.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Nach Augustdorf führte sie der weitere Weg zunächst zum deutsch-niederländischen Corps nach Münster und dann zum Bataillon Elektronische Kampfführung 912 in Nienburg, weil sie die Unteroffizierlaufbahn einschlagen wollte. Schließlich wurde im September 2007 die Tochter geboren und ein Jahr Elternzeit schloss sich an.
Ein Karriereknick? "Die Bundeswehr kümmert sich um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagt Diana Beerenkämper. Das bedeute auch jetzt in Minden, dass ihr Kompaniechef Verständnis zeige und sie bei Bedarf die Arbeitszeit flexibel gestalten könne.
So setzte sie nach der Elternzeit den Soldatenberuf an der Heeresfliegerwaffenschule zunächst in Bückeburg als Personalunteroffizier fort und wechselte dann der Feldwebellaufbahn wegen nach Minden zur 2. Kompanie. Als Glück betrachtet es die gebürtige Herforderin, dass sie bislang meist in der Nähe ihrer Heimat in Oberlübbe eingesetzt wurde.
Wenn die Großeltern zur Kinderbetreuung keine Zeit haben oder andere Termine im Weg stehen, nimmt die junge Frau die Tochter auch mal ausnahmsweise mit in die Herzog-von-Braunschweig-Kaserne. "Da gibt es immer ein paar nette Kameraden, die sich um Josephine-Celista kümmern." Die Kleine malt dann in der Dienststube oder spielt im Kompaniegebäude. "Da hat niemand etwas dagegen."
Auch Auslandseinsatz möglich
32 Frauen sind als Soldaten in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne tätig. Nicht nur in der Personalplanung, sondern auch in der Materialbewirtschaftung oder im Geschäftszimmer sind sie eingesetzt. Neben den Bürojobs kommen aber auch Aufgaben im Außendienst der pioniertechnischen Züge infrage. Und auch ein Auslandseinsatz kann Frauen als Soldat auf Zeit treffen.
"Beim Eintritt in die Bundeswehr war meiner Familie bewusst, dass ich auch den Befehl zu einer Verwendung außerhalb Deutschlands Folge leisten muss", sagt Beerenkämper. Schließlich sei damals die Beteiligung der Bundeswehr an der Friedenssicherung im Kosovo längst parlamentarisch beschlossen gewesen. Ihr sei stets bewusst, dass sie in dieser Frage auch eine entsprechende Erklärung unterzeichnet habe. "Generell kann ein Soldat mit Kind einen solchen Auftrag erhalten."
Beitrag zur MT-Schwerpunktausgabe "100 Jahre Internationaler Frauentag".
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